Terumah – Die Gabe, die das Irdische erhebt
Die Parashat Terumah (תְּרוּמָה) leitet eine neue Phase in der Torah ein. Während die vorherigen Abschnitte wie Jethro und Mischpatim sich auf die Gebote und Rechtsordnungen am Sinai konzentrierten, beginnt hier die detaillierte Beschreibung des Baus der Stiftshütte.
Dieser heilige Ort, die Mischkan (מִשְׁכָּן), sollte ein Wohnort für die sichtbare Gegenwart Gottes in der Mitte des Volkes Israel sein. Doch bevor die ersten Handwerker begannen, musste eine entscheidende Voraussetzung erfüllt sein. Die Erbauer waren auf die freiwilligen Gaben aus dem Volk angewiesen.
Paraschat Terumah
Mose 25,1-27,19
Könige 5,26-6,13; Markus 12,35-44
Die Grundlage der Stiftshütte: Freiwillige Gaben (Terumah)
Gott gab Mose die Anweisung, freiwillige Gaben von den Kindern Israels entgegenzunehmen.
Sage den Kindern Israels, dass sie mir freiwillige Gaben bringen; und von jedem, den sein Herz dazu treibt, sollt ihr die freiwillige Gabe für mich annehmen!
(2. Mose 25,2; Schlachter 2000)
Das Wort Terumah bedeutet „freiwillige Gabe“, doch es steckt eine tiefere Bedeutung dahinter. Es stammt von der hebräischen Wurzel רום (rom), was „emporheben“ oder „erheben“ bedeutet. Eine Terumah ist also nicht nur eine Spende, sondern eine bewusste Handlung, um etwas aus dem Weltlichen herauszuheben und in den Dienst Gottes zu stellen.
Ein faszinierendes Beispiel für die Bedeutung dieses Wortes finden wir in der Geschichte der Sintflut:
Und die Sintflut war 40 Tage auf der Erde, und die Wasser schwollen an und hoben die Arche hoch, sodass sie über der Erde schwebte.
(1. Mose 7,17; Schlachter 2000, Hervorhebung durch den Verfasser)
Das Wort „hoben“ stammt von der gleichen Wurzel rom und beschreibt, wie die Arche über die Wasser gehoben wurde. Dabei war die Flut eine Form des Gerichts über die Welt. Die Arche schwebte jedoch darüber, weil sie Gott heilig war.
Ebenso erhoben die Israeliten mit ihren Terumot materielle Dinge aus ihrer alltäglichen, profanen Nutzung und weihten sie einem höheren Zweck.
Gott will in unserer Mitte wohnen
Warum sollte Israel freiwillige Gaben bringen? Die Antwort lautet:
Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne!
(2. Mose 25,8; Schlachter 2000)
Diese Formulierung kann auf zwei Weisen verstanden werden:
- Gott wollte physisch in der Mitte des israelitischen Lagers wohnen.
- Gott wollte in den Herzen der Menschen wohnen.
Der zweite Punkt zeigt eine tiefe geistliche Wahrheit: Nicht das Zelt an sich war das Ziel, sondern die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Doch diese Beziehung funktionierte nur, wenn sich Israel an Gottes Vorgaben hielt:
Genau so, wie ich dir das Vorbild der Wohnung und das Vorbild aller ihrer Geräte zeigen werde, so sollt ihr es machen.
(2. Mose 25,9; Schlachter 2000)
Gott gab detaillierte Pläne für den Bau der Stiftshütte. Das bedeutet: Seine Gegenwart kann nicht willkürlich erlangt werden, sondern nur, wenn wir seinem Willen folgen.
Das Irdische wird geheiligt
Die Materialien für die Stiftshütte – Gold, Silber, Leinen, Felle – kamen aus Ägypten. Israel hatte sie beim Auszug mitgenommen (2. Mose 12,35-36). Sie stammten aus einer profanen Welt. Doch durch die Terumah, durch die freiwillige Hingabe an Gott, wurden sie zu etwas Heiligem.
Hier zeigt sich ein geistliches Prinzip: Wenn wir das, was wir besitzen, Gott weihen, heben wir es aus dem Weltlichen heraus. Das gilt nicht nur für materielle Dinge, sondern auch für unsere Zeit, unsere Talente und unser Leben. Entscheidend ist, dass es aus einem willigen Herzen geschieht.
Unsere Stiftshütte: Der Tempel unseres Lebens
Terumah steht symbolisch für unser eigenes Leben. Wir leben in einer Welt, die oft mit Ägypten verglichen wird – einer Umgebung, die nicht von Gottes Gegenwart geprägt ist. Doch wir haben die Möglichkeit, das Weltliche zu heiligen.
Die Schrift sagt:
Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des in euch wohnenden Heiligen Geistes ist, den ihr von Gott empfangen habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?
(1. Korinther 6,19; Schlachter 2000)
Wir selbst sind der Tempel, den Gott bewohnen will. Und genauso wie Israel die Materialien aus Ägypten nahm und sie Gott widmete, können auch wir unsere Talente, unsere Zeit und unser Handeln aus dem Irdischen erheben und sie dem Himmel näherbringen. So können wir den Tempeldienst in unser Leben und in unsere Familien bringen.
Wichtig dabei ist nur, dass wir sicher sind, dass unser Herz uns dazu treibt – das Herz, auf dem das Wort Gottes geschrieben steht.
Das Reich des Himmels auf die Erde bringen
Wenn wir Gottes Gebote in unserem Alltag umsetzen, verwandeln wir das Irdische in etwas Heiliges. Wir erheben unser Handeln aus dem bloß Weltlichen und machen es zu einem Werkzeug für Gottes Gegenwart.
Das ist die tiefe Bedeutung von Terumah: Nicht nur das Geben von Dingen, sondern die bewusste Entscheidung, etwas dem Höheren zu weihen. So bringen wir das Reich Gottes in diese Welt.
Möge jeder von uns erkennen, welche Terumot er geben kann, um Gott einen Platz in seinem Leben zu bereiten!
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
