Entferne dich vom Narren – Warum wir auf unsere Beziehungen achten sollten
König Salomo galt seinerzeit als der weiseste Mann auf Erden. Sein Ruhm und sein Ruf verbreiteten sich über die ganze Welt, sodass Könige von den vier Enden der Erde nach Israel kamen, um seine Worte zu hören.
Salomo gilt auch als der Verfasser des Buches der Sprüche. Innerhalb dieser Weisheitsliteratur hat er uns viele Empfehlungen für unser tägliches Leben hinterlassen. Eine dieser Empfehlungen ist Gegenstand dieses Beitrags.
Vorsicht bei der Wahl deiner Beziehungen
In den Sprüchen Salomos heißt es:
Geh weg von dem dummen Menschen! Du hörst doch nichts Gescheites von ihm.
(Sprüche 14,7, Schlachter 2000)
Entferne dich vom Narren – diese Aufforderung klingt auf den ersten Blick hart. Schließlich sollen wir Menschen lieben, Geduld haben und anderen helfen. Doch anhand des Spruches sehen wir, dass es Situationen gibt, in denen Abstand die weisere Entscheidung ist.
Gott fordert uns in seinem Wort jedoch nicht dazu auf, andere Menschen zu verachten. Er warnt uns vielmehr davor, uns eng mit Personen zu verbinden, die beharrlich auf einem Weg bleiben, der von Gott wegführt.
Gerade deshalb ist es wichtig zu verstehen, was die Schrift eigentlich mit einem Narren oder dummen Menschen meint. Wenn wir das erkennen, verstehen wir auch besser, warum der Rat „Halte dich fern“ manchmal ein Ausdruck von Weisheit und geistlichem Selbstschutz ist.
Was ist ein Narr in der Bibel?
Wenn wir heute von einem Narren sprechen, denken wir oft an jemanden mit wenig Bildung oder geringer Intelligenz. In der Bibel hat der Begriff jedoch eine andere Bedeutung.
Das hebräische Wort für Narr lautet an dieser Stelle כְּסִיל (kesil). Gemeint ist ein Mensch, der Weisheit ablehnt, obwohl sie ihm angeboten wird. Er möchte nicht lernen, keine Korrektur annehmen und lebt bewusst gegen Gottes Ordnungen. Dieser Narr meint, er wüsste bereits alles und strotzt nur so vor Selbstbewusstsein.
Die jüdische Überlieferung beschreibt den Kesil nicht als jemanden, der nichts weiß, sondern als jemanden, der nicht hören will. Er verschließt sein Herz vor Ermahnung und hält an seinem eigenen Weg fest. Teschuva ist ihm fremd.
Deshalb sagt Sprüche 14,7, dass wir von ihm auch nichts Gescheites lernen werden. Natürlich kann ein solcher Mensch viele Worte machen. Vielleicht ist er sogar überzeugend oder charismatisch. Doch seine Worte führen nicht zur Wahrheit, sondern weg von ihr.
Darum lautet die biblische Empfehlung: Entferne dich vom Narren. Nicht aus Überheblichkeit, sondern weil sein Einfluss auf Dauer schädlich sein kann.
Entferne dich vom Narren – Die Kraft unseres Umfelds
Menschen prägen Menschen. Das erkennen wir schon im Alltag. Wir übernehmen Gewohnheiten, Denkweisen und Einstellungen von den Personen, mit denen wir viel Zeit verbringen.
Die Bibel greift diesen Gedanken mehrfach auf. Paulus schreibt:
Lasst euch nicht irreführen: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten!
(1. Korinther 15,33, Schlachter 2000)
Wer sich ständig mit Menschen umgibt, die Gottes Maßstäbe ablehnen, wird früher oder später unter diesem Einfluss stehen. Das bedeutet nicht, dass wir keinen Kontakt zu Menschen außerhalb des Glaubens haben sollen. Jeschua selbst aß mit Zöllnern und Sündern. Der Unterschied bestand darin, dass er sie beeinflusste und nicht sie ihn.
Wenn wir jedoch merken, dass bestimmte Freundschaften oder Beziehungen uns geistlich schwächen, sollten wir ehrlich genug sein, die Warnung aus Sprüche 14,7 ernst zu nehmen. In manchen Situationen heißt Weisheit tatsächlich: Entferne dich vom Narren.
Warum wir Unterstützung auf dem Glaubensweg brauchen
Der Weg mit Gott ist wunderbar, aber nicht immer einfach. Die Schrift beschreibt den inneren Kampf des Menschen sehr deutlich. Wir kämpfen gegen unsere sündige Natur, gegen Versuchungen und gegen den bösen Trieb.
In der jüdischen Tradition wird häufig von der יֵצֶר הָרַע (jetzer hara) gesprochen, dem bösen Trieb, der den Menschen zur Sünde verleiten möchte. Dem gegenüber steht der Wunsch, Gottes Willen zu tun.
Deshalb brauchen wir Geschwister im Glauben. Wir brauchen Menschen, die uns ermutigen, korrigieren und aufrichten, wenn wir schwach werden.
Der Verfasser des Hebräerbriefs schreibt:
… und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, …
(Hebräer 10,24, Schlachter 2000)
Menschen, die Gott suchen, können uns helfen, auf Kurs zu bleiben. Sie erinnern uns an Gottes Verheißungen, beten mit uns und unterstützen uns in schwierigen Zeiten.
Während der Narr uns von Gott wegziehen kann, können weise Freunde uns näher zu ihm bringen. Deshalb ist die Frage, mit wem wir unsere Zeit verbringen, keine Nebensache, sondern eine geistliche Entscheidung.
Halte dich fern von Einflüssen, die dein Herz von Gott entfernen
Manchmal zeigt sich Torheit nicht sofort. Nicht jeder Narr tritt offen gegen Gott auf. Manche Einflüsse erscheinen harmlos, sind aber dennoch gefährlich.
Vielleicht sind es Menschen, die ständig über andere lästern. Vielleicht sind es Personen, die jede geistliche Wahrheit ins Lächerliche ziehen. Vielleicht sind es Freunde, die Gottes Gebote als unwichtig darstellen.
In solchen Situationen sollten wir aufmerksam sein. Halte dich fern, wenn du merkst, dass dein Glaube darunter leidet. Gott ruft uns nicht dazu auf, jede Beziehung abzubrechen. Aber er ruft uns dazu auf, unser Herz zu bewahren.
Salomo wusste, wie stark Beziehungen unser Leben formen. Deshalb fordert er uns auf: Entferne dich vom Narren.
Fazit: Entferne dich vom Narren und suche die Gemeinschaft der Weisen
Sprüche 14,7 erinnert uns daran, dass unser Umfeld einen großen Einfluss auf unseren Glaubensweg hat. Der Narr ist nicht einfach ein unwissender Mensch, sondern jemand, der Gottes Weisheit bewusst ablehnt und nicht bereit ist, sich korrigieren zu lassen.
Darum kann die Aufforderung „Entferne dich vom Narren“ ein wichtiger Schritt sein, um den eigenen Glauben zu schützen. Gleichzeitig gilt: Halte dich fern von Einflüssen, die dich von Gott wegziehen, und suche die Gemeinschaft von Menschen, die denselben Weg gehen möchten wie du.
Wir kämpfen alle gegen unsere sündige Natur und erleben Zeiten der Schwäche. Gerade deshalb brauchen wir Menschen an unserer Seite, die uns auf Gott hinweisen, statt uns von ihm wegzuführen. Wenn wir weise wählen, mit wem wir unser Leben teilen, werden wir erfahren, dass gute Freunde eine große Hilfe auf dem Weg mit Gott sein können. Deshalb gilt auch heute noch: Entferne dich vom Narren und suche die Gemeinschaft derer, die Gott von ganzem Herzen nachfolgen wollen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
