Tzav – Warum gab es nachts keine Opfer?
Die Torahportion Tzav schließt thematisch direkt an Wajikra an. Während wir in der vorangegangenen Lesung die wesentlichen Opfer und deren Bestimmungen kennengelernt hatten, erhalten wir in der aktuellen Paraschah etwas mehr Hintergrund zu den einzelnen Opfergaben.
Beim Lesen des Textes ist mir jedoch eine Frage in den Sinn gekommen, die ich in diesem Kommentar etwas genauer beleuchten möchte: Warum wurde am Tempel nicht in der Nacht geopfert?
Paraschat Tzav
3. Mose 6,1-8,36
Maleachi 3,4-24; Matthäus 17,9-13
Die Ordnung des Tempels
Der Priesterdienst an der Stiftshütte und auch später am Tempel war klar geordnet. Hier konnte nicht jeder machen, was er wollte. Die Söhne Aarons waren Gebote eingebunden, die den Tempeldienst genau definierten.
Diese Gebote besagten unter anderem, dass es keine Opfer in der Nacht gab. Der Opferdienst begann am Morgen mit einem Brandopfer und fand am Abend mit einem weiteren Brandopfer sein Ende (2. Mose 29,38-46).
Alle weiteren Opfer, waren sie freiwillig dargebracht oder durch ein Fest vorgeschrieben, mussten zwischen diesen beiden Opfern dargebracht werden.
Das bedeutet, dass die Hauptarbeitszeit der Priester sich zwischen diesen beiden Opfern befand. Dennoch waren Aaron und seine Söhne auch in der Nacht nicht ohne Beschäftigung.
Tzav und der Beginn des Priesterdienstes
Unsere Lesung Tzav beginnt mit den folgenden Worten:
Und der HERR redete zu Mose und sprach: Gebiete Aaron und seinen Söhnen und sprich: Dies ist das Gesetz vom Brandopfer. Das Brandopfer soll auf seiner Feuerstelle auf dem Altar die ganze Nacht bis zum Morgen verbleiben, und das Feuer des Altars soll auf ihm in Brand gehalten werden.
(3. Mose 6,1-2; Schlachter 2000)
Das letztet bradnopfer, welches am Tage auf dem Altar in Rauch aufging, sollte über die ganze Nacht auf diesem verbleiben. Die Aufgabe der Priester war es dabei, das Feuer weiter zu schüren und brennend zu erhalten.
Dies konnten sie nur erreichen, wenn sie wach blieben und beständig Holz nachlegten. In der Folge blieb es vor der Stiftshütte stets erleuchtet, auch wenn keine neuen Opfer auf dem Altar verbannt wurden.
Doch auch im Zelt bzw. im Tempel war es hell. Auch der Leuchter gab in der Nacht sein Licht (3. Mose 24,1-4).
Im Grunde könnten wir daraus schließen, dass es am Tag nötig war, ein Opfer zu bringen, um das Feuer neu zu entfachen. In der Nacht jedoch nicht. Welche Lehre können wir daraus ziehen?
Wir sind Fremdlinge auf Erden
König David sagte einmal das Folgende:
(1. Chronik 29,15; Schlachter 2000)
Denn wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir, wie alle unsere Väter. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibt nicht bestehen.
Oft verstehen wir diesen Vers so, dass wir zwar auf dieser Welt leben, doch eigentlich auf unsere zukünftige Heimat im Reich des Messias warten. Dieses Verständnis ist sicher nicht falsch. Ich möchte es jedoch um einen weiteren Aspekt erweitern.
Bevor wir in der Welt gelandet sind, hat Gott unseren Geist geformt. Doch wie ging dies vonstatten?
Dies ist die Last, das Wort des HERRN über Israel: Es spricht der HERR, der den Himmel ausspannt und die Erde gründet und den Geist des Menschen in seinem Inneren bildet:
(Sacharja 12,1; Schlachter 2000)
Der obige Vers ist auf zwei möglichen Arten lesbar.
- Der Geist des Menschen wird im Inneren des Menschen geformt.
- Der Geist des Menschen wird im inneren Gottes geformt.
Gehen wir einmal von Option zwei aus. Wie und wann könnte dies geschehen?
In der jüdischen Tradition wird davon ausgegangen, dass die Seele bzw. der Geist im Schlaf zu Gott zurückkehrt. Bei Gott erhält er neue Kraft, evtl. Offenbarung oder geistliche Einsichten, die er am nächsten Morgen wieder auf die Erde bringen kann.
Jeschua verglich den Tod oft mit dem Schlaf. Und nach dem Tod wissen wir, dass der Geist des Menschen zunächst zu Gott zurückkommt (Prediger 12,7). Somit ist es nur naheliegend, dass wir auch im Schlaf bei Gott sind.
Tzav und die veränderte Perspektive
Diese Sichtweise verändert die Perspektive unseres Daseins enorm. Tatsächlich ist unsere Seele in jeder Nacht mit Gott verbunden. Und dann wachen wir morgens auf und sind scheinbar getrennt.
Um am Tag mit Gott Kontakt aufzunehmen, bedarf es der Opfer. Das hebräische Wort für Opfer, Korban, bedeutet auch nichts anderes, als sich nahen oder näherkommen.
Könnte das die tiefere Botschaft der fehlenden nächtlichen Opfer sein? Da unsere Seele in der Nacht sowieso bei Gott ist, brennt das Feuer auch ohne Opfer. Wenn wir allerdings am Morgen in der Welt aufwachen, benötigen wir die beständigen Opfer, um das Feuer auf dem Altar brennend zu erhalten und Gott nahe zu sein.
Vor diesem Hintergrund sind wir tatsächlich Fremdlinge hier auf Erden. Unsere Seele ist nämlich im Himmel zu Hause. Wir kommen lediglich jeden Tag in unseren Körper zurück, um den Auftrag zu erfüllen, den Gott uns geben will. Dabei sind wir allerdings all den Problemen dieser gefallenen Welt ausgesetzt – Sünde, Schuld und Tod.
Und genau deshalb benötigen wir die Opfer am Tag, um den Kontakt zu unserem himmlischen Vater nicht zu verlieren.
Es gibt ja meist mehrere Antworten auf eine Frage. Was denkst du dazu? Warum gab es keine Opfer in der Nacht?
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
