Schoftim – Richter in unseren Toren
Die Parascha Schoftim beginnt mit einem klaren Auftrag:
Du sollst dir Richter und Vorsteher einsetzen in den Toren aller deiner Städte, die der HERR, dein Gott, dir gibt in allen deinen Stämmen, damit sie das Volk richten mit gerechtem Gericht.
(5. Mose 16,18; Schlachter 2000)
Dieses Gebot gilt ausdrücklich für das Land Israel. Sobald das Volk ins verheißene Land kam, Städte baute oder einnahm, sollten in diesen Städten Richter im Tor eingesetzt werden.
Das Tor diente damals nicht nur als Eingang in die Stadt. Es war vielmehr der zentrale Ort der Stadt, vergleichbar mit einem heutigen Rathaus. Hier wurde Gericht gehalten, hier fanden Verhandlungen statt, und hier wurde die מְזוּזָה (Mesusa) angebracht.
Diese enthielt einen Auszug aus Gottes Wort (das Schma Israel) und erinnerte alle, die ein- und ausgingen, daran, dass der wahre König der Stadt Gott selbst ist. Wer die Stadt betrat, trat in eine neue Welt ein. In dieser Welt galt Gottes Ordnung.
Paraschat Schoftim
5. Mose 16,18-21,9
Jesaja 51,12-52,12; Johannes 14,9-20
Schoftim – Die Aufgabe der Richter
Die Richter waren nicht nur für die Einhaltung der Gesetze zuständig. Sie hatten auch die Aufgabe, Israel in die Gottesfurcht zu leiten. Wie wir es im Buch der Richter sehen, sollten sie das Volk ermutigen, auf Gottes Wegen zu bleiben. In gewisser Weise ähnelten sie den Leviten und Priestern: Beide waren Vorbilder, die Gottes Gebote hochhielten.
Ihre Verantwortung ging über das bloße Urteilen in Streitfällen hinaus. Sie waren Hüter der geistlichen Reinheit des Volkes. Sie achteten darauf, dass die Gebote des Allmächtigen nicht nur auf dem Papier standen, sondern auch im Alltag gelebt wurden. Dieser Wandel in den Geboten Gottes war die Grundlage für die Heiligung des Volkes.
Tore als Schutz des heiligen Lebens
Ein wichtiger Aspekt in Schoftim ist der Schutz der Stadt und ihres Rufes. Das Tor war der Ort, an dem entschieden wurde, wer hineinkommen durfte und wer nicht. Ebenso wurde beachtet, wer die Stadt verließ.
Diese Kontrolle war notwendig, um die Gemeinschaft vor schädlichen Einflüssen zu bewahren und die Heiligkeit innerhalb der Mauern zu erhalten.
Wer die Tore bewachte, hatte somit einen entscheidenden Einfluss auf das geistliche Klima in der Stadt. Es ging nicht nur um physische Sicherheit, sondern um die Bewahrung der Identität und des Bundes mit Gott.
Die geistliche Bedeutung für uns heute
Wenn wir diese Anweisungen auf unser eigenes Leben übertragen, erkennen wir schnell eine tiefere geistliche Ebene. Auch wir haben Tore. Wir haben zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und einen Mund. Durch diese „Eingänge“ nehmen wir Dinge in uns auf. Durch dieselben „Ausgänge“ geben wir Dinge weiter. Mit unseren Worten können wir die Welt um uns herum stark beeinflussen.
In gewisser Weise sind wir selbst unsere eigenen Richter. Wir entscheiden, was wir in unser Herz und unseren Geist hineinlassen, und wir tragen Verantwortung für das, was aus uns herauskommt.
Jeschua sagte einmal:
Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz des Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus seinem bösen Schatz Böses hervor.
(Matthäus 12,35; Schlachter 2000)
Wenn wir darauf achten, unsere Tore zu bewachen, schützen wir unser geistliches Leben. So wie die Richter im alten Israel die Tore der Stadt bewachten, ist es an uns, unsere Ein- und Ausgänge „sauber zu halten“.
Schoftim – Ein Auftrag für jeden Tag
Schoftim lehrt, dass Gottes Ordnung nicht nur für das alte Israel galt, sondern auch heute noch in unserem Leben relevant ist. Die Richter im Tor waren dazu berufen, für Gerechtigkeit und Reinheit zu sorgen. Wir sind heute berufen, diese Aufgabe in unserem eigenen Herzen zu übernehmen.
Das bedeutet: Prüfe, was du anschaust, anhörst oder liest. Achte darauf, welche Worte du sprichst und welche Gedanken du in dir nährst. Wenn wir Gottes Gebote im Herzen tragen und unsere „Tore“ wachen, werden wir nicht nur selbst gesegnet, sondern auch zu einem Segen für unsere Mitmenschen.
Fazit
Die Botschaft von Schoftim ist klar: Gott will, dass wir unser Leben unter Seine Herrschaft stellen – in unseren Städten, in unseren Gemeinden und in unserem persönlichen Leben. Damals standen Richter an den Toren, um Recht und Ordnung zu wahren.
Heute ruft Gott uns dazu auf, selbst diese Richter zu sein – über unsere Augen, Ohren, unseren Mund und unser Herz. Wenn wir treu wachen, werden wir erleben, wie sich Gottes Frieden und Heiligkeit in unserem Leben und Umfeld ausbreiten.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
