Toldot – Abraham und Isaak: Wie der Vater, so der Sohn
Mit der Paraschah Toldot steigen wir in die Geschichte von Isaak ein. Auch wenn dieser bereits in Wajera und Chajeh Sarah eine Rolle im Schatten seines Vaters spielte, so erhält er in der aktuellen Lesung die volle Aufmerksamkeit.
Dabei stellen wir fest, dass sich die Geschichte Isaaks in einigen Bereichen der Geschichte seines Vaters Abraham gleicht. In diesem Beitrag schauen wir uns einige dieser Parallelen an.
Paraschat Toldot
1. Mose 25,19-28,9
1. Samuel 20,18-42; Matthäus 10,21-38
Die unfruchtbare Frau
Was mir sofort ins Auge fiel, war, dass die Frauen der Patriarchen beide unfruchtbar waren. Als Abraham seine Frau Sarah nahm, war sie unfruchtbar (1. Mose 11,30). Und sie blieb es bis zu ihrem 90. Lebensjahr.
Auch Isaaks Frau Rebekka war zunächst unfruchtbar. Erst nach intensiven Gebetseinheiten mit Isaak war sie in der Lage, Kinder zu bekommen.
Isaak aber bat den HERRN für seine Frau, denn sie war unfruchtbar; und der HERR ließ sich von ihm erbitten, und seine Frau Rebekka wurde schwanger.
(1. Mose 25,21; Schlachter 2000)
Diese Parallele zwischen Abraham und Isaak ist natürlich kein Zufall. Es stellt sich jedoch die Frage, was der Allmächtige damit bezweckt haben mochte, beide Frauen zunächst unfruchtbar zu machen. Eine der zentralen Erklärungen dafür bietet uns der Midrasch Bereschit Rabba 45:4. Dort heißt es, dass Gott die Frauen der Patriarchen unter anderem deshalb unfruchtbar gemacht hat, damit diese für ihre Schwangerschaft beten würden.
Gott sehnt sich nach dem Gebet der Gerechten. In der Schrift heißt es dazu:
Das Opfer der Gottlosen ist dem HERRN ein Gräuel, das Gebet der Aufrichtigen aber ist ihm wohlgefällig.
(Sprüche 15,8; Schlachter 2000)
Durch das „Problem“ der Unfruchtbarkeit hatten sowohl die Männer als auch die Frauen, einen Grund, gemeinsam zu beten. Und durch das Gebet kamen sie Gott nahe. Im Grunde war die Unfruchtbarkeit damit ein Werkzeug Gottes, um die Ehepaare näher zu sich zu ziehen.
Die entführte Frau
Sowohl Abraham, als auch Isaak hätten ihre Frauen um ein Haar an einen heidnischen König verloren. Sarah wurde sowohl vom Pharao (1. Mose 12,10-20) als auch von Abimelech, dem König der Philister (1. Mose 20), in deren private Gemächer geholt. Auch wenn Sarah in beiden Fällen nichts passierte, hätte es hier schnell auch zu Vergewaltigungen oder Schlimmerem kommen können. Der Ausgangspunkt war, dass Abraham sich als Sarahs Bruder ausgab und sie dadurch zur heiratsfähigen Jungfrau wurde.
Auch Isaak griff auf diese Lüge Abrahams zurück.
Und als die Leute des Ortes nach seiner Frau fragten, da sprach er: Sie ist meine Schwester. Denn er fürchtete sich zu sagen: Sie ist meine Frau, weil er dachte: Die Leute an diesem Ort könnten mich um Rebekkas willen töten; denn sie war sehr schön.
(1. Mose 26,7; Schlachter 2000)
Zwar wurde Rebekka nicht entführt, doch es hätte schnell dazu kommen können (1. Mose 26,10).
Interessant ist, dass sowohl Sarah als auch Rebekka noch kinderlos, also unfruchtbar, waren, als sie von heidnischen Männern begehrt wurden. Die Lüge der Schwester diente dabei nicht nur dem Schutz der Männer, sondern auch der Frauen. Und so lag es an Isaak und Abraham gleichermaßen, sich für ihre unfruchtbaren Frauen einzusetzen.
Wie gut ihnen dies gelungen ist, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen.
Der verlorene Kontakt zum Vater
Im Leben beider Patriarchen kam ein Zeitpunkt, an dem sie den Kontakt mit dem Vater offensichtlich abgebrochen hatten. Bei Abraham geschah dies auf göttliches Geheiß.
Der HERR aber hatte zu Abram gesprochen: Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde!
(1. Mose 12,1; Schlachter 2000)
Terach war ein Götzendiener am Hof Nimrods. Damit Gott Abraham zum Vater vieler Völker entwickeln konnte, musste er ihn aus dieser Umgebung herausführen. Und so berief er ihn nach Kanaan, in das Land, in dem Gott ihm erschien.
Zudem erzählt der Midrasch, dass Abraham durch Nimrod in einen Feuerofen geworfen werden sollte, weil er mit dem Götzendienst seines Vaters nicht einverstanden war. Terach stand zwar bei der Vollstreckung der Strafe dabei, unternahm aber nichts, um seinen Sohn zu retten.
Bei Isaak erfolgte der Kontaktabbruch unter etwas anderen Umständen, dennoch gibt es Parallelen. Wie ich im Podcast zu Wajera angemerkt hatte, war die ganze Akeda, die Bindung Isaaks, wohl ein riesiges Missverständnis. Nach diesem Ereignis lesen wir auch nicht mehr, dass Abraham und Isaak noch miteinander Kontakt gehabt hätten.
Als Rebekka sich über die Kämpfe ihrer Kinder im Mutterleib verwunderte, heißt es in der Schrift, dass sie ging, um Gott zu befragen.
Und die Kinder stießen sich in ihrem Schoß. Da sprach sie: Wenn es so gehen soll, warum bin ich denn in diesen Zustand gekommen? Und sie ging hin, um den HERRN zu fragen.
(1. Mose 25,22; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Doch wo ging sie hin? Der Midrasch klärt uns auf, dass sie Schem und Eber aufgesucht habe. Doch warum nicht Abraham, ihren Schwiegervater? Abraham war der auserwählte Kandidat Gottes, durch den Er sein Volk bauen wollte. Wäre er nicht die erste Wahl gewesen, wenn es um konkreten Rat oder Prophetie ging? Oder stand hier ein Familienstreit im Weg?
So wie Terach seinen Sohn Abraham für seine Götzen hätte hinrichten lassen, so hätte Abraham seinen Sohn fast dem Allmächtigen geopfert – obwohl dieser das niemals verlangt hat. Kann es sein, dass Isaak dies seinem Vater bis zu dessen Tod übelgenommen hat?
Fazit
Wir sehen, dass sich im Falle Abrahams und Isaaks viele Geschehnisse des Vaters im Leben des Sohnes wiederholen. Man könnte festhalten, dass der Sohn in den Fußstapfen des Vaters lief, ob er wollte oder nicht.
Auch wenn Isaak sicher Dinge besser machen konnte, als Abraham, so entfalteten sich doch ähnliche Muster in seinem Leben.
Für uns Väter zeigt dieser Zusammenhang aber auch etwas auf. Wir sind direkte Vorbilder für unsere Kinder. Denn die Dinge ´, die uns widerfahren, werden auch in irgendeiner Art und Weise unseren Söhnen widerfahren. Und wenn wir ihnen heute zeigen, wie wir unsere Prüfungen und Herausforderungen im Leben meistern, können sie später auf gute Vorbilder zurückgreifen.
Wie wichtig ist es, dass wir Gottes Vorbild in unsere Familien hineintragen? Damit legen wir die Grundlage für die Qualität der Entscheidungen, die unsere Söhne (und Töchter) in ihrem Leben treffen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
