Teschuva im Monat Elul – Umkehr als Vorbereitung auf Rosch HaSchana
Der Monat Elul ist in der Halacha eine besondere Zeit. Er gilt als eine Periode der Besinnung, der inneren Prüfung und der Rückkehr zu Gott. Teschuva im Monat Elul bedeutet für uns, dass wir bewusst innehalten, um unser Leben im Licht der Torah zu betrachten. Dabei wollen wir aber nicht nur den Status quo ermitteln, sondern auch konkrete Schritte der Veränderung einleiten.
Für uns ist der Elul wie ein sanftes, aber eindringliches Klopfen an der Tür unserer Herzen. Der Monat gleicht einem Ruf, der uns auffordert, uns auf die hohen Feiertage vorzubereiten. Der sechste Monat im hebräischen Kalender ist die Zeit, uns auf die zukünftige Begegnung mit dem Messias vorzubereiten.
Was bedeutet Teschuva eigentlich?
Das hebräische Wort תְּשׁוּבָה (Teschuva) bedeutet wörtlich „Rückkehr“. Dabei bezeichnet es nicht nur eine Reue im moralischen Sinne. Teschuva beschreibt die bewusste und aktive Zuwendung zu Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde.
Durch unsere Sünden und die damit verbundene Schuld haben wir uns von ihm entfernt. Durch Teschuva ist uns der Weg zu ihm zurück aufgezeigt:
… und wenn du umkehrst zu dem HERRN, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst in allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele, so wird der HERR, dein Gott, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, wohin dich der HERR, dein Gott, zerstreut hat.
(5. Mose 30,2.3; Schlachter 2000)
Teschuva im Monat Elul hat deshalb eine klare Ausrichtung: Sie will uns zurückführen in eine lebendige, gehorsame und liebevolle Beziehung zu unserem Schöpfer.
Elul – ein Monat der Nähe
Nach jüdischer Auslegung steht Elul für eine Zeit besonderer Gottesnähe. Ein bekannter Midrasch (Nachal Eschkol 6:3) deutet den Namen Elul als Akrostichon eines bekannten Satzes im Hohelied 6,3:
Ich gehöre meinem Geliebten, und mein Geliebter gehört mir – אֲנִי לְדוֹדִי וְדוֹדִי לִי (Ani le-dodi ve-dodi li)
Außerdem ist Elul ein Akrostichon der Aussage:
Und der HERR, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, – אֶת־לְבָבְךָ֖ וְאֶת־לְבַ֣ב (Et-Levavecha ve-et-levav)
(5. Mose 30,6)
Wir sehen, dass der Elul der Monat ist, in dem der König sinnbildlich auf dem Feld ist und uns erwartet. Er will unsere erste Liebe zu ihm wieder entfachen und unser Herz zu ihm ziehen.
Er kommt uns entgegen, und wir dürfen in seiner Nähe sein, ohne die übliche königliche Distanz. Für mich macht dieser Gedanke die Teschuva im Monat Elul so besonders: Es ist nicht nur eine Zeit, in der wir zu Gott zurückkehren. Es ist auch eine Zeit, in der Gott sich in besonderer Weise zu uns neigt.
Praktische Schritte zur Teschuva im Monat Elul
Die Theorie klingt schön – aber wie lebt man sie im Alltag? Hier ein paar Wege, die uns helfen, diese Zeit bewusst zu gestalten:
1. Selbstprüfung
Frage dich: Wo stehe ich heute vor Gott? Welche Bereiche meines Lebens entsprechen nicht seinem Willen?
Psalm 139 bietet hierfür ein passendes Gebet:
Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine, und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf dem ewigen Weg!
(Psalm 139,23–24; Schlachter 2000)
2. Gebet und Fasten
Im Monat Elul ist das tägliche Gebet noch bewusster auf Umkehr ausgerichtet. Manche wählen zusätzliche Fastentage, um Herz und Sinn auf Gott zu konzentrieren.
3. Wiedergutmachung
Teschuva bedeutet nicht nur, Gott um Vergebung zu bitten, sondern – wenn möglich – auch zwischenmenschliche Dinge in Ordnung zu bringen. Ein ehrliches Gespräch, ein Anruf oder ein Brief können Brücken der Versöhnung bauen. Auch in unseren Ehen und Familienbeziehiungen dürfen wir schauen, ob wir vom göttlichen Plan abgewichen sind.
4. Das Schofar hören
Traditionell wird im Elul täglich das Schofar geblasen, außer am Schabbat. Der Klang ruft uns zur Wachsamkeit – und erinnert uns daran, dass jetzt die Zeit ist, zurückzukehren.
Die Verbindung zu Rosch Haschana
Teschuva im Monat Elul ist wie die Vorbereitung auf ein wichtiges Treffen: Du willst bereit sein, wenn der Tag kommt. Rosch HaSchana, der „Tag des Posaunenblasens“ (Jom Teruah – יוֹם תְּרוּעָה), markiert nicht nur den Beginn des biblischen Jahres, sondern auch den Tag, an dem Gott die Bücher öffnet und unsere Taten prüft.
Elul gibt uns 30 Tage Zeit, unser Herz vorzubereiten. Diese Zeit mündet in die „zehn ehrfurchtsvollen Tage“ zwischen Rosch HaSchana und Jom Kippur, die den Prozess der Umkehr vollenden.
Fazit: Teschuva im Monat Elul als Herzensweg
Teschuva im Monat Elul ist ein Herzensweg zurück zu Gott. Die Umkehr ist nicht nur als religiöses Ritual zu verstehen, sondern soll tatsächlich unsere Herzen reinigen. Wir wollen dabei mutig und ehrlich auf das eigene Leben blicken, uns von Gott korrigieren lassen und aktiv Schritte in seine Richtung gehen.
Elul lädt dich ein, innezuhalten, den Klang des Schofars zu hören und dich auf die Begegnung mit dem König vorzubereiten. Wenn wir diese Zeit nutzen, werden Rosch Haschana und die folgenden Festtage nicht nur äußere Ereignisse sein, sondern tiefe, persönliche Begegnungen mit unserem Schöpfer.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
