Die Sukka – Was uns die Laubhütte über Laschon haRa lehrt
Sukkot, das Laubhüttenfest, bildet den Höhepunkt der Herbstfeste und läutet ebenso deren Abschluss ein. Zu diesem Zeitpunkt haben wir das Gericht von Jom Kippur hinter uns gelassen, unsere Sünden sind uns vergeben und wir können mit Freude und befreit vom Ballast der Schuld feiern.
Doch das bedeutet nicht, dass wir zügellos sein sollten. Denn tatsächlich weist uns die Sukka darauf hin, dass wir genau darauf bedacht sein sollten, was wir über unsere Lippen kommen lassen.
Das Gebot des Wohnens in der Sukka
Das zentrale Gebot des Laubhüttenfestes besteht darin, eine Laubhütte zu bauen und sieben Tage darin zu wohnen. In der Heiligen Schrift heißt es dazu:
Sieben Tage lang sollt ihr in Laubhütten wohnen; alle Einheimischen in Israel sollen in Laubhütten wohnen, damit eure Nachkommen wissen, dass ich die Kinder Israels in Laubhütten wohnen ließ, als ich sie aus dem Land Ägypten herausführte; ich, der HERR, bin euer Gott.
(3. Mose 23, 42-32; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Die Laubhütte ist eine vorübergehende Behausung. Sie ist nicht dafür gedacht, dauerhaft bewohnt zu werden. Demnach ist eine Laubhütte auch nicht aus massivem Stein gebaut. Sie besteht vielmehr aus Holz, Zeltbahnen und anderen leichten Materialien.
Damit bietet die Sukka im Prinzip weniger Schutz als ein Haus. Wir können uns in ihr weniger auf unser Machwerk verlassen und sind verstärkt auf den mächtigen Arm Gottes angewiesen.
Doch ein Haus bietet auch auf einer anderen Ebene einen stärkeren Schutz als die Sukka. In den eigenen massiven vier Wänden ist es viel einfacher, seine Sünden und Vergehen zu verstecken. Viel mehr kann im Heimlichen und Unsichtbaren passieren.
Die Laubhütte und die Laschon haRa
In der jüdischen Überlieferung gibt es das Konzept der Laschon haRa. Übersetzt bedeutet dies so viel wie die böse Zunge. Unter diesen Begriff fallen alle Formen von übler Nachrede, Lästereien oder das Verbreiten von Gerüchten.
Wer seine Zunge diesbezüglich nicht im Zaum halten kann, begeht eine schwere Sünde. Die Grundlage dafür bietet die Geschichte von Miriam, als diese gegen ihren Bruder Mose lästerte und danach aussätzig wurde (4. Mose 12).
Einige Weisen gehen sogar davon aus, dass die beiden Tempel auch aufgrund der Laschon haRa zerstört wurden und der nächste Tempel erst wiederhergestellt werden kann, wenn Israel diese Sünde in den Griff bekommt.
Nun ist es jedoch so, dass üble Nachrede oder Lästerungen oft im Verborgenen betrieben werden. Das war schon in der Wüste so.
Als nun Mose das Volk weinen hörte, in jeder Familie jeden am Eingang seines Zeltes, da entbrannte der Zorn des HERRN sehr, und es missfiel auch Mose.
(4. Mose 11,10; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Das Interessante am obigen Vers ist, dass wir hier sehen, dass das Volk zwar im Zelt weinte, aber hörbar nach außen war. Obwohl sich die Familien in ihre Privatsphäre zurückzogen, wurden ihre Lästerungen dennoch öffentlich wahrgenommen.
Die Sukka als Wohnung Gottes
Die Heilige Schrift weist uns an vielen Stellen darauf hin, dass die Sukka die Wohnung Gottes ist. Im Folgenden ein Beispiel aus dem Mund von König David:
Er machte Finsternis um sich her zu seinem Zelt, dunkle Wasser, dichte Wolken.
(2. Samuel 22,12; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Das Zelt ist aus dem hebräischen Wort Sukka übersetzt. Wenn wir also mit Gott leben, dann sind wir in seiner Sukka. Und wenn wir mit ihm intim und privat sind, dann wird er sich nicht unsere Lästerungen anhören wollen.
Ich denke, wir können sogar davon ausgehen, dass, wenn wir lästern, der Allmächtige es öffentlich machen wird. So war es schließlich auch mit Miriam geschehen.
Fazit
Das Laubhüttenfest und die Sukka sollten uns daran erinnern, dass wir unsere Worte mit Bedacht wählen. Lästerungen oder Flüche sollten nicht über unsere Lippen kommen. Die Lashon haRa ist eine schlimme Sünde, die die Wiederherstellung von Gottes Königreich verhindern kann.
Lasst uns Sukkot vielmehr in Freude und mit segnenden Worten begehen. In diesem Sinne wünsche ich dir herzlich Chag Sameach Sukkot!
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
