Vertrauen im Glauben – Wie man kämpft, ohne zu kämpfen
Am siebenten Pessachtag wird traditionell der Abschnitt der Durchquerung des Schilfmeers gelesen. Dieser Text ist Teil der Lesung Beschalach. Diese Geschichte enthält viele wichtige Lehren. Eine davon wollen wir uns genauer ansehen. In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit dm Thema Vertrauen im Glauben.
Lesung: Pessach VII
2. Mose 13,17-15,26
2. Samuel 22,1-51; Johannes 20,1-14
Vertrauen im Glauben am Schilfmeer
Die Israeliten stehen am Rande des Schilfmeers. Hinter ihnen donnert das Heer des Pharao heran, vor ihnen liegt das Wasser. Kein Ausweg. Die Panik greift um sich. In diesem Moment spricht Mosche beruhigend zum Volk:
Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht! Steht fest und seht die Rettung des HERRN, die er euch heute bereiten wird; denn diese Ägypter, die ihr heute seht, die werdet ihr nicht wiedersehen in Ewigkeit! Der HERR wird für euch kämpfen, und ihr sollt still sein!
(2. Mose 14,13–14; Schlachter 2000)
Diese Worte klingen wie eine Zumutung. Wie kann man still sein, wenn die Situation so bedrohlich ist? Ist das nicht gerade der Moment, in dem man alles tun müsste, um sich zu retten? Doch genau hier liegt die Spannung, die viele von uns auch heute kennen. Die Spannung zwischen Vertrauen und dem Bedürfnis nach Kontrolle.
Kontrolle abgeben – eine spirituelle Herausforderung
„Ich muss etwas tun.“ Wer kennt diesen Impuls nicht? Er ist tief in uns verankert. Wenn es eng wird, suchen wir nach Lösungen, nach Handlungsspielräumen, nach Plänen B und C. Doch am Schilfmeer sagt Gott sinngemäß: „Hör auf, selbst zu kämpfen – und sieh zu, wie Ich handle.“ Hierbei kann hörendes Gebet sehr hilfreich sein.
Das ist Vertrauen im Glauben in seiner radikalsten Form: zu erkennen, dass ich nicht alles in der Hand habe – und das trotzdem kein Kontrollverlust bedeutet, sondern eine Einladung zur Erfahrung von Gottes Gegenwart.
Wann handeln, wann loslassen?
Vertrauen bedeutet nicht Passivität. Wenige Verse später sagt Gott zu Mosche:
Und der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Kindern Israels, dass sie aufbrechen sollen!
(2. Mose 14,15; Schlachter 2000)
Auch das gehört zum Vertrauen: losgehen, bevor sich das Meer teilt. Dabei sollten wir Vertrauen im Glauben nicht mit Passivität verwechseln. Es geht nicht darum, sich zurückzulehnen und nichts mehr zu tun, sondern darum, nicht aus Angst zu handeln, sondern aus Glauben.
Diese Balance ist im Glaubensleben oft herausfordernd:
- Halte ich fest, weil ich Angst habe oder weil ich Verantwortung trage?
- Gebe ich ab, weil ich glaube oder weil ich resigniert habe?
Diese Fragen sind nicht immer leicht zu beantworten. Doch wir sollten uns immer wieder damit beschäftigen und unsere Beweggründe prüfen.
Vertrauen im Glauben beginnt mit innerer Stille
Die Formulierung “ihr sollt still sein” enthält das hebräische Wort תַּחֲרִשׁוּן (tacharishun) – „ihr sollt schweigen/still sein“. Es ist ein Schweigen, das nicht leer ist, sondern von Erwartung erfüllt.
Inmitten des Lärms, der Sorgen und inneren Stimmen sagt Gott: Werde still – dann wirst du mich hören. Gib die Kontrolle ab – und sieh meine Rettung.
Ein persönlicher Exodus
Der Durchzug durch das Schilfmeer ist nicht nur ein historisches Ereignis. Es ist ein Bild für unsere eigenen Lebenssituationen, in denen wir mit dem Rücken zur Wand stehen.
Vielleicht ist dein „Meer“ eine Krankheit, eine berufliche Sackgasse, ein Beziehungsbruch.
Vertrauen im Glauben bedeutet in solchen Momenten, nicht alles selbst tragen zu müssen.
Vielmehr solltest du dir bewusst machen: Gott sieht mich. Er führt mich. Auch wenn ich den Weg noch nicht sehe.
Fazit: Wenn Vertrauen im Glauben größer ist als Kontrolle
Am 7. Pessachtag erinnern wir uns an das Wunder am Schilfmeer. Doch wir feiern mehr als nur ein historisches Ereignis. Wir feiern den Gott, der auch heute noch Wege schafft, wo keine sind – wenn wir still werden und Ihm vertrauen.
Vertrauen im Glauben heißt: Ich darf loslassen, ohne verloren zu sein. Denn der Ewige kämpft für uns – manchmal genau dann, wenn wir aufhören, selbst kämpfen zu wollen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
