Der Monat Elul – Zeit für Umkehr, Versöhnung und Erneuerung
Innerhalb des hebräischen Kalenders gibt es immer wieder besondere Zeiten, in denen wir Gott begegnen können. Natürlich ist der Allmächtige zu jeder Zeit bereit, mit uns in Kontakt zu treten. Dennoch gibt es bestimmte Termine, die für spezielle Themen vorgesehen sind.
Vorrangig sind dabei seine Feste, seine Moedim zu nennen, wie sie in 3. Mose 23 beschrieben sind. Dabei hat jedes Fest seine spezielle Bedeutung, in der uns Gott bestimmte Gebote aufgetragen hat.
Die Herbstfeste sind dabei eine Zeit der Kehre zu Gott zurück – eine Einladung, die mit dem Monat Elul beginnt und sich bis zu den Hohen Feiertagen zieht.
Die historischen Geschehnisse im Monat Elul
Der 1. Elul markiert einen ganz besonderen Moment in der Geschichte Israels: An diesem Tag stieg Mose zum dritten Mal auf den Berg Sinai. Dieses Mal war er dort, um die zweiten Steintafeln zu empfangen (2. Mose 34,1–2). Diese 40 Tage endeten an Jom Kippur, dem Versöhnungstag, an dem der Bund am Sinai erneuert wurde.
Mose hatte den Auftrag, sich zwei neue Tafeln anzufertigen, da er die ersten beiden zerbrochen hatte. Er blieb erneut 40 Tage und Nächte auf dem Gipfel. Diese Zeit verbrachte er in der Gegenwart Gottes und benötigte weder Wasser noch Nahrung.
In gewisser Weise lädt uns der Monat Elul jedes Jahr ein, denselben Weg zu gehen – nicht auf einen physischen Berg, sondern in unser Herz und unseren Glauben hinein. Wir nehmen etwas Abstand von den weltlichen Bedürfnissen und wenden uns den himmlischen Realitäten verstärkt zu.
Das tägliche Schofarblasen – ein Weckruf an unser Herz
In vielen Gemeinden ist es Tradition, während des Monats Elul jeden Morgen das Schofar zu blasen. Der Ton des Horns ist ein Weckruf und hat, richtig geblasen, eine Menge Kraft. Es war nicht zufällig Hörnerschall, der die Mauern von Jericho zum Einsturz brachte.
Mit dem Blasen des Schofars symbolisieren wir, dass wir unsere geistlichen Festungen zum Einsturz bringen wollen. Wir prüfen unsere Herzen und unseren Wandel, damit wir für die Wiederkunft des Messias und die Erneuerung des Bundes mit Israel an Jom Kippur vorbereitet sind.
Mesusa und Tefillin überprüfen
Elul ist auch eine Zeit, in der wir ganz praktisch überprüfen, ob unsere Mesusot noch intakt sind oder ob die Tefillin vielleicht erneuert oder repariert werden müssen. Für manche mag das wie eine kleine Nebensache erscheinen, aber es ist ein schönes Bild: Wir schauen, ob Gottes Wort an unseren Türen und an unseren Herzen noch „klar lesbar“ ist.
Sündenbekenntnis und Selbstprüfung
Der Monat Elul ist wie ein Spiegel. Wir nehmen uns Zeit, unser Leben ehrlich zu betrachten. Wo sind wir von Gottes Wegen abgewichen? Wo haben wir Menschen verletzt – bewusst oder unbewusst?
Konflikte klären und Vergebung schenken
Vielleicht ist dies der schwierigste, aber auch heilsamste Teil des Monats: Beziehungen in Ordnung zu bringen. Innerhalb der Familie ist das oft schon eine Herausforderung – wie viel mehr mit Menschen außerhalb, sei es der Nachbar, ein Kollege oder für die Kinder ein Mitschüler.
Für die Gemeinschaft in der Familie ist dieser Monat eine gute Gelegenheit, Konflikte aus dem Weg zu räumen. Das kann bedeuten, die Kinder bei der Lösung ihrer Streitigkeiten zu begleiten oder auch selbst unsere Kinder und unsere Ehepartner um Vergebung zu bitten. Streit in der Ehe sollte in dieser Zeit zu einer Lösung geführt werden. Im Monat Elul ist der Himmel offen und unterstützt klärende Gespräche.
Ich habe erlebt, dass ein klärendes Gespräch in Elul eine Last von den Schultern nehmen kann, die man gar nicht bewusst getragen hat. Manchmal reicht ein kurzer Anruf, manchmal braucht es mehr Mut und Zeit. Aber die Erfahrung zeigt: Wer Versöhnung sucht, erlebt Frieden – genau das, was Gott uns in dieser Zeit schenken möchte.
Fazit
Wenn wir den Monat Elul so bewusst leben, gehen wir vorbereitet in die Hohen Feiertage. Es ist, als würden wir schon Wochen vorher unser Herz, unser Haus und unsere Beziehungen in Ordnung bringen, um an Jom Kippur vor Gott stehen zu können – mit dem Wunsch, den Bund zu erneuern und tiefer in seiner Nähe zu leben.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
