Wajelech – Das Original und die Kopie
Wenn polizeiliche Ermittler darin geschult werden, Falschgeld zu erkennen, lernen sie die Beschaffenheit der Originale. Sie werden in jeder Eigenschaft und jedem Sicherheitsmerkmal der Banknote ausführlich geschult, damit sie jeden Geldschein daraufhin prüfen können.
Daran erkennen wir, dass Fälschungen nur mit der Kenntnis des Originals zu identifizieren sind. In der Lesung Wajaelch sehen wir, dass Gott dieses Prinzip für sein Volk ebenfalls nutzt. Nur die Kenntnis der originalen Torah schützt sein Volk davor, den Fälschungen auf den Leim zu gehen.
Paraschat Wajelech
5. Mose 31,1-30
Hosea 14,1-9; Micha 7,18-20; Joel 2,15-27; Matthäus 21,9-17
Die Übergabe der Torahrolle in Wajelech
Nachdem Mose seine Rede an das Volk, welche sich über das gesamte Buch Devarim erstreckt, beendet hatte, übergab er den Leviten und Priestern eine Kopie der aufgeschriebenen Torah.
Und Mose schrieb dieses Gesetz auf und gab es den Priestern, den Söhnen Levis, welche die Bundeslade des HERRN trugen, und allen Ältesten von Israel.
(5. Mose 31,9; Schlachter 2000)
Diese Torahrolle war die erste komplette Sammlung der Gebote Gottes. Sie war die Originalversion der Torah von Mose. Alle weiteren Kopien mussten von diesem Original stammen.
Und so war es nicht verwunderlich, dass diese Rolle nicht einfach im Nachtschrank eines Leviten verstaut werden sollte. Ihr war ein besonderer Platz vorbehalten.
Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es neben die Bundeslade des HERRN, eures Gottes, damit es dort ein Zeuge gegen dich sei.
(5. Mose 31,26; Schlachter 2000)
Es gibt nun unterschiedliche Deutungen, ob diese Rolle neben der Bundeslade (also außerhalb dieser) lag oder seitlich der Steintafeln innerhalb der Lade. Ich halte Letzteres für wahrscheinlich.
Das Original schützen
Um eine Fälschung vom Original unterscheiden zu können, bedarf es eines besonderen Schutzes des Originals. Im Falle der Torah bedeutet das: Wenn jeder dahergelaufene Israelit einfach noch ein oder zwei Sätze zur Torah hinzuschreiben würde, könnte keiner mehr sagen, was von Gott an Mose überliefert wurde und was nicht.
Deshalb wurde die Originalrolle in die Lade gepackt und darum die Stiftschütze errichtet. In das Allerheiligste durfte schließlich nur der Hohepriester – und das nur einmal im Jahr. Jeder andere wäre gestorben (3. Mose 16,13).
Und so war die Originalrolle perfekt vor Verfälschungen geschützt. Doch die Platzierung in der Bundeslade und damit im Allerheiligsten hat noch eine tiefere Bedeutung.
Wajelech und die Verbindung zu Jom Kippur
Es ist sicher kein Zufall, dass die Lesung Wajelech jedes Jahr in zeitlicher Nähe zu Jom Kippur liegt. Die Paraschah wird stets vor dem Fest gelesen.
An Jom Kippur, dem Versöhnungstag, überprüfen wir unsere Herzen. Wir schauen, ob die Originaltorah sich noch dort befindet oder ob sich Verfälschungen eingeschlichen haben. In einem solchen Fall korrigieren wir sie.
Da die Torah dafür gedacht ist, auf unser Herz geschrieben zu werden (Jeremia 31,33), dürfen wir dieses Organ unseres Körpers als unser Allerheiligstes sehen. An Jom Kippur ist nun der Tag, an dem der himmlische Hohepriester einmal nachschauen kann, ob sich auf unseren Herzen noch die originale Torah von Mose befindet.
Falls nicht, muss die Fälschung raus und das Original wieder hinein. Letztlich bildet dieses Ansinnen das Zentrum unserer Gebete an Jom Kippur. Möge Gott uns von den Sünden reinigen und seine lebendige Torah in unser Herz pflanzen.
Vor diesem Hintergrund wünsche ich eine gesegnete Vorbereitungszeit auf diesen besonderen Festtag.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
