Bo – Die Transformation Ägyptens
Die Torahportion Bo führt uns in eine entscheidende Phase der Befreiung Israels aus Ägypten. Wir erleben, wie Gott nicht nur das Schicksal der Hebräer wendet. Mit der Befreiung der Kinder Israels ging auch eine tiefgreifende Transformation im Volk Ägyptens einher.
Wir werfen einen Blick darauf, was in Ägypten neben dem offensichtlichen Untergang noch vor sich ging.
Parschat Bo
Mose 10,1-13,16
Jeremia 46,13-28; Johannes 19,31-37
Von Hass zu Gunst: Eine unglaubliche Wendung
In der Parasha Bo wird deutlich, wie stark sich die Beziehung zwischen den Ägyptern und den Hebräern veränderte. Zu Beginn der Unterdrückung war das Volk Israel in den Augen der Ägypter nichts weiter als eine Bedrohung. In der Paraschah Schemot haben wir folgende Verse gelesen:
(2. Mose 1,9-10; Schlachter 2000 – Ergänzung in eckigen Klammern durch den Verf.)
Der [Pharao] sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk der Kinder Israels ist zahlreicher und stärker als wir. Wohlan, lasst uns kluge Maßnahmen gegen sie ergreifen, dass sie nicht zu viele werden; sie könnten sonst, wenn sich ein Krieg erhebt, womöglich zu unseren Feinden übergehen und gegen uns kämpfen und aus dem Land ziehen!
Diese Propaganda führte dazu, dass die Hebräer zu Sklaven gemacht wurden, ihre Würde verloren und unter schwersten Bedingungen litten. Doch in Bo sehen wir plötzlich eine andere Haltung der Ägypter.
Hier heißt es:
Und der HERR gab dem Volk Gunst bei den Ägyptern; auch war Mose ein sehr großer Mann im Land Ägypten in den Augen der Knechte des Pharao und in den Augen des Volkes.
(2. Mose 11,3; Schlachter 2000)
Wie konnte es zu dieser Transformation kommen?
Gottes Eingreifen verändert Herzen
Die Antwort liegt in den zehn Plagen, die Gott über Ägypten brachte. Diese Plagen waren nicht nur Strafen für den Pharao, sondern auch Lektionen für das ägyptische Volk. Jede Plage richtete sich gegen eine der Götterfiguren Ägyptens und bewies ihre Ohnmacht (4. Mose 33,4). Die Ägypter erkannten zunehmend, dass der Gott der Hebräer der wahre Herrscher ist.
Selbst die Magier des Pharaos mussten zugeben:
Das ist der Finger Gottes! Aber das Herz des Pharao war verstockt, sodass er nicht auf sie hörte, wie der HERR es gesagt hatte.
(2. Mose 8,15b; Schlachter 2000)
Diese Erkenntnis überkam wohl nicht nur die Zauberer des Königs. Es scheint, als ob das Volk zunehmend erkannte, dass der Gott der Hebräer tatsächlich der wahre Schöpfer von Himmel und Erde war.
In der Folge änderte sich die Haltung vieler Ägypter zunehmend. Dieselben Menschen, die zuvor von Hass und Angst getrieben waren, entwickelten Mitleid und Respekt für die Hebräer. Sie erkannten, dass das Gericht Gottes über Ägypten gerecht und die Befreiung der Hebräer notwendig war.
Die Bereitschaft der Ägypter, den Hebräern Gold und Silber zu geben (2. Mose 12,35-36), kann als Ausdruck ihrer Reue und ihres Wunsches, das erlittene Unrecht wiedergutzumachen, gesehen werden.
Mose: Vom Flüchtling zum angesehenen Führer
Auch Moses Stellung verändert sich in der Sicht der Ägypter. Einst ein geflohener Mörder wurde der Levit von Gott zum Führer des Volkes Israel berufen. In 2. Mose 11,3 erfahren wir, dass Mose ein angesehener Mann in Ägypten wurde. Gott hatte ihm einen Namen gemacht, ähnlich wie er es bei Abraham verheißen hatte:
(1. Mose 12,2; Schlachter 2000)
Und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein.
Mose veränderte sich und nahm seine Berufung aktiv an. Er wuchs darin und wirkte für ganz Ägypten deutlich sichtbar in der Kraft Gottes. Doch auch die Veränderung der Ägypter ist nicht zu übersehen.
Auch wenn ein Teil des Nilvolkes die Hebräer mit jeder Plage nur noch mehr gehasst hat, so gab es auch viele Ägypter, die zunehmend zu Mose und den Kindern Israels aufblickten. Gott veränderte auch die Herzen der ursprünglichen Unterdrücker und schenkte ihnen Gnade und Barmherzigkeit.
Was wir aus Bo lernen können
Gott kann ausweglos erscheinende Situationen wenden. Selbst die Feinde seines Volkes können durch sein Eingreifen zu Werkzeugen der Gnade werden. Die Transformation der Ägypter zeigt, dass Gott nicht nur Gericht brachte, sondern auch Herzen veränderte.
Und egal, wie schwierig die Umstände sind oder wie groß die Feindseligkeit um uns herum scheint, wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott in unserer Mitte wirkt.
Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des HERRN; er leitet es, wohin immer er will.
(Sprüche 21,1; Schlachter 2000)
Fazit: Gottes Gerechtigkeit triumphiert
Lasst uns aus der Parasha Bo folgende Lehre mitnehmen: Gott sorgt immer für Gerechtigkeit – in seinem Zeitplan und auf seine Weise.
Was auch immer wir erleben, können wir darauf vertrauen, dass Gott alles in seiner Macht hat, um Gerechtigkeit zu bringen, unsere Feinde zur Einsicht zu bewegen und uns zu segnen. Lass uns mit diesem Vertrauen leben und die Transformationen annehmen, die Gott in unserem Leben bewirken möchte.
Übrigens: Das hebräische Wort für Gerechtigkeit ist dasselbe wie für Wohltätigkeit. Mit anderen Worten bringt Gottes Gerechtigkeit immer auch Wohltätigkeit mit sich – das Gold und Silber aus Ägypten.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
