Ki Tisa – Wie Mose reich wurde
Die Lesung Ki Tisa unterbricht die Beschreibung der Stiftshütte aus Terumah und Tetzaveh und zeigt uns, was passierte, bevor das Zelt der Begegnung errichtet werden konnte. Bestandteil der Lesung ist die Sünde des Goldenen Kalbes.
Diese hatte enorme Auswirkungen auf das Volk. Unter anderem war der Götzendienst dafür verantwortlich, dass nicht mehr die Erstgeborenen Israels die Priester des Volkes stellten, sondern ausschließlich die Familie Aarons.
Doch auch wenn die Sünde des Volkes schwer wog, so lag darin doch ein Segen – nicht nur für Aaron, sondern auch für Mose. Insgesamt zeigte sich nämlich im Zuge der Ereignisse, welch ein großer Mann Mose war und wie Gott ihn belohnte.
Parascht Ki Tisa
2. Mose 30,11-34,35
1. Könige 18,1-39; Markus 9,1-10
War die Torah nur für Mose bestimmt?
Schauen wir uns zunächst einmal einige Aspekte der Vorgeschichte zum Goldenen Kalb an. Als Israel die zehn Worte vom Berg Sinai hörte, reagierte es mit Furcht. Offensichtlich waren die einstigen ägyptischen Sklaven einer solch mächtigen Offenbarung nicht gewachsen. Und wer wäre das schon?
Und das ganze Volk nahm das Donnern und die Flammen wahr und den Schall der Schopharhörner und den rauchenden Berg. Als nun das Volk dies wahrnahm, zitterte es und stand von ferne, und es sprach zu Mose: Rede du mit uns, und wir wollen hören; aber Gott soll nicht mit uns reden, sonst müssen wir sterben!
(2. Mose 20,18-19; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Mose ging also allein auf den Berg und empfing die Torah direkt von Gott. Er hatte den Auftrag, eine Schriftrolle anzufertigen, damit Gottes Worte nicht verloren gehen würden. Es heißt dazu in Ki Tisa:
Und der HERR sprach zu Mose: Schreibe dir diese Worte auf! Denn aufgrund dieser Worte habe ich mit dir und mit Israel einen Bund gemacht.
(2. Mose 34,27; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Die Anweisung lautete: Mose, schreibe die Worte Gottes für dich auf. Es heißt hier nicht, dass Mose sie für das Volk aufschreiben sollte.
Auf Grundlage dieses Verses geht Rabbi Josi ben Chanina von Folgendem aus:
Die Tora wurde ursprünglich nur Mose und seinen Nachkommen gegeben, wie es heißt: „Schreibe dir“ und „Haue dir“ (2. Mose 34). So wie das Behauene dir gehört, so gehört auch das Geschriebene dir.
(Babylonischer Talmud Nedarim 38a – nach Übersetzung des Verfassers)
Ursprünglich wurde die Torah also nur Mose und seinen Nachkommen gegeben. Natürlich sollte er sie nicht für sich behalten, sondern sie dem Volk lehren. Wie wir bereits gesehen haben, hatte Israel darum gebeten, dass Mose auf den Berg ging, damit das Volk von ihm hören konnte, was er dort erhalten hatte.
Somit war die Torah ursprünglich gar nicht dazu gedacht, dass das Volk sie lesen sollte. Sie sollte durch mündliche Überlieferung weitergegeben werden. Das Originaldokument wäre dann von Mose und seinen Söhnen verwahrt worden.
Ki Tisa und das Goldene Kalb
Nachdem Mose die ersten 40 Tage und 40 Nächte auf dem Berg gewesen war, schickte ihn Gott wieder herunter. Mose erhielt die Information, dass das Volk, welches er aus Ägypten geführt hatte, sich vom Allmächtigen abgewendet hatte.
Da sprach der HERR zu Mose: Geh, steige hinab; denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, hat Verderben angerichtet!
(2. Mose 32,7; Schlachter 2000)
Das Volk, welches Mose aus Ägypten geführt hatte, war das Mischvolk, die Ägypter, die mit den Kindern Israels gezogen waren. Wenn auch nicht alle, so waren doch einige dabei, die die Sünde des Goldenen Kalbes initiiert hatten.
Mose konnte es erst nicht glauben, doch als er mit eigenen Augen sah, wie wild es die Israeliten trieben, zerbrach er die Tafeln in seiner Hand. Er hoffte dabei, dass die Kinder Israels nicht bestraft werden würden, da sie ja die genauen Bündnisdetails noch nicht kannten.
Dennoch war es nötig, dass er sich erneut 40 Tage und 40 Nächte vor Gott demütigte, um Vergebung zu erwirken.
Die neuen Tafeln
Ki Tisa berichtet ferner davon, was passierte, als Mose ein drittes Mal 40 Tage und 40 Nächte auf dem Berg Sinai war. Dieses Mal sollte er mit zwei steinernen Tafeln auf den Berg kommen. Er hatte ja die ersten zerbrochen und nun war es seine Aufgabe, für Ersatz zu sorgen.
Und der HERR sprach zu Mose: Haue dir zwei steinerne Tafeln zu, wie die ersten waren, damit ich die Worte darauf schreibe, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast;
(2. Mose 34,1; Schlachter 2000)
Wieder finden wir die Formulierungen, dass Mose die Tafeln für sich hauen soll. Sie waren also seine, nicht die des Volkes. Doch aus welchem Material wurden sie gehauen?
Nach der jüdischen Überlieferung, der mündlichen Torah, bestanden die ersten Tafeln aus Saphirsteinen. Es war kein gewöhnliches Sedimentgestein, sondern blauer Edelstein, mit dem Finger Gottes beschrieben, den Mose vom Berg brachte.
Folglich musste das zweite Paar ebenfalls aus Edelsteinen bestehen. Laut Midrasch Schemot Rabba 46:2 hatte Gott Mose wohl eine Art Steinbruch oder einen großen Saphirstein gezeigt, aus dem dieser die beiden Tafeln hauen sollte.
Weiter heißt es, dass Mose die Reste bzw. Abfälle, die beim Bearbeiten des Steins anfielen, behalten sollte. Es heißt außerdem, dass er dadurch enorm reich wurde.
Rabbi Chama, Sohn des Rabbi Chanina, sagte: Mose wurde nur durch die Abfälle (das Behauene) der Gesetzestafeln reich, wie es heißt: „Haue dir zwei steinerne Tafeln wie die ersten“ (2. Mose 34,1). — Das Behauene soll dir gehören.
(Babylonischer Talmud Nedarim 38a – nach Übersetzung des Verfassers)
Moses Großzügigkeit und sein Reichtum
In dieser Geschichte, die wir in Ki Tisa und den Midraschim sehen, erkennen wir ein interessantes Muster. Mose wurde von Gott geehrt, indem er die Torah erhielt. Tatsächlich war das Schriftstück zunächst nur für ihn und seine Nachkommen bestimmt.
Doch Mose gab sie dem Volk Israel weiter. Er behielt den Segen Gottes nicht für sich, sondern teilte ihn mit anderen. Damit übergab er den größten Schatz, den er hatte.
Im Talmud zitiert Rabbi Josi folgenden Vers:
Wer freigebig ist, der wird gesegnet, denn er gibt dem Armen von seinem Brot.
(Sprüche 22,9; Schlachter 2000)
Mose war freigiebig, indem er die Torah großzügig und umfassend mit Israel teilte. Und wie wurde er gesegnet? Durch die Edelsteine, die ihm Gott nach der Herstellung der zweiten Tafeln überließ.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
