Geistliche Leiterschaft in der Familie leben – Was es bedeutet, als Mann Verantwortung zu übernehmen
Strukturen ohne Führung sind spätestens in Krisensituationen ineffizient und drohen dann meist zu scheitern. Da Familien die Kernstruktur in Gottes Reich bilden, benötigen auch sie eine Führungsstruktur. Damit verbinden wir das Thema geistliche Leiterschaft in der Familie.
Doch wie hat sich Gott diese Struktur gedacht? Und welchen Herausforderungen stehen gerade Männer gegenüber? In diesem Beitrag werfen wir einen Blick darauf.
Leiterschaft beginnt im Herzen
Viele Männer verbinden mit geistlicher Leiterschaft in der Familie Druck, Erwartungen oder sogar Angst, zu versagen. Doch wenn wir die Torah ernst nehmen, entdecken wir ein ganz anderes Bild: Leiterschaft beginnt nicht mit Macht, sondern mit Haltung.
Die Heilige Schrift zeigt, dass Gott Männer nicht zuerst nach Stärke oder Durchsetzungsvermögen auswählt, sondern nach ihrem Herzen. Geistliche Leiterschaft beginnt deshalb nicht mit Regeln für andere, sondern mit Verantwortung für das eigene Leben.
Als Ehemann und Vater sollten wir deshalb zunächst die folgenden Fragen stellen:
- Bin ich bereit, mich selbst korrigieren zu lassen?
- Bin ich bereit, zuzuhören – Gott, meiner Frau, meinen Kindern?
Wer geistlich leiten will, muss zuerst bereit sein, sich führen zu lassen. Wer sich selbst nicht der Führung anderer unterordnen kann, hat kein Recht zu erwarten, dass sich ihm andere unterordnen.
In der jüdischen Überlieferung, genauer in der Mischna Pirkei Avot, erfahren wir:
Joschua ben Perahiah und Nittai der Arbelit erhielten [die mündliche Überlieferung] von ihnen. Joschua ben Perahiah pflegte zu sagen: Ernenne dir einen Lehrer, suche dir einen Gefährten und beurteile alle Menschen mit einer Waage, die zu seinen Gunsten gewichtet ist.
(Pirkei Avot 1:6 – nach Übersetzung des Verfassers)
Hier sehen wir, dass einer der Vorsitzende des Sanhedrin seinerzeit, Rabbi Joshua ben Perahiah, seinen Schülern riet, sich einen Lehrer und einen Freund bzw. Gefährten zu suchen. Der Freund ist derjenige, mit dem sie auf Augenhöhe stehen. Dem Lehrer jedoch sind sie untergeben und unterstehen seiner Führung.
Somit sollte jeder jüdische Mann einen Lehrer haben, von dem er lernt und dem er auch Rechenschaft ablegen soll. Dieses Prinzip findet sich auch in der Paraschah Jethro wieder. Dort teilte Mose auf den Rat seines Schwiegervaters hin das Volk in Häupter über 10, über 50, über 100 und über 1000 (2. Mose 18,17-26).
Kein Mann in Israel sollte allein sein. Jeder sollte jemanden haben, dem er auf Augenhöhe begegnet, und einen Lehrer, dem er sich unterordnet. Damit bist du gut gerüstet für die geistliche Leiterschaft in deiner Familie.
Verantwortung statt Kontrolle
Ein häufiges Missverständnis ist, dass geistliche Leiterschaft Kontrolle bedeutet. Doch die Torah zeigt uns ein anderes Prinzip: Verantwortung übernehmen, ohne zu unterdrücken.
Dies zeigt sich unter anderem in den Geboten, Witwen oder Waisen nicht zu bedrücken.
Ihr sollt keine Witwen und Waisen bedrücken.
(2. Mose 22,21; Schlachter 2000)
Es ist uns nicht gestattet, über die Menschen in unserem Verantwortungsbereich mit Strenge oder gar mit Gewalt zu herrschen. Vielmehr sind wir angewiesen, uns um ihr Wohlergehen zu kümmern.
Ein Mann übernimmt Verantwortung, wenn er:
- Entscheidungen nicht meidet, aber auch nicht allein trifft
- Schutz bietet, ohne einzuengen
- Orientierung gibt, ohne die Freiheit der anderen zu nehmen
Das Ziel ist nicht, dass alles nach „meinen Vorstellungen“ läuft, sondern dass Ehe und Familie in einem Raum wachsen können, in dem Gott und seine Liebe im Zentrum stehen.
Vorbild schlägt Worte
Kinder lernen Glauben nicht primär durch Erklärungen, sondern durch Beobachtung. Sie sehen, wie wir mit Fehlern umgehen, wie wir reden, wie wir reagieren, wenn es schwierig wird.
Geistliche Leiterschaft zeigt sich im Alltag:
- im respektvollen Umgang mit der eigenen Frau
- im ehrlichen Umgang mit Schuld
- im Gebet, auch wenn es unperfekt ist
Dein Leben ist die erste Torah, die deine Kinder lesen.
Dienende Leiterschaft im Alltag
Die Torah verbindet Leiterschaft immer wieder mit Dienst. Ein Mann, der geistlich leitet, fragt nicht zuerst: Was steht mir zu?, sondern: Was dient meiner Familie wirklich?
Das kann ganz praktisch aussehen. Wenn du deinen Kindern oder deiner Frau Zeit schenkst, obwohl dein Tag voll ist, dienst du ihnen immens. Übernimm Verantwortung, auch wenn es unbequem wird. Das bedeutet auch, die Fehler und Probleme deiner Familienmitglieder mitzutragen.
Dienende Leiterschaft macht dich nicht schwächer – sie macht Beziehungen stark.
Gott als eigentlicher Leiter der Familie
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Du trägst Verantwortung, aber du bist nicht der Erlöser deiner Familie. Diese Rolle gehört Gott allein.
Geistliche Leiterschaft in der Familie zeichnet sich dadurch aus, loszulassen und Gott Raum zu geben, um zu wirken. Wir können nicht alles kontrollieren. Vielmehr gibt uns Gott viele Möglichkeiten, um das Vertrauen in ihn zu lernen.
Als Ehemann und Vater gehst du zwar voran. Doch bist du nicht allein an der Spitze.
Fazit: Leiterschaft ist ein Weg, kein Zustand
Geistliche Leiterschaft in der Familie ist nichts, was man „erreicht“ und dann abhakt. Sie ist ein Weg, den wir jeden Tag neu gehen dürfen. Mit Fehlern, mit Wachstum, mit Gnade.
Als Ehemann und Vater bist du eingeladen, diesen Weg bewusst zu gehen – nicht perfekt, aber ehrlich. Und genau darin liegt echte geistliche Stärke.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
