Die Autorität der Frau in der Bibel
Damit eine Ehe funktioniert, müssen beide Partner ihre Rollen klar kennen. Wer sich über die eigene oder die des Partners nicht sicher ist, gerät schnell aufs Glatteis. Viele Konflikte in Beziehungen sind die Folge von verfehlten Erwartungen.
Männer, die von ihrer Ehefrau Dinge erwarten, die nicht zu ihrer eigentlichen Rolle passen, werden auf Dauer keine erfolgreiche Ehe führen können. Doch was ist denn wirklich die Rolle der Frau? Und was hat es mit der Autorität der Frau auf sich?
Das Klischee: Frauen haben keine eigene Autorität
Gelegentlich bin ich mit dem Argument konfrontiert, dass laut der Bibel die Männer die Autorität in der Familie ausüben würden. Die Frauen wären ihnen untergeordnet und könnten nur auf der Grundlage der männlichen Autorität wirken.
Für diese Argumentation werden maßgeblich zwei Aussagen herangezogen, die Paulus einmal getroffen hat. Zum einen schrieb er an Timotheus:
Ich erlaube aber einer Frau nicht, zu lehren, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht, sondern sie soll sich still verhalten.
(1. Timotheus2,12; Schlachter 2000)
Zum anderen spricht er in 1. Korinther 11 darüber, dass der Mann das Haupt der Frau sei, was viele so auslegen, dass sich die Frau dem Mann komplett unterzuordnen habe.
Ich möchte diese beiden Stellen in diesem Artikel gar nicht weiter analysieren. Das ist ein Projekt für zukünftige Beiträge. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass die Aussagen von Paulus nicht dazu geeignet sind, Dogmen aufzustellen. Es gibt dafür mehrere Gründe:
- Die Briefe des Paulus sind uns in griechischer Sprache überliefert. Zumindest sind die griechischen Kodizes wie der Nestle-Aland oder der Textus Receptus die Grundlage für die Übersetzungen ins Deutsche oder Englische. Allerdings war Paulus Hebräer, was bedeutet, dass er zumindest einen Teil seiner Briefe in Hebräisch oder Aramäisch geschrieben haben mag. Somit haben wir es mit einer Übersetzung der Übersetzung zu tun und nicht mit originalen Aussagen.
- Paulus’ Aussagen müssen mit dem Gesamtkontext der Bibel übereinstimmen. Da er nie etwas anderes als die Torah gelehrt hat, würde der Apostel dieser auch nicht widersprechen. Manche Dogmen, die aus seinen Worten gezogen werden, stehen jedoch im Widerspruch zu Inhalten der 5 Bücher Mose.
- Paulus war Jude und ist in einer jüdischen Lebenswelt zu Hause gewesen. Wenn wir diese Lebenswelt nicht verstehen, werden wir zu falschen Schlüssen kommen.
Vor dem Hintergrund dieser 3 Aspekte sollten wir sehr vorsichtig mit den Inhalten der Paulusbriefe umgehen. Mein persönlicher Ansatz lautet: Wenn ich einen Widerspruch zur Bibel sehe, lasse ich die Passage stehen und halte nach dem fehlenden Puzzlestück Ausschau, welches den Widerspruch auflöst.
Wir werden sehen, dass die oben genannten Deutungen nicht mit den hebräischen Texten der Bibel im Einklang stehen.
Der Mann soll über sie herrschen
Wieder zurück zur Rolle der Frau. Wenn wir die Aussagen des Apostels Paulus nicht heranziehen, so bleiben uns doch noch grundlegende Aussagen in der Torah. Die Autorität der Frau wird beispielsweise schon in Bereschit infrage gestellt.
Dort heißt es:
Und zur Frau sprach er: Ich will die Mühen deiner Schwangerschaft sehr groß machen; mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; und dein Verlangen wird auf deinen Mann gerichtet sein, er aber soll über dich herrschen!
(1. Mose 3,16; Schlachter 2000)
Hier heißt es doch eindeutig, dass der Mann über die Frau herrschen soll. Oder etwa nicht?
Sicher ist hier vom Herrschen die Rede. Was wir aber nicht übersehen sollten, ist die Tatsache, dass dieses Dekret Gottes eine Ordnung infolge des Sündenfalls beschreibt. Hierbei handelt es sich um eine gefallene Ehe.
Im Garten Eden war die Ordnung jedoch eine andere und die Autorität der Frau kam zur Geltung.
Die Autorität der Frau im Garten Eden
Als Gott Mann und Frau schuf, waren beide komplett gleichwertig und gleichberechtigt. Beide hatten einen göttlichen Auftrag, den sie in Einheit ausführen sollten.
Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich regt auf der Erde!
(1. Mose 1,27-28; Schlachter 2000)
Sowohl Mann als auch Frau waren im Bild Gottes geschaffen. Beide hatten den Auftrag, über die Erde zu herrschen und sie sich untertan zu machen. Wenn also die Frau ebenfalls den Auftrag hat zu herrschen, spricht Gott ihr automatisch Autorität zu.
Die Frau als עֵזֶר כְּנֶגְדּוֹ (ezer kenegdo)
In 1. Mose 2,18 lesen wir:
Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht!
(Schlachter 2000)
Das hebräische עֵזֶר כְּנֶגְדּוֹ (ezer kenegdo) wird oft schlicht mit „Gehilfin“ übersetzt. Doch der Begriff עֵזֶר (ezer) bedeutet weit mehr als eine „helfende Hand im Haushalt“. Er wird in der Bibel mehrfach für Gott selbst verwendet – und zwar in Situationen, in denen Er Hilfe in der Not oder Unterstützung im Kampf gegen Feinde ist.
Beispiele:
Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
(Psalm 121,2; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Und dies ist [das Wort] für Juda; und er sprach: »HERR, höre auf die Stimme Judas und bringe ihn zu seinem Volk! Seine Hände seien mächtig für ihn, und hilf du ihm vor seinen Feinden!«
(5. Mose 33,7; Schlachter 2000 – Hervorhebung durch den Verfasser)
Das zeigt: Eine Frau als ezer ist nicht einfach eine untergeordnete Assistentin, sondern eine kraftvolle Unterstützung, die an der Seite des Mannes steht, besonders in geistlichen Kämpfen und Lebensherausforderungen. Das ist ein Ausdruck der Autorität der Frau, wie Gott sie ursprünglich gedacht hat.
Der zweite Teil des Ausdrucks, כְּנֶגְדּוֹ (kenegdo), bedeutet wörtlich „wie sein Gegenüber“. Das zugrunde liegende Wurzelwort נָגַד (nagad) hat verschiedene Bedeutungen: „berichten“, „verkünden“, aber auch „gegenüberstehen“. Somit ist die Frau wie ein Spiegel des Mannes, der ihm seinen eigenen Wandel vor Augen führt.
Interessanterweise kann nagad auch „zurechtweisen“ oder „strafen“ bedeuten. Das zeigt, dass eine Ehe als „unangenehm“ empfunden werden kann, wenn der Mann sich nicht in Liebe und Respekt verhält. Die Frau spiegelt dann nicht nur, sondern konfrontiert. Auch das gehört zur von Gott gegebenen Autorität der Frau.
Die אֵשֶׁת חַיִל (eschet chail) – mehr als nur Hausfrau
In Sprüche 31 finden wir das berühmte Lob der אֵשֶׁת חַיִל (eschet chail), was wörtlich „Frau der Kraft“, „tapfere Frau“ oder auch „heldenhafte Frau“ bedeutet. Sie ist alles andere als eine passiv Untergeordnete – sie ist eine Geschäftsfrau, Managerin und Versorgerin ihrer Familie.
Einige Beispiele aus dem Text:
- Sie trachtet nach einem Acker und erwirbt ihn auch; vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg an. (Sprüche 31,16; Schlachter 2000) – Sie hat Entscheidungs- und Handlungskompetenz im Geschäftsleben.
- Sie sieht, dass ihr Erwerb gedeiht; ihr Licht geht auch bei Nacht nicht aus. (Sprüche 31,18; Schlachter 2000) – Sie beurteilt eigenständig den Wert ihres Handelns.
- Sie fertigt Hemden und verkauft sie und liefert dem Händler Gürtel. (Sprüche 31,24; Schlachter 2000) – Sie produziert und betreibt Handel.
Das alles kann sie nur tun, weil sie Autorität besitzt – nicht nur im privaten Bereich, sondern auch im wirtschaftlichen und sozialen Leben.
Die Frau als Krone des Mannes
Sprüche 12,4 sagt:
Eine tugendhafte Frau ist die Krone ihres Mannes, aber eine schändliche ist wie ein Fraß in seinen Gebeinen.
(Schlachter 2000 – Einschub durch den Verfasser)
Eine Krone steht über dem Haupt des Königs – und wird sichtbar von allen gesehen. In diesem Bild steht die Frau nicht unter dem Mann, sondern schmückt, ehrt und erhöht ihn. Ihre Autorität ist ein Teil seines Ansehens, und ohne sie fehlt ihm ein wesentlicher Teil seiner Würde.
Freiheit als göttliches Ziel
In der Bibel sehen wir, dass Gott Sein Volk – Seine „Braut“ – aus Ägypten befreit hat (z. B. 2. Mose 6,6–7). Er tat dies, damit sie ihm in Freiheit dienen konnten. Gott möchte keine versklavte, eingeschüchterte Braut, sondern eine, die Ihm aus Liebe folgt.
Wenn Gott selbst so handelt, sollten auch Männer ihre Frauen nicht in einer Rolle festhalten, die ihre von Gott gegebene Autorität beschneidet. Stattdessen gilt es, sie zu unterstützen, zu fördern und zu achten – als Partnerin auf Augenhöhe, frei, ihre Berufung zu leben.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.

Cornelia
14. August 2025 @ 22:15
Ein Wort der Wahrheit, welches schon lange überfällig ist, noch immer nicht überall angekommen ist, und dessen Missachtung eine Kaskade von Problemen und Zerstörung hervorrufen kann. Danke für diese klare Erklärung. Möge jedem Leser, jeder Leserin Segen und Heilung daraus erwachsen; auch Konfrontation, wenn diese notwendig sein sollte. Gottes Wahrheit gehört auf den Leuchter!
Über ein halbes Jahrhundert habe ich mit diesem Thema Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt- in beiden Richtungen. Das beste Positiv-Beispiel sind meine eigenen Eltern gewesen. Sie waren auf dieser Grundlage, wie oben beleuchtet, 53 Jahre glücklich verheiratet, bis mein Vater starb. Ihre Ehe hat bestens funktioniert. Danke nochmals!