Pessach – Die Kraft der Hoffnung
Stellen wir uns einmal vor, wir hätten das Pessach in Ägypten miterlebt. Wie wird es wohl gewesen sein? Welche Gedanken und Empfinungen werden wir gehabt haben? Hatten wir Hoffnung?
Im Grunde ist der Sederabend ja genau dafür da. Er soll uns helfen, uns und unsere Kinder die Erlebnisse von damals nachzuempfinden. Wir wollen an dieser Stelle einen kurzen Exkurs in diese Zeit wagen und schauen, welche Rolle die Hoffnung gespeilt haben mag.
Die Vorgeschichte zu Pessach
Der Pessachnacht ging eine lange Geschichte voraus. Diese Geschichte wurde bereits dem Patriarchen Abraham prophezeit. Gott sprach zu ihm:
(1. Mose 15,13b-14; Schlachter 2000)
… Du sollst mit Gewissheit wissen, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Land, das ihm nicht gehört; und man wird sie dort zu Knechten machen und demütigen 400 Jahre lang. Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, will ich richten; und danach sollen sie mit großer Habe ausziehen.
Der Aufenthkat der Kinder Israels in Ägypten war von Anfang an Gottes Plan. Dabei begann alles ganz gut. Die Hebräer lebten zunächst im Land Gosen, dem fettesten Land in Ägypten. Ihr Bruder Joseph versorgte sie und keiner litt Hunger – anders als die meisten Ägypter zur Zeit der Hungersnot (1. Mose 47,13-27).
Doch die Situation änderte sich bald. Als ein Pharao aufkam, der Joseph nicht mehr kannte, begann dieser die Hebräer zu quälen udn zu knechten.
Nicht nur, dass die Kinder Israels eine harte Arbeit zu verrichten hatten. Auch das Leben ihrer Kinder war in Gefahr. Am Ende waren die Hebräer Sklaven, deren Leben in der Hand des grausamen Pharao lag.
Die Lebenswelt der Hebräer in Ägypten
Versuchen wir einmal, uns in die Lebenswelt der Hebräer hineinzuversetzen. Die Menschen arbeiteten ausschließlich für den Pharao. Nichts von dem, was sie erwirtschafteten, gehörte ihnen. Oft waren sie tage- oder gar wochenlang auf der Baustelle – getrennt von der eigenen Familie.
Zudem war eine Familiengründung ein großes Wagnis. Söhne liefen Gefahr, in den Nil geworfen zu werden. Überlebten sie bzw. die Töchter, wurden sie ebenfalls zur Arbeit herangezogen, sobald sie alt genug waren. Es gibt sogar Geschichten, dass die Kinder als Ziegel für die Vorratsstätten verarbeitet wurden.
Das Leben war trist und gefährlich. Keine Kultur, keine Spiritualität, keine Liebe und kaum Hoffnung.
Doch die Hoffnung war nicht ganz geschwunden. Denn der Allmächtige hatte Abraham ja die Befreiung verheißen. Diese Hoffnung auf Befreiung und den Auszug mit großer Habe ließ das Volk durchhalten.
Wie hätten die Kinder Israels sonst durchhalten können? Ohne Hoffnung?
Die Kraft der Hoffnung
Das hebräische Wort für Hoffnung lautet תִּקְוָה (tikva). Dieses Wort hat aber auch eine andere Bedeutung. Es kann auch Seil oder Schnur bedeuten. In diesem Sinne kommt es in einer besonderen Geschichte vor – der Errettung Rahabs aus Jericho.
Dieser wurde Folgendes aufgetragen:
Siehe, wenn wir in das Land kommen, so sollst du diese Schnur aus karmesinrotem Faden in das Fenster knüpfen, durch das du uns hinabgelassen hast, und deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und das ganze Haus deines Vaters zu dir in das Haus versammeln.
(Josua 2,18; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Hoffnung gleicht einer Schnur aus dem Himmel, die wir ergreifen können. An dieser können wir uns festhalten, um den Widrigkeiten dieser Welt zu trotzen. Hoffnung stärkt uns, Hoffnung trägt uns und sie lässt uns aufrecht gehen.
Gott offenbart sich seinem Volk im Exil als Hoffnungsspender:
Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.
(Jeremia 29,11; Schlachter 2000)
Und so sehen wir auch uns in der Situation des Exils, in Ägypten, wieder und sind getragen durch die Hoffnung der baldigen Erlösung.
Die Botschaft des Sederabends ist stets aktuell. Wir schauen nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Gegenwart. Und so ist unsere Hoffnung die Rückkehr des Messias Jeschua, der uns aus der Knechtschaft dieser Welt befreien wird.
Chag Pessach Sameach!
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
