Balak – Die Bedeutung echter Kommunikation
Die Lesung Balak verdankt ihren Namen dem moabitischen König, der um sein Reich und seine Macht fürchtete, als er die Kinder Israels an seinen Grenzen erblickte. In der Folge rief dieser den berühmten Wahrsager Bileam zu sich, damit er dieses große Volk verfluchte.
Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich die Frage, weshalb Balak sich überhaupt genötigt fühlte, diesen Weg zu gehen? Wir werfen einen Blick darauf, wie die Misere mit offener Kommunikation hätte vermieden werden können.
Paraschat Balak
4. Mose 22,2-25,9
Micha 5,6-6,8; Matthäus 21,1-11
Der Hintergrund von Balaks Handeln
Als das Volk Israel sich der Grenze zu Moab näherte und sich dort lagerte, blieb das den Moabitern nicht verborgen. Außerdem hatte das Volk den Auszug der Kinder Israels aus Ägypten sehr wohl noch in Erinnerung. Zudem hatten sie gesehen, wie Israel mit den Amoritern umgegangen war (4. Mose 22,2).
Als Israel gegen Sihon, den König der Amoriter in die Schlacht zog, war das Gottesvolk siegreich und nahm das gesamte Land ein. Doch bedeutsam ist hier, dass das Land Sihons zuvor Moab gehörte.
Denn Hesbon war die Stadt Sihons, des Königs der Amoriter, der zuvor mit dem König der Moabiter gekämpft und ihm sein ganzes Land bis zum Arnon abgenommen hatte.
(4. Mose 21,26; Schlachter 2000)
Balak ging davon aus, dass Israel auch den Rest des Moabiterlandes einnehmen würde. Doch war das wirklich so?
Israels Motive
Tatsächlich hatte das Volk ein klares Verbot vom Allmächtigen erhalten. Wir lesen im Buch Devarim (5. Mose ) Folgendes:
Da sprach der HERR zu mir: Du sollst Moab nicht angreifen und dich mit ihnen nicht in einen Krieg einlassen; denn ich will dir von seinem Land keinen Besitz geben; denn Ar habe ich den Kindern Lots als Besitztum gegeben.
(5. Mose 2,9; Schlachter 2000)
Israel hatte keinerlei Ambitionen, das Land der Moabiter zu erobern. Es durfte es schlichtweg nicht.
Doch Balak wusste davon offensichtlich nichts und ließ sich von seinen Ängsten leiten. Und da er nicht mehr mit der militärischen Unterstützung von Sihon und Og rechnen konnte, suchte er andere Wege, um dem mächtigen Gottesvolk zu schaden.
Seine Lösung war es, den Propheten Bileam zu engagieren, damit dieser das Volk verfluchte. Das Ende dieser Mission kennen wir. Die drei Flüche, die Bileam aussprechen sollte, verwandelte der Allmächtige in Segen. Und so errettete Gott seine Kinder aus der Hand eines Königs und eines falschen Propheten.
Die Macht offener Kommunikation
Wie wir gesehen haben, hatte Balak nichts zu befürchten. Israel war gar nicht daran interessiert, das Land der Moabiter einzunehmen. Das Volk wollte lediglich hindurchziehen.
Dennoch hatte Balak Angst um sein Herrschaftsgebiet. Da stellt sich doch zunächst die Frage, weshalb er sich so fürchtete?
Könnte es sein, dass Balak sich mit dem Pharao verglich? Dieser wollte vom Schöpfer von Himmel und Erde auch nichts wissen. Sein Weg endete im Tod und im Untergang seines Reiches. Wusste Balak, dass er im Grunde nicht besser war als der König Ägyptens?
Wusste Balak, dass Gott ihn für seine Wege strafen würde? Und ahnte er, dass der Allmächtige sein Volk dafür gebrauchen würde?
Doch wie hätte Balak reagieren können? Warum schickte er nicht einfach Boten zu Israel und fragte nach? Was wollt ihr hier? Was ist eure Absicht?
Wäre es nicht für alle viel einfacher gewesen, wenn die Völker miteinander gesprochen hätten? Stattdessen bestimmten Schuld, Furcht und Vorurteile die Begegnung.
Am Ende war die Entwicklung zum Segen Israels. Doch Moab hätte an diesem Segen teilhaben können, denn:
Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde!
(1. Mose 12,3; Schlachter 2000)
Der Segen Abrahams blieb den Moabitern aufgrund der Sturheit ihres Königs verwehrt.
Fazit
In unserem Alltag haben wir zahlreiche Situationen, in denen wir Menschen begegnen. Jedes Mal haben wir die Chance, uns zu entscheiden, wie wir ihnen entgegentreten. Sind wir offen und versuchen wir, unsere Gegenüber kennenzulernen? Oder sind wir mit Vorurteilen beladen? Haben wir Angst, zurückgewiesen zu werden?
Balak ließ sich von seinen Vorurteilen leiten. Dem zugrunde lag offensichtlich eine tiefere Ebene, die Scham, Angst oder Schuld zu tun gehabt haben könnte. Das sind die Themen, die wir auch in unserem Leben anpacken müssen.
Denn Schuld und Scham werden unsere Beziehungen (auch die Beziehung zu Gott) belasten und uns vom Segen des Himmels fernhalten.
Lasst uns die Gelegenheit nutzen, unseren Ballast zu bereinigen und uns zu entlasten. So werden unsere Beziehungen stabiler und segensreicher.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
