Wie Schavuot feiern? Ideen und Impulse für Familien
Wie Schavuot feiern? Stellst du dir auch diese Frage? Während Pessach durch die Mazzot und den Sederabend und Sukkot durch die Laubhütte sichtbar wird, wirkt Schavuot manchmal etwas schwieriger greifbar.
Dabei steckt gerade in diesem Fest unglaublich viel Schönheit.
Schavuot (שָׁבוּעוֹת, Schavuot = Wochen) erinnert an die Zeit der Ernte und wird in der jüdischen Tradition außerdem mit der Gabe der Torah am Berg Sinai verbunden. Zudem bildet das Fest den Abschluss der Omerzählung.
Schavuot ist im Kern ein Fest der Vorbereitung, des Wartens und der Begegnung mit Gott. Mit deiner Familie kannst du hier viele wunderbare Erinnerungen schaffen.
Die biblischen Gebote zu Schavuot
Wenn wir uns anschauen, wie Israel Schavuot ursprünglich gefeiert hat, fällt recht schnell auf, dass wir heute nicht viel umsetzen können. Das Fest war eng mit dem Tempel verbunden. Da wir heute keinen Tempel in Jerusalem haben, fallen viele Mizwot im Zusammenhang mit Schavuot weg.
Zu den biblischen Geboten gehörten:
- Opfer darbringen
- nach Jerusalem pilgern
- Erstlingsfrüchte bringen
- gemeinsames Feiern vor Gott in Jerusalem
Im Buch Devarim haben wir eine ganz gute Zusammenfassung des Festes:
Dann sollst du dem HERRN, deinem Gott, das Fest der Wochen halten und ein freiwilliges Opfer von deiner Hand geben, je nachdem der HERR, dein Gott, dich gesegnet hat. Und du sollst fröhlich sein vor dem HERRN, deinem Gott, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Knecht und deine Magd und der Levit, der in deinen Toren ist, und der Fremdling und die Waise und die Witwe, die in deiner Mitte sind, an dem Ort, den der HERR, dein Gott, erwählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen.
(5. Mose 16,10-11, Schlachter 2000)
Die erste Antwort auf die Frage, wie Schavuot gefeiert werden kann, sehen wir bereits im obigen Vers. Sie lautet: Mit Freude und der ganzen Familie, mit Freunden und Glaubensgeschwistern.
Doch zurück zum alten Israel. Besonders die Erstlingsfrüchte – die Bikkurim – spielten eine wichtige Rolle. Die ersten Früchte der Ernte wurden Gott geweiht und zum Tempel gebracht (5. Mose 26,1–11).
Da heute kein Tempel mehr steht, können viele Gebote derzeit nicht in ihrer ursprünglichen Form gehalten werden. Es gibt keinen Opferdienst und keine zentrale Anbetungsstätte in Jerusalem. Trotzdem hat Schavuot seine Bedeutung nicht verloren.
Gerade heute können Familien das Fest nutzen, um sich neu auf Gottes Wort, Dankbarkeit und Gemeinschaft auszurichten.
Gemeinsam auf Schavuot vorbereiten
Schavuot kommt nicht plötzlich. Das Fest ist das Ziel der Omerzählung.
Sieben Wochen lang wird gezählt – Tag für Tag. Für Kinder kann das richtig spannend werden.
Manche Familien:
- basteln einen Omer-Kalender,
- hängen jeden Tag eine Karte um,
- oder markieren die Tage gemeinsam.
Bei uns gibt es meist einen kleinen Kalender, in dem wir 49 Säckchen an einer Schnur aufhängen. In diesen Säckchen befinden sich Kleinigkeiten, meist Datteln oder andere Trockenfrüchte. Mit jedem Tag, also jedem Omer, erhalten die Kinder so auch ein kleines Geschenk.
Gerade kleine Kinder lieben sichtbare Abläufe und Vorfreude. Dadurch wird Schavuot nicht nur „ein Feiertag“, sondern die Tage davor zu einer gemeinsamen Reise.
Das Zuhause festlich gestalten
Eine bekannte Tradition ist es, Häuser mit Blumen und Grün zu schmücken.
Der Hintergrund liegt unter anderem in der Verbindung von Schavuot mit Leben, Wachstum und dem Berg Sinai. Es gibt auch die Überlieferung, dass der Sinai mit der Gabe der Torah erblühte.
Kinder können dabei wunderbar eingebunden werden:
- Blumen sammeln
- Tischdekoration basteln
- Früchte malen
- Girlanden gestalten
- gemeinsam backen
Wir werden mit den Kindern einige Blumen aus dem Garten holen und entsprechend dekorieren. Oft bleiben genau diese kleinen Traditionen langfristig im Herzen. Kinder – sowie die Erwachsenen – erleben Glauben schließlich nicht nur durch Worte, sondern auch durch Atmosphäre.
Die Zehn Gebote gemeinsam lesen
Viele verbinden Schavuot mit der Offenbarung Gottes am Sinai. Im Gedenken daran, kannst du mit deinen Kindern die zehn Gebote lesen. Doch belasst es nicht beim Lesen – sprecht darüber, wie ihr die verschiedenen Gebote umsetzen könnt. Wo das schon gut gelingt und wo es noch Luft nach oben gibt. Gerade mit Kindern kann das sehr besonders sein.
Gottes Gebote sind ein Geschenk an uns. David formulierte es einmal so:
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.
(Psalm 119,105; Schlachter 2000)
Schavuot ist auch eine Erinnerung für uns, wie wertvoll Gottes Weisung ist.
Torahlernen kindgerecht gestalten
Eine bekannte jüdische Tradition ist das nächtliche Torahlernen – Tikkun Leil Schavuot. Der Ursprung dieser Tradition liegt in der Überlieferung, dass Israel die Offenbarung Gottes fast verschlafen hatte. Mose musste das Volk wecken und es zum Berg führen (Pirkei DeRabbi Eliezer 41,7). Zum Ausgleich dieser Nachlässigkeit studieren wir die Torah in der Nacht.
Natürlich müssen Familien mit kleinen Kindern daraus keine anstrengende Nacht machen.
Hier darf man entspannt bleiben.
Statt die ganze Nacht wachzubleiben, kann man:
- abends länger zusammensitzen,
- gemeinsam Bibel lesen,
- Psalmen singen,
- oder eine besondere Familienzeit gestalten.
Das Ziel ist nicht Perfektion. Das Ziel ist, Kindern zu zeigen, dass Gottes Wort kostbar ist.
Und oft entstehen genau in solchen einfachen Momenten die tiefsten Erinnerungen.
Milchige Speisen essen
Viele Familien essen an Schavuot milchige Speisen. Dieser Brauch stammt aus der jüdischen Tradition und wird häufig mit dem Hohelied verbunden:
Honigseim träufeln deine Lippen,[meine] Braut, Honig und Milch sind unter deiner Zunge, und der Duft deiner Kleider ist wie der Duft des Libanon!
(Hoheslied 4,11; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Besonders beliebt sind:
- Käsekuchen
- Blintzes
- Milchreis
- Quarkspeisen
- süße Gebäcke
Für Kinder wird das Fest dadurch oft besonders greifbar und fröhlich. Und offen gesagt: Gemeinsames Essen verbindet Menschen. Vielleicht gehören genau solche Momente zu den schönsten Erinnerungen an Gottes Feste.
Das Buch Ruth lesen
Traditionell wird an Schavuot das Buch Ruth gelesen. Die Geschichte spielt zur Erntezeit und passt deshalb wunderbar zum Charakter des Festes. Außerdem zeigt Ruth ein beeindruckendes Vertrauen in Gott.
Die Aussage „dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott“ steht sinnbildlich bis heute für jeden, der sich Israel und dem Schöpfer von Himmel und Erde anschließen möchte.
Mit kleineren Kindern kann man die Geschichte einfach nacherzählen oder abschnittsweise lesen. Bei uns sind Rollenspiele oder kleine Theateraufführungen besonders beliebt.
Freude gehört zu Schavuot dazu
Wie wir bereits gelesen haben, sollen wir uns an Schavuot freuen. Das wird manchmal unterschätzt. Biblische Feste sind keine trockenen religiösen Termine. Sie sind Zeiten der Freude, Gemeinschaft und Dankbarkeit.
Deshalb darf Schavuot auch fröhlich sein, indem wir gemeinsam essen, ein Familienspiel spielen, Freunde einladen oder zusammen singen. Gerade Kinder spüren sehr schnell, ob Glaube Freude macht oder nur Stress erzeugt.
Kleine Schritte sind genug
Noch etwas Wichtiges zum Schluss: Setze dich bei all den Vorbereitungen nicht unnötig unter Druck. Nicht alles muss perfekt gelingen.
Doch besonders mit kleinen Kindern funktioniert geistliches Leben oft einfacher.
Manchmal reicht schon ein festlich gedeckter Tisch, eine gemeinsame Bibelstunde oder das gemeinschaftliche Musizieren.
Kinder brauchen keine perfekte Feier. Sie brauchen Eltern, die Glauben ehrlich und liebevoll leben. Und so wird die Frage „Wie Schavuot feiern?“ nicht zum Stress.
Wie Schavuot feiern? – ein Fazit
Wie Schavuot feiern? Vielleicht einfacher, als wir manchmal denken.
Auch ohne Tempel können Familien dieses Fest mit Bedeutung füllen und wertvolle Erinnerungen schaffen. Schavuot lädt uns ein, innezuhalten und uns neu daran zu erinnern, dass Gottes Weisung Leben bringt.
Und vielleicht sind es am Ende gar nicht die großen Programme, die Kindern im Gedächtnis bleiben. Sondern die kleinen gemeinsamen Momente am Tisch, beim Vorlesen, beim Singen und beim bewussten Feiern von Gottes Zeiten.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
