Schemot – Das Geheimnis der Hebammen
Die Torahportion Schemot führt uns zu einem entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Israels. Das Volk hatte bereits viele Jahre in Ägypten gelebt, doch die Zeiten des Wohlstandes im Land Goshen waren vorbei. Die fetten Jahre, wie wir sie aus Wajigasch kannten (1. Mose 47,27), waren vorbei.
Ein neuer Pharao, der Josef und seine Verdienste nicht mehr kannte, kam auf. Und er wandte sich gegen die Hebräer. Laut den jüdischen Gelehrten betrug das Exil Israels von der Ankunft Jakobs bis zur Befreiung durch Mose 210 Jahre. In dieser Zeit erlebte Israel eine dramatische Transformation – von einem privilegierten Leben im Wohlstand hin zur grausamen Sklaverei.
Paraschat Schemot
2. Mose 1,1-6,1
Jesaja 27,6-28,13; 29,22-23; Matthäus 2,1-12
Sklaverei und Wachstum des Volkes
Mit der Machtübernahme des neuen Pharaos begann eine Phase des Leidens für die Israeliten. Der Pharao, der die Hebräer als Bedrohung sah, nutzte üble Propaganda, um das ägyptische Volk gegen sie aufzubringen:
Der sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk der Kinder Israels ist zahlreicher und stärker als wir. Wohlan, lasst uns kluge Maßnahmen gegen sie ergreifen, dass sie nicht zu viele werden; sie könnten sonst, wenn sich ein Krieg erhebt, womöglich zu unseren Feinden übergehen und gegen uns kämpfen und aus dem Land ziehen!
(2. Mose 1,9–10; Schlachter 2000)
Die einst freien Hebräer wurden zu Sklaven gemacht. Damit verloren sie sämtliche Rechte. Sie wurden entmenschlicht und ausgebeutet. Doch trotz aller Unterdrückung wuchs das Volk weiter:
Je mehr sie aber [das Volk] bedrückten, desto zahlreicher wurde es, und desto mehr breitete es sich aus, sodass ihnen vor den Kindern Israels graute.
(2. Mose 1, Vers 12; Schlachter 2000)
Als die Sklaverei nicht ausreichte, um die Israeliten einzudämmen, griff der Pharao zu einer noch grausameren Maßnahme. Er befahl zwei Hebammen, die neugeborenen Jungen der Hebräer zu töten.
Die Hebammen: Shifra und Pua
Die Torah nennt uns die Namen dieser Hebammen: Shifra (שִׁפְרָה, Shif-ra) und Pua (פּוּעָה, Pu-a). Diese gottesfürchtigen Frauen wagten es, den Befehl des Pharaos zu ignorieren:
Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, was ihnen der König von Ägypten befohlen hatte, sondern sie ließen die Knaben leben.
(2. Mose 1, Vers 17; Schlachter 2000)
Laut dem jüdischen Gelehrten Rashi sind Shifra und Pua identisch mit Jochebed, der Mutter von Mose, und Miriam, seiner Schwester. Gott segnete die Hebammen für ihren Mut und Gehorsam:
Und Gott segnete die Hebammen; das Volk aber vermehrte sich und nahm gewaltig zu. 21 Und es geschah, weil die Hebammen Gott fürchteten, baute er ihnen Häuser.
(2. Mose 1, Verse 20–21; Schlachter 2000)
Jochebed: Eine Frau des Glaubens
Jochebed spielte eine zentrale Rolle im Überleben der hebräischen Kinder. Sie rettete nicht nur viele Leben, sondern stellte sich auch gegen die todbringenden Gesetze des Pharaos.
Doch dann wurde sie selbst zur Mutter eines Sohnes, dessen Leben bedroht war.
Trotz der Gefahr wagte Jochebed, ihren Sohn zu verstecken. Dieser Sohn war Mose (Moshe), der später als von Gott berufener Führer das Volk Israel aus Ägypten befreien sollte. Wie treffend ist hier das Prinzip, das Jesus in Matthäus beschreibt:
Denn mit demselben Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit demselben Maß, mit dem ihr [anderen] zumesst, wird auch euch zugemessen werden.
(Matthäus 7, Vers 2; Schlachter 2000)
Jochebed, die anderen Frauen und Kindern das Leben rettete, wurde durch Mose in viel größerem Maße gesegnet: Gott schenkte ihr den Retter, der nicht nur sie, sondern ganz Israel befreien sollte.
Schemot und das Prinzip mutiger Taten
Diese Geschichte zeigt, wie bedeutungsvoll kleine Taten in Gottes Augen sind. Jochebed rettete die Kinder und gefährdete dabei ihr eigenes Leben. Doch wie groß konnte ihr Einfluss wirklich sein? Wie viele Kinder konnte sie retten? Dennoch blieb sie Ihren Überzeugungen treu und rettete so viele wie möglich. Und Gott segnete sie mit dem Mose, dem Vorschatten des Messias in den letzten Tagen.
Auch wir sollten ermutigt sein, selbst mutige Entscheidungen für das Gute zu treffen, denn Gott sieht sie und wirkt durch sie Großes. Wie oft übersehen wir die Kraft kleiner Taten? Eine freundliche Geste, ein Wort der Ermutigung, ein Moment des Mitgefühls – all das kann für Gott der Beginn eines großen Plans sein.
Lasst uns also darauf vertrauen, dass Gott unsere Entscheidungen für sein Reich nutzt. Auch in schwierigen Zeiten oder leidvollen Erfahrungen können wir den Unterschied machen, so wie Shifra, Pua und Jochebed es taten.
Fazit zu Schemot
Wir lernen aus der Torahportion Schemot, dass Gott selbst inmitten von Unterdrückung und Leid am Werk ist. Die Hebammen, die sich mutig dem Befehl des Pharaos widersetzten, wurden von Gott gesegnet und erhielten eine entscheidende Rolle in seinem Rettungsplan.
Jochebed, die viele Kinder vor dem Tod bewahrte, wurde durch Mose selbst gerettet.
Das Prinzip „Mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen“ zeigt uns, dass unsere Taten, seien sie noch so klein, in Gottes Augen groß sind. Lasst uns auf ihn vertrauen und mit Mut und Glauben die richtigen Entscheidungen für sein Reich treffen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
