Chukkat – Eine Frage des Gehorsams
Die Lesung Chukkat führt uns in das Geheimnis der Roten Kuh ein. Tatsächlich ist die Prozedur, die für das Tier bestimmt ist, für viele Juden und Rabbiner bis heute ein Mysterium.
Auch wenn wir die Bestandteile wie das Holz, das Ysop-Büschel oder die Unreinheit aller Beteiligten an diesem Opfer auf den Tod Jeschuas übertragen können, bleibt dennoch die Frage, was es mit diesen Geboten auf sich hat. Und was ist eigentlich eine Chukkah?
Dieser Frage widmen wir uns in diesem Beitrag.
Paraschat Chukkat
4. Mose 19,1-22,1
Richter 11,1-33; Johannes 19,38-42
Der Hintergrund zur Lesung Chukkat
Thematisch scheint die Paraschah gar nicht so recht in den Erzählfluss der Torah zu passen. Nachdem Korach mit der Beschreibung des Anteils für die Priester und Leviten geendet hatte, beginnt Chukkat nun mit der Beschreibung der Roten Kuh.
Doch der Zusammenhang ist auf den zweiten Blick durchaus offenkundig. Die Leviten sollten bei ihrer Einsetzung mit dem Wasser der Entsündigung besprengt werden (s. Paraschat Beha’alotcha).
So aber sollst du mit ihnen verfahren, um sie zu reinigen: Du sollst Wasser der Entsündigung auf sie sprengen, und sie sollen ein Schermesser über ihren ganzen Leib gehen lassen und ihre Kleider waschen; so sind sie rein.
(4. Mose 8,7; Schlachter 2000)
Dieses Wasser ist kein anderes als das Wasser der Roten Kuh. Doch bisher hatten wir nicht erfahren, wie dieses Wasser hergestellt werden sollte. Dies holt die Torah im Kapitel 19 des Buches Bamidbar nach.
Dabei beginnt die Beschreibung mit den folgenden Worten:
(4. Mose 1-2a; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Und der HERR redete zu Mose und Aaron und sprach: Dies ist eine Gesetzesbestimmung, die der HERR geboten hat, indem er sprach:
Das Wort, welches im obigen Vers mit Gesetzesbestimmung übersetzt wird, ist das hebräische und der Paraschah namensgebende Wort חֻקַּת (chukkat). Die Grundform davon ist חֻקָּה (chukkah). Doch was ist eine chukkah?
Mitzva, Chukkat und Mischpat
Die meisten Bibelverse transportieren Informationen auf verschiedenen Ebenen. Dabei ist eine wichtige Ebene die Halacha. Dabei beschreibt die Halacha, wie wir den Weg Gottes auf Erden gehen können, also konkret, welche Gebote wir wie umsetzen sollen.
Was wir in den deutschen Übersetzungen und im christlichen Sprachgebrauch meist mit Geboten übersetzen, gliedert sich in der Heiligen Schrift jedoch in verschiedene Kategorien.
- Mitzvot: Dabei handelt es sich um den Oberbegriff für alle Gebote der Torah. Es gibt 613 davon in den 5 Büchern Mose. Diese Mitzvot sind allerdings in Unterkategorien aufgeteilt.
- Mischpatim: Die Mischpatim (Gerichtsentscheidungen) sind Mitzvot, die wir mit dem Verstand ergründen können. In der rabbinischen Literatur werden Mischpatim oft als diejenigen Gebote wiedergegeben, auf die der Mensch auch ohne die Torah und göttliche Offenbarung kommen kann. Darunter zählen etwa Gebote wie “Du sollst nicht stehlen“ oder „Du sollst nicht töten“.
- Chukkim: Bei den Chukkim handelt es sich um göttliche Gebote, die sich dem tiefen Verständnis weitgehend entziehen. Chukkim sind Gebote, die wir ausführen, weil Gott sie gegeben hat, deren wahren Grund wir aber nicht so recht erfassen können. Die Rote Kuh oder das ganze Opfersystem sind Beispiele dafür.
Die Chukkim näher erklärt
nun könntest du sagen, dass die Chukkat der Roten Kuh doch auf Jeschua hindeutet und wir deshalb auch verstehen, warum Gott sie gegeben hat. So weit gehe ich mit. Dennoch stellt sich die Frage, warum alles genauso gemacht werden muss, wie in der Chukkah beschrieben.
Und da kommen wir an die Grenzen des irdischen Verständnisses. Außerdem bleibt die Frage unbeantwortet, weshalb das Wasser mit der Asche der Roten Kuh nur zur Reinigung vom Tod eingesetzt werden kann. Wozu dann all die anderen Opfer?
Im Grunde ist Israel berufen, die Chukkim ebenso zu halten wie die Mischpatim – gerade weil sie sie nicht vollständig erfassen können.
Darum geht es letztlich auch gar nicht. Gott möchte, dass wir ihm gehorchen und vertrauen, auch wenn wir sein Handeln nicht verstehen.
Und so sind die geheimnisvollen Gebote, von denen wir eines in Chukkat lesen, ein Glaubenstraining. So wie wir von unseren Kindern Gehorsam verlangen, auch wenn sie nicht verstehen, warum wir ihnen bestimmte Anweisung geben, so erwartet dies auch der Allmächtige von uns.
Und könnte es sein, dass er als unser himmlischer Vater (ähnlich wie wir als Eltern unserer Kinder), einfach mehr Überblick über die Geschehnisse in der Welt und in unserem Leben hat als wir selbst?
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
