Ki Tavo – Wohin mit dem Zehnten?
Mit der Paraschah Ki Tavo kommt die Rede Moses, welche sich über das Buch Devarim erstreckt, so langsam zu einem Ende. Die vorherigen Kapitel stellten überwiegend eine Reflexion der vergangenen Geschehnisse beim Auszug aus Ägypten und eine Wiederholung bekannter Gebote dar.
Mit der aktuellen Lesung erhalten wir einige Anweisungen, die direkt an den Aufenthalt Israels im Land gebunden sind. Dazu gehört die Zahlung des Zehnten. Doch wie gehen wir heute mit diesem Gebot um, wenn wir uns nicht im Land Israel befinden?
Paraschat Ki Tavo
5. Mose 26,1-29,8
Jesaja 60,1-22; Lukas 23,26-56
Ki Tavo und die Gebote im Land
Die Lesung Ki Tavo beginnt mit den folgenden Worten:
Wenn du nun in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gibt, und es in Besitz nimmst und darin wohnst,
(5. Mose 26,1; Schlachter 2000)
Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Anweisungen und Gebote nur in Verbindung mit dem Aufenthalt im Land zu verstehen und umzusetzen.
Das bedeutet, dass die Darbringung der Erstlingsfrüchte, der Zehnte, das Aufrichten der Gedenksteine (5. Mose 27,1-10) und die Verkündigung von Fluch und Segen auf den Bergen Ebal und Garizim (5. Mose 27,11-26) nur im Land umsetzbar sind.
Hinzu kommt, dass die Darbringung der Erstlingsfrüchte nur in Verbindung mit einem bestehenden Tempel und den dortigen im Dienst befindlichen Priestern realisierbar ist.
Demnach stehen wir heute vor einem großen Problem. Denn selbst wenn wir es wollen, ist die Umsetzung dieser Gebote derzeit nicht so möglich, wie es Gott geboten hat.
Ki Tavo und der Zehnte
Insbesondere das Zehntengebot in Ki Tavo stellt uns vor Probleme in Bezug auf die heutige Umsetzung. Es heißt im Text:
Wenn du den ganzen Zehnten deines Ertrages vollständig entrichtet hast, im dritten Jahr, dem Jahr des Zehnten, und du ihn dem Leviten, dem Fremdling, der Waise und der Witwe gegeben hast, dass sie in deinen Toren essen und satt werden,
(5. Mose 26,12; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Hier ist die Rede von einem Zehntenjahr, welches alle 3 Jahre stattfinden sollte. Das Besondere daran: Der Zehnte sollte dieses Mal nicht zum Leviten gebracht werden, sondern in den Toren der Hebräer verbleiben und in diesen mit den Leviten, Witwen, Waisen und Fremdlingen geteilt werden.
Doch was war der Startpunkt für die drei Jahre? Und können wir heute mit diesem gebot umgehen?
Der Startpunkt der Zählung war unmittelbar mit der Ankunft im Land verbunden. Das Jahr, in dem Israel ins Land kam, war das erste Jahr. Dann wurden 3 Jahre gezählt und der Zehnte eingebracht. Im vierten Jahr, wenn der Zehnte des dritten Jahres vollständig entrichtet wurde, konnte der Teil an Bedürftige verteilt werden.
Für den Zehnten wurde jedoch ausschließlich Ernten aus dem Land herangezogen. Früchte, die beispielsweise importiert waren, zählten nicht darunter.
Die Bedeutung heute
Wir sehen in Ki Tavo, wie eng einige Mizwot mit dem Land verbunden sind. Unter den heutigen Bedingungen ist die Gabe des Zehnten nicht mehr möglich. Allerdings gibt es eine andere Möglichkeit in der Halacha.
Zedaka (Wohltätigkeit) ist ein zentraler Bestandteil der Halacha und des hebräischen Glaubens. Auch wenn wir den Zehnten nicht mehr in der Form geben können, wie sie die Schrift gebietet, sind wir dennoch aufgefordert, den Geist dessen zu bewahren.
Und so sollten einen Teil des Einkommens, welches wir in der Diaspora verdienen, für wohltätige Zwecke einsetzen. Auch in die Verbreitung der Torah und der guten Botschaft des Messias ist dieses Geld gut investiert.
Letztlich möchte Gott, dass wir Habgier und das Verlangen auf irdische Schätze ablegen und uns ganz nach dem Himmlischen ausstrecken. Auf diesem Weg in die Freiheit wünsche ich uns viel Freude und Erfolg.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
