So kannst du deinen Kindern Glauben lehren – Ohne predigen zu müssen
Wünschst du dir auch, dass deine Kinder eine lebendige und persönliche Beziehung zu Gott pflegen? Ich bin mir sicher, dass die meisten gläubigen Eltern alles daran setzen, damit ihre Kinder ihren Schöpfer kennenlernen. Zudem wünschen wir uns, dass der Glaube nicht nur ein Teil der Kindheit bleibt, sondern das ganze Leben prägt. Doch dabei stellt sich oft eine wichtige Frage: Wie können wir Kindern Glauben lehren, ohne ständig zu predigen oder sie mit Regeln und Belehrungen zu überfordern?
Die Bibel zeigt uns einen bemerkenswerten Weg. Kinder lernen Glauben vor allem durch das, was sie sehen und erleben. Sie beobachten unser Verhalten, unsere Entscheidungen und unseren Umgang mit Herausforderungen. Oft prägt sie das, was wir tun, stärker als das, was wir sagen.
Kindern Glauben lehren beginnt bei unserem Vorbild
Kinder haben ein feines Gespür für Echtheit. Sie merken schnell, ob unser Glaube nur aus Worten besteht oder tatsächlich unseren Alltag beeinflusst. Wir können die schönsten Worte predigen, doch wenn der Glaube nicht in unserem Leben sichtbar wird, dann ist er im Grunde tot. Und da unsere Kinder ihren Alltag mit uns teilen, sind sie die Zeugen in der ersten Reihe, wenn es um die Authentizität unseres Glaubenslebens geht.
Wenn wir von Gottes Treue sprechen, aber bei jeder Schwierigkeit verzweifeln, senden wir widersprüchliche Signale. Wenn wir über Vergebung reden, aber selbst nachtragend sind, lernen Kinder etwas anderes als das, was wir vermitteln möchten.
Deshalb beginnt Kindern den Glauben zu lehren nicht mit einer Unterrichtsstunde, sondern mit unserem eigenen Leben.
Mose schrieb:
Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst; …
(5. Mose 6,6–7; Schlachter 2000)
Interessant ist die Formulierung, dass wir die Worte Gottes zunächst einmal selbst auf dem Herzen tragen sollen, bevor wir sie unseren Kindern weitergeben können. Dabei kommen wir nicht mit einem halbherzigen Glauben, der nur eine äußere Form wahrt, durch. Vielmehr erwartet Gott von uns, dass wir mit ganzem Herzen bei ihm sind. Denn nur so können wir gute Vorbilder für unsere Kinder sein.
Was bedeutet Glauben eigentlich? אֱמוּנָה (Emunah) und בִּטָּחוֹן (Bitachon)
Wenn wir über Glauben sprechen, denken wir häufig an das Für-wahr-Halten bestimmter Aussagen. Der Glaube, dass es einen Gott gibt, reicht jedoch nicht. Im Hebräischen ist das Verständnis nämlich viel tiefer.
Das Wort אֱמוּנָה (Emunah) wird meist mit „Glaube“, „Treue“ oder „Beständigkeit“ übersetzt. Es beschreibt die Überzeugung, dass Gott vertrauenswürdig ist und zu seinen Verheißungen steht. Das Wort stammt von derselben Wurzel wie „Amen“ und drückt Zuverlässigkeit und Festigkeit aus.
Daneben gibt es den Begriff בִּטָּחוֹן (Bitachon), der „Vertrauen“ oder „Zuversicht“ bedeutet. Bitachon beschreibt die praktische Seite des Glaubens. Es bedeutet, sich tatsächlich auf Gott zu verlassen und sein Leben in seine Hände zu legen.
Vereinfacht könnte man sagen:
- אֱמוּנָה (Emunah) bedeutet: „Ich glaube, dass Gott treu ist.“
- בִּטָּחוֹן (Bitachon) bedeutet: „Deshalb vertraue ich ihm mein Leben an.“
Gerade wenn wir Kindern Glauben lehren, sind beide Aspekte wichtig. Kinder sollen nicht nur lernen, wer Gott ist. Sie sollen erleben, dass man ihm vertrauen kann.
Wenn Kinder sehen, wie wir in schwierigen Situationen beten, lernen sie Bitachon. Wenn sie erleben, wie Gott Gebete erhört oder uns durch Herausforderungen trägt, wächst ihre Emunah. Glaube wird dadurch zu etwas Lebendigem und Persönlichem.
Glauben wird im Alltag sichtbar
Viele Eltern machen sich Sorgen, nicht genug für die geistliche Entwicklung ihrer Kinder zu tun. Sie fragen sich, ob die Familienandacht lang genug ist oder ob sie genügend biblisches Wissen vermitteln.
Doch offen gesagt, ist das gar nicht so entscheidend. Oft sind es einfach die kleinen Momente des Alltags, die Kinder am stärksten prägen.
Ein kurzes Gebet vor einer wichtigen Entscheidung. Ein Dank an Gott für eine unerwartete Hilfe. Ein Gespräch über Sorgen und Ängste. Das gemeinsame Lesen eines Bibelabschnitts am Abend.
Kinder lernen dabei, dass Glaube nicht auf bestimmte Zeiten beschränkt ist. Sie entdecken, dass Gott Teil des normalen Lebens ist. Je natürlicher wir unseren Glauben leben, desto natürlicher wird er auch für unsere Kinder.
Fragen zulassen statt fertige Antworten liefern
Kinder stellen oft Fragen, die Erwachsene herausfordern:
- Warum lässt Gott Leid zu?
- Wo ist Gott?
- Warum beten wir?
Manchmal fühlen wir uns verpflichtet, sofort eine perfekte Antwort zu geben. Doch Kinder brauchen nicht immer fertige Lösungen. Häufig brauchen sie vor allem Erwachsene, die ihre Fragen ernst nehmen.
Auch die Bibel ermutigt Kinder dazu, Fragen zu stellen. Beim Pessachfest heißt es:
Und wenn dann eure Kinder zu euch sagen: Was habt ihr da für einen Dienst?, …
(2. Mose 12,26, Schlachter 2000)
Gott rechnete damit, dass Kinder nachfragen würden. Fragen sind kein Zeichen von Unglauben, sondern oft ein Zeichen ehrlichen Interesses.
Wer Kindern Glauben lehren möchte, sollte deshalb eine Atmosphäre schaffen, in der Fragen willkommen sind. Gemeinsam nach Antworten zu suchen, kann manchmal wertvoller sein als jede fertige Erklärung.
Gemeinsame Glaubenserfahrungen schaffen
Glaube wächst nicht allein durch Wissen. Er wächst durch Erfahrungen.
Kinder erinnern sich oft weniger an Erklärungen als an Erlebnisse:
- Gebete, die gemeinsam gesprochen (und auch erhört) wurden.
- Besondere Familienandachten.
- Das Feiern der biblischen Feste.
- Situationen, in denen Gottes Hilfe spürbar wurde.
- Gespräche über Gottes Führung im Alltag.
Gerade die biblischen Feste bieten Familien eine wunderbare Möglichkeit, Glauben erlebbar zu machen. Wenn Kinder Pessach, Schavuot oder Sukkot nicht nur hören, sondern aktiv erleben, bleiben die biblischen Wahrheiten oft viel tiefer im Herzen verankert.
Gott selbst gab Israel viele sichtbare Zeichen, damit Kinder Fragen stellen und Zusammenhänge verstehen konnten. Glauben sollte erlebt und nicht nur erklärt werden. Und gerade deshalb bietet uns die Halacha, als Ausdruck der mündlichen Torah, viele Elemente, die die Feste ganz praktisch auch für die Kinder erlebbar und lehrreich machen.
Ehrlich über eigene Herausforderungen sprechen
Manchmal glauben Eltern, sie müssten ihren Kindern einen perfekten Glauben vorleben. Doch Perfektion ist nicht das Ziel.
Kinder profitieren davon, wenn sie sehen, dass auch Erwachsene Herausforderungen erleben und lernen müssen, Gott zu vertrauen.
Das bedeutet nicht, Kinder mit allen Sorgen zu belasten. Es bedeutet vielmehr, ehrlich zu zeigen, wie wir selbst mit Gott unterwegs sind.
Wenn Kinder erleben, dass Eltern in schwierigen Zeiten beten, Gottes Hilfe suchen und auf seine Führung vertrauen, lernen sie mehr über den Glauben, als viele Worte vermitteln könnten.
Sie sehen dann, dass Emunah und Bitachon nicht nur schöne Begriffe sind, sondern gelebte Realität.
Kindern Glauben lehren durch Liebe und Beziehung
Jeschua sagte:
Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.
(Johannes 13,35; Schlachter 2000)
Kinder lernen viel über Gott durch die Beziehungen, die sie erleben. Liebe, Geduld, Barmherzigkeit und Vergebung vermitteln ihnen ein Bild davon, wie Gott selbst ist.
Wenn wir unseren Kindern mit Wertschätzung begegnen, schaffen wir einen Raum, in dem Vertrauen wachsen kann. Und Vertrauen ist die Grundlage jeder echten Glaubensbeziehung. Glaube lässt sich nicht erzwingen. Er wächst dort, wo Liebe und Beziehung gelebt werden.
Fazit: Weniger predigen, mehr vorleben
Viele Eltern wünschen sich, ihren Kindern einen starken Glauben mitzugeben. Die Bibel zeigt jedoch, dass dies selten durch Predigten geschieht. Kinder lernen Glauben vor allem durch das, was sie im Alltag beobachten.
Kindern Glauben lehren bedeutet daher nicht in erster Linie, möglichst viele Informationen zu vermitteln. Es bedeutet, Emunah und Bitachon sichtbar zu machen. Kinder sollen erleben, dass Gott treu ist und dass wir ihm vertrauen.
Wenn wir unseren Glauben authentisch leben, Fragen zulassen, gemeinsame Glaubenserfahrungen schaffen und unseren Kindern mit Liebe begegnen, geben wir ihnen etwas Wertvolles mit auf den Weg. Nicht einen theoretischen Glauben, sondern einen Glauben, der im Alltag trägt und eine persönliche Beziehung zu Gott ermöglicht.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
