Wajakhel – Die geistige Stärke Moses
Die Lesung Wajakhel schließt thematisch direkt an die vorhergehenden Torahportionen Terumah, Tetzaveh und Ki Tisa an. Während die drei genannten Abschnitte sich mit der Planung und den Vorbereitungen zum Bau der Stiftshütte beschäftigt haben, so führt uns Wajakhel nun tatsächlich in den Bau ein.
Obwohl der Bau der Stiftshütte ein Gemeinschaftsprojekt des gesamten Volkes Israel war, gab es doch einen Koordinator – Mose. Dass Mose ein wirklich großer Anführer war, wird aus einer Situation besonders deutlich. Auf diese wollen wir unseren Fokus legen.
Paraschat Wajakhel
2. Mose 35,1-38,20
2. Könige 12,1-17; Matthäus 17,22-27
Freiwillige Gaben als Grundlage für den Bau
Die Materialien für den Bau der Stiftshütte kamen von den Kindern Israels. Jeder Mann, den sein Herz dazu trieb, durfte eine freiwillige Gabe spenden. Somit hatte jeder Israelit die Chance, einen Beitrag zur Errichtung des göttlichen Heiligtums beizusteuern.
Und sie kamen — jeder, den sein Herz dazu trieb, und jeder, dessen Geist willig war; sie brachten dem HERRN eine freiwillige Gabe für das Werk der Stiftshütte und seinen ganzen Dienst und für die heiligen Kleider.
(2. Mose 35,21; Schlachter 2000)
Tatsächlich ist diese Strategie allein schon äußerst interessant. Gott hatte Mose nicht befohlen, einfach durchs Lager zu gehen und sich zu nehmen, was für den Bau nötig war. Der Bericht in Wajakhel zeigt uns vielmehr, dass der Allmächtige großen Wert auf freiwillige Anbeter und Spender legte.
Doch wie wurden die Materialien gesammelt?
Die Logistik der Spenden
Zunächst entschied sich jeder Hebräer, was er spenden wollte. Mit dieser Spende ging er zu Mose. Dieser wiederum händigte die Spenden an die weisen Männer Bezaleel und Oholiab aus.
Und sie empfingen von Mose alle freiwilligen Gaben, welche die Kinder Israels zu dem Werk des Dienstes am Heiligtum gebracht hatten, damit es ausgeführt werde; und sie brachten immer noch jeden Morgen ihre freiwilligen Gaben.
(2. Mose 36,3; Schlachter 2000)
Eines Tages stellte sich jedoch heraus, dass die Materialien zu viel wurden.
Da kamen alle weisen Männer, die an allem Werk des Heiligtums arbeiteten, jeder von seiner Arbeit, die sie machten, und sie redeten mit Mose und sprachen: Das Volk bringt zu viel, mehr als zum Werk dieses Dienstes notwendig ist, das der HERR auszuführen geboten hat!
(2. Mose 36,4-5; Schlachter 2000)
In der Folge stoppte Mose die Sammlung. Die Kinder Israels durften fortan keine weiteren Materialien bringen.
Doch was passierte mit dem Überschuss? Offensichtlich musste sich bei Mose ein ganzer Berg von Gold, Silber, feinsten Stoffen und Edelsteinen befunden haben. Was wurde daraus?
Wajakhel offenbart Moses als weisen Führer
Wir lesen weder, dass die überschüssigen Materialien wieder an die Kinder Israels verteilt wurden, noch lesen wir, dass Mose sie für sich behalten hätte. Was geschah also damit?
Zunächst wollen wir uns anschauen, warum die beiden oberen Optionen nicht gut gewesen wären
- Rückgabe an die Israeliten: Jeder Hebräer, der einen Beitrag zur Stiftshütte leistet, war ein ehrbarer Mensch. Es war jedem Spender hoch anzurechnen, dass er sich von den wertvollen Gütern trennen konnte, um sie dem Allmächtigen zu schenken. Wenn nun ein Teil der Israeliten ihre Spende zurückerhalten hätte, würde dies leicht als Zurückweisung verstanden werden. “Deine Spende brauchen wir nicht, sie ist nichts wert …”
- Mose behält den Rest: Es ist offensichtlich, dass sich Mose in diesem Fall wie jeder andere weltliche Herrscher (wie ein Pharao) verhalten hätte. Ein hebräischer Anführer, ein König, häuft keine Reichtümer an (5. Mose 17,17). Er ist bescheiden.
Die Frage bleibt dennoch: Was geschah mit dem Überschuss?
Der jüdische Rabbi Ramban gibt hier eine schlüssige Erklärung. Er gibt an, dass der Überschuss sehr wohl in Verwahrung im Zelt (von Mose?) blieb. Jedoch wurden die Materialien benutzt, wenn Reparaturen oder Ausbesserungen nötig waren.
Lasst uns einmal darüber nachdenken. Mose war der Empfänger des Goldes. Er sah, dass es einen deutlichen Überschuss gab und er widerstand der Versuchung komplett, sich etwas als Eigenbedarf beiseitezulegen
Wäre es jemandem aufgefallen? Wahrscheinlich keinem Menschen, aber Gott.
Fazit: Wajakhel lehrt uns Gottesfurcht
Moses Ehrfurcht gegenüber dem Allmächtigen war so groß, dass er der Versuchung, sich unberechtigterweise mit irdischen Gütern die Taschen vollzustopfen,widerstand Er war aufrichtig und ehrlich.
In dieser Eigenschaft sollte Mose uns ein Vorbild sein. Und nicht nur uns, sondern auch unseren Kindern. Lasst uns die nächste Generation in dieser Aufrichtigkeit erziehen!
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
