Beschalach – Glaube braucht Bewegung
Mit der Paraschah Beschalach setzen wir die Erzählung aus Bo und Waera fort. Die Hebräer konnten Ägypten endgültig verlassen und standen nun vor einer letzten großen Prüfung. Wenn sie diese bestanden, würden sie vom Paharao und seinen Schergen für immer befreit sein.
Paraschat Beschalach
2. Mose 13,17-17,16
Richter 4,4-5,31; Matthäus 14,22-3
Der Umweg
Als Gott sein Volk aus Ägypten und in Richtung Sinai führte, wählte er einen kleinen Umweg. Die Schrift beschreibt dies wie folgt:
Und es geschah, als der Pharao das Volk ziehen ließ, da führte sie Gott nicht auf die Straße durch das Land der Philister, obwohl sie die nächste war; denn Gott sprach: Es könnte das Volk reuen, wenn es Kämpfe vor sich sehen würde, und es könnte wieder nach Ägypten umkehren.
(2. Mose 13,17; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Was heißt es, dass es das Volk reuen könnte, wenn es Kämpfe sehen würde? Bei dieser Aussage handelt es sich um einen Hinweis auf die mangelnde geistliche Reife des Volkes. Die Hebräer waren noch nicht stark genug, um es mit den Philistern aufzunehmen.
Dabei geht es nicht um die körperliche Stärke. Ihr Glaube war noch nicht ausreichend ausgebildet, um es mit diesem Volk aufzunehmen.
Auf einer tieferen Ebene können wir festhalten, dass Israel sich auch noch nicht komplett von Ägypten und dem Pharao gelöst hatte. Denn obwohl das Volk aus Ägypten ausgezogen war, hatte der Pharao immer noch einen großen Einfluss auf die Kinder Israels.
Das Sklavenbewusstsein und der Pharao
Als die Hebräer schließlich am Schilfmeer standen und den Pharao hinter sich erblickten, verfielen sie in Panik. Es heißt im Text von Beschalach:
Und als der Pharao nahe zu ihnen kam, erhoben die Kinder Israels ihre Augen, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her! Da fürchteten sich die Kinder Israels sehr, und sie schrien zum HERRN.
(2. Mose 14,10; Schlachter 2000)
Die Kinder Israels zogen bereits 7 Tage mit der Wolke durch die Wüste. Sie hatten die Plagen und Wunder in Ägypten gesehen. Und nun verloren sie sämtlichen Glauben beim Anblick des Pharao? Wie konnte das passieren?
Hier zeigt sich, dass Israel Ägypten zwar innerhalb einer Nacht verlassen konnte. Doch die Sklavenidentität abzulegen, dauerte wesentlich länger. Der Pharao hatte immer noch Macht über die Israeliten – auch dann noch, als sie sein Herrschaftsgebiet verlassen hatten.
Ägypten zu verlassen, war das eine. Ein echter Hebräer zu werden, war das andere. Und darum ging es, am Schilfmeer.
Beschalach und der Schritt ins Meer
Der Ausweg für Israel bestand darin, mitten ins Meer hineinzugehen. Und tatsächlich öffnete sich der rettende Weg erst, als die ersten Hebräer bis zum Hals im Wasser standen.
Im Text von Beschalach heißt es:
Und die Kinder Israels gingen mitten in das Meer hinein auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen wie eine Mauer zu ihrer Rechten und zu ihrer Linken.
(2. Mose 14,22; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Der Midrasch Schemot Rabba 21:10 klärt uns darüber auf, dass sich das Wasser erst teilte, als die Kinder Israels schon bis zur Nasenspitze in den Fluten standen. Erst dann teilte sich das Meer.
Folglich war die endgültige Befreiung vom Pharao – und damit verbunden das Ablegen der Sklavenidentität – mit einem großen Glaubens- und Vertrauensschritt verbunden. Hier halfen die Gebete nicht allein. Die Hebräer mussten ins aktive Handeln, in die Bewegung kommen, um ihr Ziel, die Freiheit, zu erreichen.
Der hebräische Begriff des Schilfmeeres, Jam Suph, kann auch mit „Meer des Endes“ übersetzt werden. Dieses Meer muss von jedem Hebräer durchquert werden. Es ist das Meer, welches das endgültige Ende der ägyptischen Herrschaft über Israel symbolisiert.
Doch dieses Meer überquert niemand durch Gebet allein. Es bedarf aktiver Bewegung im Glauben – auch dann, wenn es scheint, dass ein Wunder ausbleibt und uns das Wasser bis zum Hals steht.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
