Wajigasch – Joseph der Lebensspender
In der Lesung Wajigasch erfahren wir, wie Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Nachdem diese ihn als Sklaven an die ismaelitischen Händler verkauft hatten, verbrachte er 22 Jahre in Ägypten.
Im Zuge der Lesung Miketz hatten wir uns angesehen, wie dieser Leidensweg Josephs zu seiner geistlichen Reifung führte. Am Ende dieses Prozesses stand er als Regent Ägyptens vor seinen Brüdern und rettete ihr Leben.
Paraschat Wajigasch
1. Mose 44,18-47,27
Hesekiel 37,15-28; Lukas 24,30-48
Die Offenbarung des kleinen Bruders
Als Joseph sich letztlich seinen Brüdern offenbarte, waren diese äußerst bestürzt. Sie wussten, dass sie ihm gegenüber schuldig waren. Sie hatte eine große Sünde begangen, auf die laut Torah die Todesstrafe steht.
Wer einen Menschen raubt, sei es, dass er ihn verkauft oder dass man ihn noch in seiner Hand findet, der soll unbedingt sterben.
(2. Mose 21,16; Schlachter 2000)
Es war also keine leichte Bagatelle, die sie begangen hatten. Beim Verkauf Josephs handelte es sich um eine Kapitalssünde, die sie das Leben hätte kosten können. Auch wenn es zur Zeit der Patriarchen noch keinen Sanhedrin oder ein vergleichbares Gericht gab, so war den Brüdern dennoch bewusst, welche Gottes Maßstäbe waren (Vgl. 1. Mose 42,21).
Doch Joseph beruhigte sie und sprach:
Und nun bekümmert euch nicht und macht euch keine Vorwürfe darüber, dass ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Lebensrettung hat mich Gott vor euch hergesandt!
(1. Mose 45,5; Schlachter 2000)
Nach einer Zeit des Leidens und der Drangsal, wurde Joseph klar, dass Gott einen Plan mit ihm hatte. Er sollte der Retter seiner Familie sein. Doch nicht nur der Familie, sondern der Retter der ganzen Welt.
Joseph – zwischen zwei Welten
Auch wenn Wajigasch vorrangig die Geschichte der Familie Jakobs erzählt, so ist Jospeh doch nicht nur deren Retter. Das Spannende am 11. Sohn Jakobs ist, dass er eine Linie begründet, die teils ägyptisch und teils hebräisch ist.
Seine beiden Söhne Ephraim und Manasse stammen von seiner ägyptischen Frau Asnath (Vgl. 1. Mose 46,20). Vor diesem Hintergrund ist Joseph nicht nur der Retter seiner Generation, sondern auch eine Erretterfigur für zukünftige Generationen. Wie das?
Nun, Ephraim wird später an die Stelle des erstgeborenen Ruben gesetzt. Im Kommentar zur Paraschah Wajechi sind wir darauf eingegangen. Aus diesem Erstgeborenen ist später ein ganzes Reich geworden – das Nordreich Israels, Ephraim.
Leider hat sich dieses Nordreich nicht bewährt und wurde aufgrund der eigenen Sünden in die ganze Welt verstreut und hat sich mit den anderen Völkern vermischt.
Ephraim hat sich mit den anderen Völkern vermischt; Ephraim ist wie ein Kuchen, den man nicht umgewendet hat.
(Hosea 7,8; Schlachter 2000)
Das ist jedoch nicht verwunderlich, da Ephraim sowohl hebräisches als auch ägyptisches Blut in seinen Adern hat. Ephraim ist wie ein Weltenwandler. Er kommt in beiden Reichen zurecht.
Allerdings möchte Gott sein Volk wieder zusammenführen und deshalb auch das Nordreich aus den Nationen zurückholen. Doch mit der Rückführung Israels kommen auch einige Völker, welche sich Israel anschließen wollen.
An jenem Tag will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und ihre Trümmer wiederherstellen und sie wieder bauen wie in den Tagen der Vorzeit, sodass sie den Überrest Edoms in Besitz nehmen werden und alle Heidenvölker, über die mein Name ausgerufen worden ist, spricht der HERR, der dies tut.
(Amos 9,11-12; Schlachter 2000)
So wie Joseph durch seine Sünde in die Sklaverei nach Ägypten geführt wurde, dort Reifung erfuhr und später zum Retter der Welt wurde, so reift auch das Nordreich Ephraim in der Welt, unter den Nationen, um in der Endzeit zurückzukehren und vielen weiteren Völkern den Weg zum Leben zu weisen.
Ephraim – Same und Frucht
Der Name Ephraim bedeutet so viel wie „doppelt fruchtbar”. Doch um eine Frucht hervorzubringen, benötigt es zunächst den Samen. Wie hatte Joseph doch gleich die Welt gerettet?
Und alle Welt kam nach Ägypten, um bei Joseph Korn zu kaufen; denn es herrschte große Hungersnot auf der ganzen Erde.
(1. Mose 41,57; Schlachter 2000)
Joseph sammelte Korn, um es in der Drangsal auszugeben. Das Korn ist dabei Nahrung und Samen gleichermaßen. Letztlich sammelte er den Samen, damit dieser bewahrt bliebe. Er achtete darauf, dass das Korn nicht verdirbt, sodass es später keimfähig blieb (Bereschit Rabba 90:5). Nur keimfähiges und lebendiges Korn konnte nach der Hungersnot, nach der Drangsal, erneut zur Nahrung und Lebensgrundlage dienen.
Und so verwundert es nicht, dass wir von Ephraim lesen, dass er wie Samen unter die Nationen gestreut ist.
Ich werde sie zwar unter die Völker säen; aber in der Ferne werden sie an mich gedenken; und sie sollen leben samt ihren Kindern und zurückkehren.
(Sacharja 10,9; Schlachter 2000)
Wir sehen, dass sich die Geschichte wiederholt.
Fazit zu Wajigasch
Wenn wir uns als Teil des Nordreiches, der verlorenen 10 Stämme, welche von Ephraim angeführt wurden, identifizieren, dann sind wir Gottes Same in der Welt. Wir sind diejenigen, die genau wie Joseph dafür sorgen, dass in der Hungersnot und Drangsal noch Nahrung zu finden ist.
Was ist diese Nahrung? Jeschua gibt uns die Antwort, indem er sagt:
Ich bin das Brot des Lebens.
(Johannes 6,48; Schlachter 2000)
Wenn wir dieses Brot, die Botschaft des Evangeliums, mit der Welt teilen, dann erfüllen wir die Rolle, die Ephraim zugedacht ist: göttlicher Same inmitten der Heidenvölker zu sein.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
