Devarim – Warum wir Lehrer brauchen
Mit der Lesung Devarim kommen wir im 5. Buch Mose an. Damit nähern wir uns dem Ende des diesjährigen Torahzyklus, der mit Bereschit begann und zuletzt mit Mattot / Massei weitergeführt wurde. Doch auch inhaltlich stellt Devarim ein Ende, einen Abschluss dar.
Nachdem die Kinder Israels 40 Jahre durch die Wüste gewandert waren, empfangen sie nun, kurz vor dem Ziel mit der Einnahme des Landes, die letzten Worte von Mose. Und tatsächlich bilden diese den Kern des ganzen Buches.
Devarim
5. Mose 1,1-3,22
Jesaja 1,1-27; Matthäus 24,1-22
Die Worte Moses – nicht Gottes
„Diese sind die Worte, die Mose zu ganz Israel geredet hat…“ – So beginnt das Buch Devarim. Ein ungewöhnlicher Einstieg, wenn man bedenkt, wie oft wir in den vorherigen vier Büchern der Torah die Formulierung gelesen haben:
„Und der HERR redete mit Mose und sprach…“
Doch Devarim ist anders. Es ist nicht mehr der direkte Bericht göttlicher Rede, sondern die letzte große Ansprache Moses, die er in den letzten Wochen seines Lebens hielt.
Offensichtlich hatte Gott alles gesagt. Seine Rede war komplett und wurde in den ersten vier Büchern ausreichend mitgeteilt. Nun war es Mose, der dem Volk noch ein paar Infos mit auf den Weg gab.
Doch warum wiederholte Mose so viele Gebote? Warum erzählte er vieles, was die Kinder Israels längst wissen mussten? Die Zehn Gebote, die Feste, die Reise durch die Wüste, dies alles war dem Volk doch schon bekannt.
Die Antwort auf diese Fragen kann uns viel über unsere eigene Beziehung zu Gott, zur Schrift und zu geistlichen Lehrern sagen.
Devarim – Die Wiederholung als geistliches Prinzip
Das hebräische Wort für dieses fünfte Buch der Torah ist דְּבָרִים (Devarim), was einfach „Worte“ bedeutet. Und tatsächlich besteht das ganze Buch aus Worten – aus den Worten Moses. Aber diese Worte sind nicht neu. Viele der Gesetze, Anweisungen und Erzählungen haben wir bereits in Exodus, Levitikus und Numeri gelesen.
Mose wiederholt dies jedoch nicht, weil er etwa vergessen hat, dass Gott seine Gebote längst am Sinai gegeben hat. Nein, er wählt die Worte seiner Rede mit voller Absicht.
Wiederholung ist ein zentrales Prinzip der Torah. Warum? Weil wir Menschen vergesslich sind. Weil Wiederholung Tiefe bringt. Weil durch Wiederholung Beziehung wächst. Auch Gott wiederholt seine Verheißungen, seine Warnungen, seine Gebote.
In Devarim sehen wir, dass es sicher nicht schaden kann, Bekanntes zu wiederholen. Mose möchte dem Volk Israel nicht nur Vorschriften mitgeben, sondern Weisheit. Seine Worte tragen das Gewicht eines Vaters, der weiß, dass seine Zeit endet.
Auch Mose brauchte Lehrer – und wir brauchen sie auch
Obwohl Mose jahrzehntelang direkt mit Gott gesprochen hatte, obwohl er auf dem Berg Sinai war und die steinernen Tafeln selbst in Empfang genommen hatte, war er sich bewusst, dass das Volk Lehrer brauchte. Und nicht nur göttliche Offenbarung, sondern menschliche Auslegung.
Das ist eine entscheidende Botschaft des Buches Devarim. Denn wie schnell denken wir: „Ich habe doch die Bibel – wozu brauche ich noch einen Lehrer?“ Oder: „Ich höre auf Gott – was kann mir ein anderer Mensch schon sagen?“
Doch genau hier setzt die Torah ein klares Zeichen. Wir brauchen Lehrer. Wir brauchen Älteste, die schon länger auf dem Weg sind. Menschen, die Erfahrung gesammelt haben, die Prüfungen durchlebt und Siege errungen haben. Menschen, die nicht nur Wissen, sondern auch Weisheit weitergeben.
In der idealen Welt wären das unsere eigenen Väter. So wie Mose zum Vater des Volkes wurde, weil die geistlichen Väter ausgefallen waren, so braucht jede Generation Lehrer, die sich in Liebe und Klarheit dem Weitergeben der Torah widmen.
Devarim zeigt: Die Kraft liegt im persönlichen Wort
Gott selbst hat es so eingerichtet, dass Mose seine eigenen Worte an das Volk richtet. Es ist nicht bloß ein Zitat göttlicher Rede, sondern persönliche Rückschau, Auslegung und Anwendung.
Und das ist heilsam. Denn so lernen wir, dass die Torah ist nicht nur ein Buch von Vorschriften ist. Torah ist Beziehung. Zwischen Gott und Mensch. Zwischen Lehrer und Schüler. Zwischen Vater und Sohn. Zwischen Generationen.
Die Rabbiner sagen, dass ein Lehrer, der seinem Schüler die Torah weitergibt, wie ein Vater für ihn wird. Mose wurde zum Vater eines ganzen Volkes, der sich nicht durch Strenge, sondern durch das Teilen seiner Worte auszeichnete. Durch das, was Devarim eben bedeutet: Worte, durchdrungen von Leben.
Wenn Wiederholung zur Erinnerung wird
Beim Lesen von Devarim stoßen wir immer wieder an bekannte Stellen. Das Gefühl „Das habe ich doch schon mal gelesen.“, stellt sich immer wieder ein. Und es stimmt, die Inhalte sind zu einem großen Teil bekannt.
Aber diesmal kommen sie nicht aus dem Mund Gottes, sondern aus dem Herzen Moses. Und gerade das ist die Lektion: Auch das, was wir schon kennen, will immer wieder neu in unser Herz geschrieben werden, um neue Perspektiven kennenzulernen.
Das Herz wird nicht auf einen Schlag geprägt, sondern durch stete Wiederholung. Mose wusste das. Und wir sollten uns dieser Weisheit ebenfalls bedienen, bei der Erziehung unserer Kinder oder in anderen Beziehungen, in denen wir stehen.
Fazit: Devarim – ein Aufruf zur Verantwortung
Das Buch Devarim ist kein einfaches Nachsprechen göttlicher Worte, sondern eine eindringliche Erinnerung an unsere Verantwortung. Es zeigt uns, dass wir trotz eines direkten Drahts zu Gott, dennoch Lehrer brauchen. Wir brauchen die Weisheit derer, die vor uns gegangen sind. Und dafür Bedarf es eines demütigen Herzens, das bereit ist, sich immer wieder an die Wahrheit erinnern zu lassen.
Vielleicht möchtest du heute darüber nachdenken: Wer sind deine Lehrer? Und für wen bist du Lehrer? Gibt es jemanden, dem du helfen kannst, Gottes Worte tiefer zu verstehen – nicht durch neue Erkenntnisse, sondern durch geduldige Wiederholung?
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.

Cornelia
28. Juli 2025 @ 10:34
In Matthäus 13 findet sich eine Reihe von Vergleichen, wie das Himmelreich ist. Am Ende seiner Vergleiche fragt Jeschua seine Zuhörer:
“ Habt ihr das alles verstanden?“
Sie antworten „Ja, Herr!“
Jeschua ist ein wunderbarer Lehrer, der andere zu Lehrern ausbildet.
Im folgenden Vers sagt er dann:
Vers 52
Da sagte er zu ihnen: Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der für das Reich der Himmel unterrichtet ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorgeholt.
Das klingt schon spannend, da doch Jeschua oft die Schriftgelehrten kritisiert hat. Und ER ist DIE Autorität und das lebendige Wort. Doch wer in Seinem Sinn und von Seinem Geist unterrichtet ist für das Königreich Gottes, der gleicht einem solchen Hausvater mit einem großen Schatz. Mosche gehörte auch dazu.
Dewarim ist seit langer Zeit mein „Lieblingsbuch“, oder wenigstens eines von mehreren; und ich freu mich jedesmal, wenn wir wieder dort angekommen sind.