Wajikra – Die Etikette zur königlichen Audienz
Mit der Lesung Wajikra verlassen wir das Buch Schemot (2. Mose). Damit unterbrechen wir auch einen großen erzählerischen Part der Torah. Während Bereschit und Schemot große erzählerische Anteile umfassen und uns die Entwicklung von Adam bis zum Berg Sinai schildern, ist Wajikra geprägt von Geboten und Verordnungen für das Volk und speziell für den Tempel.
Allein 247 der insgesamt 613 Gebote (Mitzvot) entfallen auf das ganze 3. Buch Mose. 16 davon befinden sich in der Lesung Wajikra. Doch in diesem Kommentar wollen wir uns nicht den Geboten widmen. Vielmehr werfen wir einen Blick auf den Übergang zwischen Wajikra und Pekudei.
Paraschat Wajikra
3. Mose 1,1-5,26
Hesekiel 45,16-46,18; Lukas 22,1-13
Die Herrlichkeit Gottes in der Stiftshütte
Nachdem die Stiftshütte aufgebaut und gesalbt war, konnte der Allmächtige in ihr Wohnung nehmen. Tatsächlich erschien kurz nach der Fertigstellung die Herrlichkeit Gottes in einer Wolke und legte sich auf das Zelt.
Da bedeckte die Wolke die Stiftshütte, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung.
(2. Mose 40,34; Schlachter 2000)
Die Herrlichkeit Gottes erfüllte die Hütte so vollkommen, dass es selbst dem gerechten Mose nicht möglich war, das Innere zu betreten.
Und Mose konnte nicht in die Stiftshütte hineingehen, weil die Wolke darauf ruhte und die Herrlichkeit des HERRN die Wohnung erfüllte.
(2. Mose 40,35; Schlachter 2000)
Gott hatte die Wohnung vollkommen eingenommen. Folglich war er auch der Hausherr geworden. Niemand konnte ohne sein Einverständnis in das Zelt der Begegnung gelangen.
Deshalb war es auch notwendig, dass Mose gerufen wurde, um weitere Anweisungen und Gebote von Gott zu empfangen.
Und der HERR rief Mose, und er redete zu ihm aus der Stiftshütte und sprach:
(3. Mose 1,1; Schlachter 2000)
Auch wenn der Text aus Wajikra zunächst nur aussagt, dass Gott aus dem Zelt zu Mose sprach, können wir davon ausgehen, dass Mose das Zelt auch betreten durfte. Schließlich heißt es an anderer Stelle:
Dort will ich mit dir zusammenkommen und mit dir reden von dem Sühnedeckel herab, zwischen den beiden Cherubim, die auf der Lade des Zeugnisses sind, über alles, was ich dir für die Kinder Israels befehlen will.
(2. Mose 25,22; Schlachter 2000)
Dieses Vorgehen erinnert mich stark an die Geschichte eines anderen Königs – Ahasveros, den König von Persien.
Gott der König der Könige
Als die Königin Esther von Mordechai die Anweisung bekam, vor den König zu treten, entgegnete diese:
»Alle Knechte des Königs und die Leute in den königlichen Provinzen wissen, dass, wer irgend in den inneren Hof zum König hineingeht, es sei Mann oder Frau, ohne gerufen zu sein, nach dem gleichen Gesetz sterben muss, es sei denn, dass ihm der König das goldene Zepter entgegenstreckt, damit er am Leben bleibe. Ich aber bin nun seit 30 Tagen nicht gerufen worden, dass ich zum König hineingehen sollte!«
(Esther 4,11; Schlachter 2000)
Der persische König empfing nur diejenigen, die er auch gerufen hatte. Demnach war der König nicht offen für Audienzen. Wenn er keinen Kontakt zu seinem Volk haben wollte, konnte er sich ihm komplett entziehen.
Wir wissen, dass Gott anders ist. Er sucht die Gemeinschaft mit Israel. Er ist nahbar. Dennoch sollten wir ihm die Ehre eines Königs zukommen lassen.
Wir können nicht einfach in abgewetzten Kleidern vor ihn treten. Für den König der Könige sollten wir uns entsprechend herrichten. Doch welche Kleidung ist die Richtige?
Deine Priester sollen sich in Gerechtigkeit kleiden, und deine Getreuen sollen jubeln.
(Psalm 132,9; Schlachter 2000)
Unsere Gerechtigkeit ist die Kleidung, die wir vor Gott tragen können.
Fazit zu Wajikra
Mose war ein gerechter Prophet. Einen solchen Menschen wie ihn gab es nie wieder, dem Gott von Angesicht zu Angesicht begegnete (5. Mose 34,10). Lasst uns dennoch an ihm ein Beispiel nehmen. Denn durch seine Gerechtigkeit konnte Gott ihn in seinen Thronsaal lassen.
Natürlich sucht Gott uns auf, wenn wir Sünder sind. Doch wenn wir ihn schon etwas besser kennen, sollten wir uns darum bemühen, uns an seine Etikette zu halten. Wajikra zeigt uns, was dann passieren kann.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
