Wajischlach – Der Herr der Heerscharen
In der Torahportion Wajischlach begegnen wir Jakob auf dem Heimweg von Laban nach Kanaan. Er kehrt in das Land seiner Väter zurück, doch der Weg ist mit einigen Hürden gepflastert. Jakob weiß, dass er sich seinem Bruder Esau stellen muss, mit dem er seit Jahren im Streit liegt.
Nachdem Jakob ihm das Erstgeburtsrecht um einen Teller Linsen abgenommen und sich den Segen des Vaters durch Betrug erschlichen hatte, wollte Esau ihn töten. Somit erforderte die Begegnung mit dem Bruder nicht nur Jakobs Mut, sondern auch eine gründliche spirituelle Vorbereitung. In Wajischlach lesen wir, wie Jakob sich darauf einstellt und welche himmlischen Kräfte ihn dabei begleiten.
Paraschat Wajischlach
1. Mose 32,4-36,43
Obadja 1,1-21; Matthäus 2,13-23
Die Begegnung mit den Engeln
Als Jakob sich auf den Weg nach Hause machte, hatte er eine besondere Begegnung. An der Grenze zum Land Kanaan, dem verheißenen Land, sah er eine große Schar Engel.
(1. Mose 32,2-3; LUT)
Jakob aber zog seinen Weg. Und es begegneten ihm die Engel Gottes. Und als er sie sah, sprach er: Hier ist Gottes Heerlager, und nannte diese Stätte Mahanajim.
Das hebräische Wort Machanaim (מַחֲנַיִם) bedeutet „Doppellager.“ Das hebräische Wort bezieht sich dabei tatsächlich auf ein Heerlager, in dem sich die Soldaten einer Armee sammeln und lagern.
Interessant ist dabei, dass er nach der Begegnung mit den Engeln nicht von einem Lager, sondern von zwei Lagern sprach. Welche beiden Lager waren gemeint? Die Engel bildeten das Eine, doch wo war das andere?
Wir wissen, dass Israel auch als Heer Gottes bezeichnet wird.
Und der Pharao wird nicht auf euch hören, sodass ich meine Hand an Ägypten legen und mein Heer, mein Volk, die Kinder Israels, durch große Gerichte aus dem Land Ägypten führen werde.
(2. Mose 7,4; SLT – Hervorhebung durch den Verfasser)
In Wajischlach erfahren wir, dass Jakob den Namen Israel tragen sollte (1. Mose 32,29). Daher können wir davon ausgehen, dass er mit seiner Familie das zweite Heerlager ausmachte.
Nun stellt sich nur noch die Frage, wer die beiden Lager befehligte.
Die Rolle der Engel – Schutz und Befehl
Wir erinnern uns an den Traum der Himmelsleiter, den Jakob in Bethel hatte. In diesem Traum sah er den Allmächtigen an der Spitze einer Leiter, die bis in den Himmel reichte, stehen. Auf der Leiter selbst stiegen Engel Gottes auf und nieder.
Diese Engel können als Diener Gottes verstanden werden, die die Anliegen und Bedürfnisse Jakobs vor Gott trugen und wieder herunterkamen, um die Segnungen des Allmächtigen in Jakobs Leben zu bringen.
Dass Gerechte von Engeln behütet werden, wissen wir ebenfalls. Der Psalmist klärt uns darüber auf:
Denn er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.
(Psalm 91,11; SLT)
Doch in dieser Paraschah Wajischlach stoßen wir auf eine Besonderheit. Es heißt dort nämlich:
Und Jakob sandte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau ins Land Seir, in das Gebiet von Edom.
(1. Mose 32,4; SLT)
Das hebräische Wort Mal’ach (מַלְאָךְ), welches im obigen Vers mit Bote übersetzt ist, kann auch Engel bedeuten. Daher können wir den Vers auch so verstehen, dass Jakob Engel vor sich her zu Esau sandte. Dies waren die Engel des einen Heerlagers.
Jakob, ein Gerechter vor Gott, erlebte Schutz durch die Engel. Doch in diesem besonderen Moment reichte seine Rolle noch weiter. Jakob war nicht nur der Empfänger von Schutz, sondern gleichzeitig der Befehlshaber über die himmlischen Streiter. Er gab den Engeln Anweisungen.
Doch wie ist das möglich? Ist Gott nicht der Herr der Heerscharen?
Der Herr der Herrscharen und Jakobs Autorität in Wajischlach
Normalerweise begegnen wir Gott als den „Herrn der Heerscharen“, im Hebräischen Adonai Zebaot (יְהוָה צְבָאוֹת), der über alle himmlischen Armeen gebietet.
Doch hier sehen wir Jakob, der selbst als General agierte. Wie kann das sein?
Die Antwort liegt in Jakobs tiefer Verbindung zu Gott. Er war so von Gottes Herrlichkeit erfüllt, dass diese Autorität durch ihn wirkte. Er war in einer heiligen Sphäre, die es ihm erlaubte, die Engel zu befehligen. Dieses Bild zeigt, dass Gott durch Menschen wirken kann, wenn sie sich ihm vollständig hingeben durch einen geistlichen Tempeldienst und die Macht des Gebets.
Eine Parallele zu unserem Leben
Was können wir aus dieser Geschichte für unser Leben und unsere Familien lernen? Kennst du das Chaos, wenn Kinder nicht gehorchen? Oder wenn Konflikte mit dem Ehepartner oder unerwartete Schicksalsschläge dein Leben auf den Kopf stellen?
Solche Situationen können uns überwältigen. Doch Jakobs Beispiel zeigt, dass wir in Gott Kraft finden können, das Unmögliche zu bewältigen. Wenn Jakob, der Stammvater Israels, sogar die Engel befehligen konnte, dann sollten wir uns der Autorität über unser Leben bewusst werden. Nichts ist dem unmöglich, der glaubt.
Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Unglaubens willen! Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Berg sprechen: Hebe dich weg von hier dorthin!, und er würde sich hinwegheben; und nichts würde euch unmöglich sein.
(Matthäus 17,20; SLT)
Wenn wir tief in Gott verwurzelt sind und uns von seinem Geist erfüllen lassen, können wir nicht nur Chaos bewältigen, sondern sogar himmlische Kräfte bewegen. Gott gibt uns die Autorität, sichtbare und unsichtbare Hindernisse zu überwinden. Wie viel Kraft liegt in unserem Glauben? Wie viel von Gottes Herrlichkeit lebt in uns?
Fazit für Wajischlach
Die Torahportion Wajischlach erinnert uns daran, dass Gottes Kraft in uns wirkt, wenn wir uns ihm hingeben. Jakob wurde nicht nur begleitet und beschützt, sondern er führte die Engel als Teil eines göttlichen Heeres. Dies zeigt, dass auch wir in unserer Verbindung zu Gott unglaubliche Dinge bewirken können – in unseren Familien, in unserem Alltag und in unseren Herausforderungen.
Wie Jakob und die Engel können wir zu Gottes Werkzeugen werden, um Frieden zu schaffen und Hindernisse zu überwinden. Es liegt an uns, diese göttliche Autorität anzunehmen und im Glauben voranzugehen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
