Wajakhel/Pekudei – Die Mischkan als Symbol der Vergebung
In diesem Jahr haben wir zum Ende des Buches Schemot eine Doppellesung bestehend aus den Abschnitten Wajakhel und Pekudei. Nachdem wir in Terumah und Tetzaveh bereits ausführliche Anweisungen erhalten haben, wie die Stiftshütte gebaut werden sollte, findet das Projekt nun seinen Abschluss.
Dabei verrät die tatsächliche Chronologie der Ereignisse, worum es beim Bau des Zeltes wirklich ging – die Mischkan als Symbol der Vergebung.
Paraschat Wajakhel/Pekudei
2. Mose 35,1-40,38
Hesekiel 36,16-38; Johannes 11,47-57
Wann erhielt Mose den Plan zur Mischkan?
Zunächst wollen wir die Frage beleuchten, wann Gott die Anweisung und den Plan für den Bau der Stiftshütte überhaupt weitergab. In einem Kommentar zu Ki Tisa, genauer zum Vers 2. Mose 31,18 erklärt Rashi, dass er es für sehr unwahrscheinlich hält, dass Gott die Gebote zum Bau der Stiftshütte vor der Versöhnung mit dem Volk gegeben hatte.
Mose kam an Jom Kippur mit den zweiten Steintafeln in der Hand vom Berg. Erst danach begann Israel, die Gaben für das Zelt zu sammeln. Sehr wahrscheinlich erging das Gebot unmittelbar zuvor an Mose.
Das bedeutet jedoch, dass die Sünde des Goldenen Kalbes vor dem Gebot der Stiftshütte geschah. Somit ist der Bau der Mischkan in einem direkten Zusammenhang mit dem Goldenen Kalb zu sehen.
Was führte zum Goldenen Kalb?
Die Sünde des Goldenen Kalbes ist vielschichtig. Es gibt viele Faktoren, die letztlich zur Realisierung dieser Sünde führten. Doch es gibt eine spannende Auseinandersetzung zwischen Gott und Mose, die uns im Talmud überliefert ist. Darin sehen wir eine interessante Facette, die mit der Mischkan in Verbindung steht.
In Berachot 32a spricht Mose folgendes zum Allmächtigen:
כָּךְ אָמַר מֹשֶׁה לִפְנֵי הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא: רִבּוֹנוֹ שֶׁל עוֹלָם, בִּשְׁבִיל כֶּסֶף וְזָהָב שֶׁהִשְׁפַּעְתָּ לָהֶם לְיִשְׂרָאֵל, עַד שֶׁאָמְרוּ ״דַּי״ — הוּא גָּרַם שֶׁעָשׂוּ אֶת הָעֵגֶל.
So sprach Mose vor dem Heiligen, gelobt sei Er: „Herr der Welt, wegen des Silbers und Goldes, das du Israel im Überfluss gegeben hast – so sehr, dass sie sagten: Genug! – genau das hat dazu geführt, dass sie das [Goldene] Kalb gemacht haben.“
(Babylonischer Talmud Berachot 32a)
Mose gibt Gott hier eine kleine Mitverantwortung für das Goldene Kalb. Er sagt, dass das Volk mit dem Reichtum, den es aus Ägypten mitgenommen hatte, gar nichts anzufangen wusste. Und so machten sie daraus einen Götzen.
Das ist nicht als Entschuldigung zu verstehen. Und der Talmud sagt auch, dass Mose hier durchaus unverschämt wurde. Doch das Argument ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Reichtum ohne Ziel kann schnell zu Götzendienst führen.
Wohin mit dem Reichtum?
Die Lösung des Problems lag im Bau der Stiftshütte. Zuvor war das Gold und der Schmuck der Frauen in das Projekt des Goldenen Kalbes geflossen. Doch Gott schuf eine Alternative.
Er schuf ein Projekt, in dem sich das ganze Volk einbringen konnte – mit materiellen Gaben, mit den eigenen Talenten oder einfach durch Arbeitskraft –, um dem wahren Gott eine Wohnung zu bauen.
Erstaunlicherweise funktioniert dies sehr gut und das Gold, Silber, die wertvollen Stoffe etc. wurden in großen Mengen gebracht. Es war so viel, dass Mose und Bezalel einen Lieferstopp verhängen mussten (2. Mose 36,1-7).
Gleichzeitig war die Mischkan ein Zeichen der Vergebung Gottes. Der Midrasch Tanchuma Pekudei 6 spricht das auch deutlich aus. Der Midrasch bezieht sich dabei auf folgenden Vers:
Dies ist die Berechnung der Kosten der Wohnung, der Wohnung des Zeugnisses, die auf Befehl Moses gemacht wurde, mithilfe der Leviten durch die Hand Itamars, des Sohnes Aarons, des Priesters, …
(2. Mose 38,21; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Der Midrasch stellt die Frage, welches Zeugnis das Zelt gab. Natürlich beherbergte die Mischkan die Steintafeln, die auch als Zeugnis bezeichnet werden. Allerdings sieht der Midrasch noch einen weiteren Aspekt in diesem Vers.
Demnach gab die Mischkan der ganzen Welt Zeugnis, dass Gott seinem Volk die Sünde des Goldenen Kalbes vergeben hatte.
Die Essenz echter Teschuva
In diesem Zusammenhang sehen wir mehrere Lehren. Zum einen sehen wir, dass spirituelle Begeisterung ohne Struktur und ohne die Gebote Gottes oft im Chaos, wie beim Goldenen Kalb, endet.
Außerdem zeigt es uns, dass Gott unsere Fehler in etwas Heiliges verwandeln kann. Das sehen wir auch am Material der Mischkan. Letztlich kam das Gold für das Kalb sowie für die Stiftshütte aus Ägypten. Der Rohstoff aus Mizarim wurde von Gott veredelt.
Doch die wichtigste Lehre ist wohl, dass echte Teschuva (Umkehr) nicht nur bedeutet, eine Sünde zu beenden. Nur weil wir aufhören, etwas zu tun, sind wir mit Gott noch nicht automatisch im Reinen.
Vielmehr erwartet der Allmächtige, dass wir die Leidenschaft und Energie, die wir zuvor in die Sünde gesteckt haben, nun auch in Seine Projekte investieren. Nur wenn wir Gott wirklich mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dienen, befinden wir uns in einem heiligen Wandel.
Lasst uns also ganze Sache mit ihm machen und unsere Ressourcen in die Ziele und Projekte des Allmächtigen investieren!
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
