Waera – Mose und die Suche nach der Identität
In der Lesung Waera verfolgen wir den Werdegang Moses weiter. Im Kommentar zu Schemot haben wir bereits gesehen, dass Moses Leben sehr dramatisch begann. Schon als Neugeborenes stand sein Leben auf der Kippe. Er hätte eigentlich getötet werden sollen, doch durch den Mut seiner Mutter und das wundersame Eingreifen Gottes wurde er gerettet.
Doch Waera wartet mit einer Besonderheit zu Mose auf. Denn erst in diesem Abschnitt bekommen wir ein komplettes Geschlechtsregister. Doch warum nicht schon in Schemot? Wir gehen der Frage nach.
Paraschat Waera
Mose 6,2-9,35
Hesekiel 28,25-29,21; Lukas 11,14-22
Die Herkunft Moses in Schemot
Moses Vater bzw. Mutter werden uns in der Paraschah der letzten Woche lediglich als Leviten beschrieben. Wir erhalten keine Namen. Sie bleiben weitgehend anonym.
Und ein Mann aus dem Haus Levi ging hin und nahm eine Tochter Levis zur Frau.
(2. Mose 2,1; SLT)
Warum bleibt die Identität von Amram und Jochebed zunächst unklar, nur um 4 Kapitel später offenbart zu werden?
Eine Antwort darauf könnte sein, dass die Torah der schwierigen Situation der Familie Rechnung trägt. In Schemot musste Jochebed ihren Sohn noch verstecken und wollte möglichst undercover bleiben.
In Waera hingegen finden wir Mose bereits als den Erlöser. Er ist nicht mehr eines von vielen Kindern, die den Tod im Nil finden könnten. Er ist der Führer des Volkes Israel geworden.
Diese Veränderung seiner Rolle, Moses Hineinwachsen in seine wahre Berufung, geht mit der Suche nach seiner wahren Identität einher.
Waera und Moses wahres Wesen
Im Grunde zeichnet die Torah mit der Verschleierung Moses den Weg eines jeden Menschen nach. Wenn wir auf diese Erde kommen, sind wir mit einer bestimmten Mission oder Berufung ausgestattet.
Das Besondere ist, dass weder wir noch unserer Eltern diese Berufung tatsächich kennen. Wir müssen sie erst herausfinden. Die Suche danach, nach dem Sinn unseres Lebens, ist ein Prozess, der uns alle herausfordert.
Bei manchen gelingt es und sie finden Ihre Mission. Die Suche kann jedoch auch ins Leere laufen, sodass manche Menschen den Sinn ihres Daseins niemals erkennen. Wieder andere machen sich gar nicht erst auf die Suche.
Und so war Mose zwar auserkoren, das Volk Israel aus Ägypten zu befreien. Doch es bestand das Risiko, dass er seine Bestimmung verfehlen würde. Und tatsächlich hatte Mose große Zweifel, dass er dieser Aufgabe gewachsen sein würde.
Diese Zweifel drückten sich in einer heftigen Diskussion mit dem Allmächtigen aus, in dessen Folge Mose äußerte:
Da erwiderte Mose: Ach, Herr! Sende doch, wen du senden willst!
(2. Mose 4,13; SLT)
Mit anderen Worten: Gott, schicke doch irgendjemand anderen. Doch wie wir am Ausgang an dieser Diskussion sehen können, war Mose der Auserwählte für diesen Auftrag. Niemand anderes hätte seine Mission erfüllen können. Und so gewann Gott ihn dafür, sich vor dem Pharao für die Befreiung der Kinder Israels einzusetzen.
Der große Name Moses
Erst als Mose seine Berufung annahm, begann Gott, ihm einen Namen zu machen. Diese Verheißung gab er ursprünglich Abram.
Und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein.
(1. Mose 12,2; SLT)
Und wahrscheinlich ist Mose neben Abraham die bekannteste Figur in den fünf Büchern Mose.
Im Geschlechtsregister von Waera werden Mose und Aaron beide mit den folgenden Worten hervorgehoben.
Das ist jener Aaron und jener Mose, zu denen der HERR sprach: Führt die Kinder Israels nach ihren Heerscharen aus dem Land Ägypten! 27 Sie sind es, die mit dem Pharao, dem König von Ägypten, redeten, um die Kinder Israels aus Ägypten herauszuführen, jener Mose und jener Aaron.
(2. Mose 6,26-27; SLT)
Es scheint, als würde Gott die beiden Brüder eben ebendarum hervorheben wollen, weil sie ihre Berufung gefunden hatten und diese auch ausfüllen wollten.
Kennst du deine Berufung?
Und so stellt uns Waera vor eine ganz persönliche Herausforderung. Diese besteht in der Suche nach unserer Berufung, unserer Mission, falls wir sie bisher nicht gefunden haben.
Wir können davon ausgehen, dass Gott uns mit einem ganz bestimmten Auftrag in diese Welt gesandt hat. Diesen Auftrag können nur wir erfüllen. Doch dafür müssen wir ihn zunächst erkennen.
Doch auch unsere Kinder sind mit einer Mission hier. Falls du dir also über deine eigene Mission sicher bist, besteht deine Aufgabe darin, diese zu erfüllen und gleichzeitig deinen Kindern dabei zu helfen, sie zu entdecken. Dabei sind sowohl unsere Worte als auch unsere Taten und Gebete für unsere Kinder von Bedeutung.
Dabei sind wir Eltern für diese Aufgabe geradezu prädestiniert, denn wir haben einen Blick von außen auf die Seelen und Charaktere unserer Kinder.
Ich möchte dich ermutigen, dir immer wieder bewusst Zeit mit deinen Kindern zu nehmen und genau hinzuschauen, welche Berufung du in ihnen erkennen kannst.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
