Ki Tetze – Auf Segen folgt Segen, auf Fluch folgt Fluch
In der Lesung Ki Tetze sehen wir ein wichtiges Prinzip, welches sich durch die ganze Torah und unseren Wandel vor Gott zieht. Im Volksmund gibt es das Sprichwort: “Ein Unglück kommt selten allein.”
Unsere Paraschah zeigt dieses Prinzip in besonderer Weise durch die logische Aneinanderreihung verschiedener Gebote. Werfen wir einen Blick darauf.
Paraschat Ki Tetze
5. Mose 21,10-25,19
Jesaja 54,1-10; Matthäus 24,29-42
Die kriegsgefangenen Frauen
Ki Tetze beginnt mit den Geboten, wie mit kriegsgefangenen Frauen umzugehen wäre. Es heißt im Text:
Wenn du gegen deine Feinde in den Krieg ziehst und der HERR, dein Gott, sie in deine Hand gibt, sodass du von ihnen Gefangene heimführst, und du unter den Gefangenen eine schöne Frau siehst und dich in sie verliebst und sie zur Frau nimmst,
(5. Mose 21,10-11; Schlachter 2000)
Die Thematik der kriegsgefangenen Frau wird in der jüdischen Überlieferung intensiv diskutiert. Es ist zunächst einmal klarzustellen, dass es sich dabei nur um Frauen handelt, die nicht zu den kanaanäischen Völkern zählten.
Wenn also Israel gegen ein anderes Volk Krieg führte (weil dieses auf das vorherige Friedensangebot nicht eingegangen war) und dort Gefangene nach Hause brachte, war es den Hebräern erlaubt, eine Frau für sich zu nehmen.
Allerdings gilt es zu bedenken, dass diese Frau aus einem anderen Volk, einer anderen Kultur und auch aus einem anderen Glaubenssystem stammte. Die Kenntnis eines gottgefälligen Wandels, wie ihn Israel prägen sollte, konnte von dieser Frau nicht erwartet werden.
Deshalb heißt es im Talmud (Kidduschin 21b,21) sinngemäß, dass diese Ehe nur aufgrund des bösen Triebes im Menschen erlaubt war. Der Entschluss, sich eine Kriegsgefangene zur Frau zu nehmen, fußt laut obigem Vers nur auf der Schönheit (wörtlich übersetzt: “die schöne Gestalt”) der Frau.
Im Grunde ging es um die Befriedigung der männlichen Begierde. Und damit es im Krieg nicht zu Vergewaltigungen kam, gab der Allmächtige diesen Rahmen – zum Schutz der Frau und des Mannes.
Wer will eine traurige Braut heiraten?
Es war natürlich möglich, dass sich eine Frau, ähnlich Ruth, zum Volk Israel und seinem Gott bekannte. Damit wäre sie offiziell “konvertiert” und ein Teil des Volkes geworden.
Doch was war, wenn der Mann sie haben wollte, auch wenn sie sich dem Allmächtigen nicht unterordnen wollte? Dann wurde alles dafür getan, dass der Mann sich die Sache noch einmal überlegte.
so führe sie in dein Haus und lass sie ihre Haare abschneiden und sich die Nägel schneiden und die Kleider ihrer Gefangenschaft ablegen, und lass sie in deinem Haus wohnen und ihren Vater und ihre Mutter einen Monat lang beweinen; danach kannst du zu ihr eingehen und sie zur Ehe nehmen, dass sie deine Frau sei.
(5. Mose 21,12-13; Schlachter 2000)
Frauen wurden in der Abtike im Krieg immer wieder benutzt, um die Männer zu bezirzen. Demzufolge legten sie schicke Kleider an, richteten ihre Haare und Nägel. Diese optischen Zierden sollte die Frau ablegen.
Der Mann sollte sie in sein Haus führen, wo sie den Verlust ihres Vaterhauses 30 Tage lang beweinen sollte. In dieser Zeit durfte er nicht zu ihr eingehen.
Welcher Mann möchte wirklich eine glatzköpfige, depressive Frau, die seinem Volk und seiner Kultur feindlich gesinnt ist, zur Frau nehmen? Es ist als würde Gott fragen: Bist du dir wirklich sicher?
Ki Tetze und die Folgen unserer Entscheidungen
Im Vers 15 verlässt Ki Tetze das Thema. Allerdings stehen die darauffolgenden Verse in einem logischen Zusammenhang.
Wie könnte ein Mann zwei Frauen haben (5. Mose 21,15-17)? Welche biblische Ehefrau, die ihre Stellung und Autorität kennt, würde das mitmachen? Nun, genau in einem solchen Fall. Er hat sich zu seiner Frau noch eine Kriegsgefangene genommen. Später stellt er fest, dass er die Hebräerin liebt, doch die Gefangene hasst.
Doch was, wenn er von der Verhassten den Erstgeborenen erhält? Dann hat er ihm den entsprechenden Erbteil zu geben.
Die nächsten Verse (5. Mose 21,18-21) behandeln einen rebellischen Sohn, der sich unter keinen Umständen in die hebräische Kultur eingliedern möchte. Aus welcher Ehe könnte dieser entstehen? Könnte es sein, dass eine Mutter bereits eine Feindin des Volkes war?
Zum Schluss des Kapitels 21 des Buches Devarim erfahren wir, dass ein Mensch, der eine Todsünde auf sich geladen hat, anschließend an ein Holz gehängt werden soll. Handelt es sich dabei um den rebellischen Sohn?
Fazit: Ki Tetze zeigt eine klare Abfolge
Wir sehen, dass aus scheinbar kleinen Fehlentscheidungen große Probleme entstehen können. Ki Tetze zeigt uns eine Abfolge, bei der Sünde auf Sünde und Problem auf Problem folgt.
Gleichzeitig ist das beschriebene Bild aber auch ein Gleichnis auf Jeschua, der den Platz am Kreuz für den rebellischen Sohn, für uns, eingenommen hat. Nachdem wir uns auf eine Affäre mit der Welt eingelassen hatten, wurde es nur immer schlimmer, bis wir den Tod verdient hatten. Jeschua bezahlte für unsere Schuld und dafür können wir dankbar sein.
Lasst uns darauf achten, auch die scheinbar kleinen und unbedeutenden Sünden in unserem Leben zu bereinigen. Denn auch aus ihnen können große Probleme erwachsen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
