Chukkat / Balak – Wenn der Dienst eines Einzelnen vielen das Leben schenkt
Die Paraschah Chukkat gehört zu den Abschnitten, die uns zunächst viele Fragen stellen. Warum musste Mose den Einzug in das verheißene Land verpassen? Warum beklagte sich das Volk schon wieder über fehlendes Wasser? Und weshalb beginnt der Abschnitt des Wassermangels unmittelbar mit dem Tod Mirjams?
Gerade die rabbinische Auslegung hilft uns dabei, einen Zusammenhang zu erkennen, den wir beim ersten Lesen leicht übersehen. Denn nach dem Tod Mirjams heißt es unmittelbar:
Und die Gemeinde hatte kein Wasser …
(4. Mose 20,2a; Schlachter 2000)
Die jüdischen Weisen sehen darin keinen Zufall. Sie lehren, dass Gott Israel während der Wüstenwanderung durch den Verdienst dreier Menschen versorgte: Mirjam, Mose und Aaron. Damit enthält Chukkat eine tiefere Botschaft über Treue, Hingabe und den Segen, den Gott durch einen einzelnen Menschen schenken kann.
Paraschat Chukkat / Balak
4. Mose 19,1-25,9
Micha 5,6-5,8; Matthäus 21,1-11
Chukkat zeigt: Gottes Versorgung war mit Mirjam, Mose und Aaron verbunden
Nach dem Midrasch Bamidbar Rabba 1,2 schenkte Gott Israel drei besondere Gaben, die mit den drei Kindern Amrams verbunden waren:
- Mirjam erhielt die Quelle des Wassers.
- Aaron wurde mit den Wolken der Herrlichkeit verbunden.
- Mose stand für das Manna.
Diese Gaben waren keine Auszeichnung für ihre Persönlichkeit, sondern Ausdruck ihres treuen Dienstes für Gott. Durch ihr Leben und ihre Hingabe wurden unzählige Menschen versorgt.
Als Mirjam starb, versiegte die Quelle. Genau deshalb folgt auf ihren Tod unmittelbar die Feststellung, dass die Gemeinde Israels kein Wasser hatte (4. Mose 20,2).
Erst in diesem Moment wurde dem Volk bewusst, dass das Wasser niemals selbstverständlich gewesen war. Jahrzehntelang hatte Gott sie versorgt, doch erst als diese Versorgung ausblieb, erkannten sie den Wert der Frau, durch deren Verdienst Gott dieses Wunder geschenkt hatte.
Mirjam hatte ihr Leben schon früh Gott zur Verfügung gestellt. Als kleines Mädchen wachte sie mutig über ihren Bruder Mose am Nil (2. Mose 2,4–8). Nach der Durchquerung des Schilfmeeres führte sie die Frauen im Lob Gottes an (2. Mose 15,20–21). Ihr Leben war geprägt von Glauben, Mut und Gehorsam.
Nach rabbinischer Auslegung war die Quelle deshalb ein sichtbares Zeichen dafür, wie Gott ihren treuen Dienst zum Segen für ganz Israel machte. Miriam taucht in der Schrift immer wieder in Verbindung mit dem Wasser auf. Folglich war die Quelle des Wassers in der Wüste an sie gebunden – ganz nach dem Prinzip Midah keneged Midah.
Chukkat macht deutlich, dass der Dienst Gerechter viele Menschen trägt
Dasselbe Prinzip erkennen wir auch bei Aaron. Die Wolken der Herrlichkeit standen nach der rabbinischen Überlieferung für seinen Verdienst. Aaron war der Hohepriester, der Friedensstifter und Fürsprecher des Volkes. Solange Gott ihn gebrauchte, ruhte sein schützender Beistand sichtbar über Israel.
Auch Mose lebte nicht für sich selbst. Immer wieder trat er für das Volk ein, obwohl dieses ihn kritisierte, ablehnte und gegen Gott murrte. In Chukkat geriet Mose jedoch unter enormen Druck. Gott befahl ihm, zum Felsen zu sprechen, damit aus diesem das dringend benötigte Wasser fließen konnte (4. Mose 20,8). Stattdessen schlug er den Felsen zweimal mit seinem Stab (4. Mose 20,11).
In der Folge floss zwar das Wasser und das Volk war gerettet. Doch Mose musste die Konsequenzen seines Handelns tragen. Gott erklärte ihm und Aaron:
Weil ihr mir nicht geglaubt habt, um mich vor den Kindern Israels zu heiligen, sollt ihr diese Gemeinde nicht in das Land bringen, das ich ihnen gegeben habe!
(4. Mose 20,12b; Schlachter 2000)
Der Text zeigt eine bemerkenswerte Spannung. Obwohl Mose versagte, hielt Gott seine Versorgung für das Volk aufrecht. Mose selbst verlor jedoch den Einzug in das verheißene Land. Sein Leben war bis zum Ende vom Dienst für andere geprägt. Denn letztlich sehen wir an der Geschichte, dass Mose, auch wenn er wütend auf das Volk war, ihre Versorgung dennoch sicherstellte. Er opferte sich auch dann noch für die Hebräer auf.
Warum Gott den Dienst Einzelner so reich segnet
Die Botschaft von Chukkat reicht weit über die Wüstenwanderung hinaus. Mirjam, Aaron und Mose lebten nicht für ihren eigenen Vorteil. Ihr Dienst galt Gott und den Menschen. Dadurch wurden sie zu Werkzeugen seiner Gnade.
Oft erkennen Menschen den Wert eines treuen Dieners Gottes erst dann, wenn dieser nicht mehr da ist. Erst als Mirjam starb, wurde sichtbar, welche Bedeutung ihre „Quelle“ für ganz Israel gehabt hatte.
Vielleicht erleben wir Ähnliches in Gemeinden oder Familien. Es gibt Menschen, die treu beten, dienen, helfen, lehren oder andere ermutigen, ohne im Mittelpunkt zu stehen. Vieles geschieht im Verborgenen. Doch Gott sieht diesen Dienst. Nicht selten profitieren weit mehr Menschen davon, als demjenigen selbst bewusst ist.
Was Chukkat uns heute lehren kann
Gerade darin liegt eine starke Ermutigung für unser eigenes Glaubensleben. Jeschua griff das Bild des Wassers auf und gab ihm eine noch tiefere Bedeutung. Zu der samaritanischen Frau sagte er:
Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.
(Johannes 4,14; Schlachter 2000)
Und später erklärte er:
Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.
(Johannes 7,38; Schlachter 2000)
Während Israel in der Wüste eine äußere Quelle suchte, möchte Gott den Gläubigen selbst zu einer Quelle lebendigen Wassers machen. Nicht aus eigener Kraft, sondern durch seinen Geist.
Vielleicht sehen wir nie, welche Auswirkungen unser treuer Dienst tatsächlich hat. Ein Gebet, ein Gespräch, eine Ermutigung, eine helfende Hand oder das Weitergeben von Gottes Wort können das Leben eines anderen Menschen nachhaltig verändern. So wie Israel lange nicht bemerkte, dass Gott sie durch Mirjams Treue versorgte, erkennen auch wir oft nicht, wie Gott andere Menschen durch unseren Dienst segnet.
Chukkat macht uns deshalb erneut darauf aufmerksam, dass Gott treue Menschen gebraucht, um vielen Leben, Hoffnung und Ermutigung zu schenken. Wir müssen nicht jede Frucht unseres Dienstes sehen. Entscheidend ist, dass wir uns ihm zur Verfügung stellen.
Wo wir an Jeschua glauben und ihm nachfolgen, wird er selbst die Quelle lebendigen Wassers in uns sein. Und vielleicht werden wir erst in Gottes Reich erkennen, wie viele Menschen durch die Quelle erfrischt wurden, die Gott aus unserem Leben hat fließen lassen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
