Beha’alotcha – Die Unsicherheiten eines Priesters
Wenn wir von den großen Glaubenshelden der Torah lesen, dann erwarten wir oft, dass diese Menschen sehr gefestigt waren. Echte Felsen im Glauben. Doch die Lesung Beha’alotcha zeigt uns, dass es durchaus auch anders sein könnte.
Nasso endete mit den Gaben der 12 Fürsten für die Stiftshütte. Danach folgt die Weihe der Leviten für den Dienst am Zelt der Begegnung. Doch merkwürdigerweise sind zwischen diesen beiden Themenblöcken 4 Verse eingeschoben, die auf den ersten Blick etwas deplatziert wirken. Wir werfen einen Blick darauf, was es damit auf sich hat.
Paraschat Beha’alotcha
4. Mose 8,1-12,16
Sacharja 2,14-4,7; Matthäus 14,14-21
Der Einschub des Leuchters
Unsere Lesung Beha’alotcha beginnt mit den Anweisungen an Aaron, wie dieser die Lampen in der Stiftshütte bereiten sollte. Wir lesen im Text:
Und der HERR redete zu Mose und sprach: Rede mit Aaron und sprich zu ihm: Wenn du die Lampen aufsetzt, so sollen alle sieben Lampen ihr Licht nach vorn, vor den Leuchter werfen. Und Aaron machte es so. Nach der Vorderseite des Leuchters hin setzte er dessen Lampen auf, wie der HERR es Mose geboten hatte.
(4. Mose 8,1-3; Schlachter 2000)
Zunächst fällt auf, dass Gott hier nicht direkt zu Aaron sprach. Er beauftragte vielmehr Mose damit, seinem Bruder den Dienst zu erklären. Auch wenn dieses Vorgehen nicht ungewöhnlich war, verdient es Erwähnung, denn das tatsächliche Gebot wirkt auf den ersten Blick an dieser Stelle etwas fehl am Platz.
Dies könnten wir aus mehreren Gründen festhalten:
- Der Leuchter und sein Dienst wurden uns bereits vorgestellt. Warum wurde das Wort für Aaron nicht schon an dieser Stelle offenbart?
- Der Beginn des Buches Bamdibar bezieht sich auf die Ordnungen des Lagers und die Inbetriebnahme der Stiftshütte. Die Informationen zum Leuchter sind zwar nett, aber passen nicht direkt in den Zusammenhang der übrigen Erzählungen.
Doch wie können wir diese Besonderheit erklären und auflösen?
Aarons Dienst am Leuchter
Folgende Erklärung können wir der jüdischen Überlieferung entnehmen. Als die Stiftshütte am ersten Tag des ersten Monats von Mose errichtet wurde, begannen die 12 Fürsten der Stämme, jeder an einem separaten Tag, ihre Gaben für die Stiftshütte zu bringen.
Allerdings brachte der Stamm Levi keine Gaben dar. Die Leviten, welche den Dienst an der Stiftshütte verrichten sollten, waren ja die Empfänger dieser Gaben.
Doch Aaron fühlte sich nicht gut dabei. Er war traurig und beschämt, dass er Gott nichts darbringen konnte. Und so beauftragte der Allmächtige Mose damit, seinen Bruder zu trösten.
Dennoch stellt sich die Frage, weshalb ausgerechnet die Menorah und der Leuchter ein Trost sein sollten? Warum nicht das Räucherwerk, welches die Priester exklusiv darbringen durften (2. Mose 30,7-10). Oder warum genügte es nicht, ihn darauf hinzuweisen, dass Aaron die sieben Tage der Einweihung täglich Opfer darbrachte und er und seine Söhne dies auch zukünftig tun würden?
Was hatte es spezifisch mit dem Leuchter auf sich? Aaron und seine Söhne waren im Grunde die Hüter des Lichts. Der Leuchter sollte sein Licht nach vorn geben. Vor diesem stand der Tisch mit den Schaubroten, welche die zwölf Stämme Israels repräsentierten.
Vor diesem Hintergrund könnte der Dienst Aarons noch höher eingeschätzt werden, denn nur durch das Licht, welches er jeden Abend auf dem Leuchter entzündete, waren die Brote (die Stämme) auch in der Dunkelheit sichtbar.
Auch wenn diese Botschaft Aaron hätte trösten können, gibt es noch einen anderen Grund für die Erwähnung des Leuchters in Beha’alotcha, welcher unter anderem vom Rabbi Ramban vorgestellt wird.
Die Prophetie in Aarons Dienst
Der Dienst an der Stiftshütte mündete viele Jahrhunderte später in den Tempeldienst. An anderer Stelle haben wir bereits untersucht, welche Bedeutung dieser Tempeldienst als Muster für unser Familienleben haben kann.
Trotz der Bedeutung und Wichtigkeit ihres Dienstes versagten die Priester immer wieder darin. Dies führte so weit, dass das Haus Juda 70 Jahre ins Exil nach Babylon gehen musste. Nach der Rückkehr gab es zwar eine Periode der Besserung, doch im Laufe der Zeit verfiel der Tempel abermals.
Auch wenn das Priestertum im Laufe der Jahrhunderte immer wieder der Sünde und Korruption verfiel, so gab es doch immer wieder einen gerechten Überrest. In der Zeit der griechischen Okkupation Israels durch Antiochos Epiphanes, waren es Matthityahu und seine Söhne, Priester aus dem Samen Aarons, die Widerstand leiteten und den damals verfallenen Tempel wieder einweihten.
Sie waren es, die den Leuchter wieder zum Brennen brachten und damit das Licht in die Dunkelheit setzten.
Im Grunde war das die Botschaft an Aaron: Sei nicht betrübt, wenn die 12 Fürsten ihre Gaben zur Einweihung der Stiftshütte bringen. Deine Nachkommen werden einmal federführend darin sein, den Tempel wieder einzuweihen, wenn die anderen Stämme von ihm kaum noch etwas wissen wollen.
Fazit zu Beha’alotacha
Auch wenn Aaron eine gewichtige Aufgabe vor Gott und für Israel wahrnahm, zweifelte er doch daran, ob er genug geben konnte. Gott sah, dass der Hohepriester Trost benötigte und schickte ihm seinen Bruder Mose.
Gleichzeitig sehen wir, dass Gottes Plan weit über unser Leben und unsere Generation hinauswirkt. Der Allmächtige hat die gesamte Geschichte seines Volkes im Blick. Wenn wir vertrauend an seiner Seite bleiben, schenkt er uns Kraft und Stärkung für alle Herausforderungen, denen wir begegnen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
