Wajera: Wie Gott seine Heiligen vor Verderben bewahrt
In der Lesung Lech Lecha lernten wir Abram, den späteren Stammvater des Gottesvolkes Israel, kennen. In seiner Position als Patriarch war Abraham eine Art Vorläufer oder Model für Israel. Und so sehen wir auch in den Erzählungen von Wajera viele prophetische Geschichten, die nicht nur von Abraham, sondern auch zu uns sprechen.
In diesem Kommentar untersuchen wir eine Begebenheit, in der wir erkennen, wie Gott sein Volk und seine Heiligen vor Verderben bewahrt.
Paraschat Wajera
1. Mose 18,1-22,24
2. Könige 4,1-37; Lukas 17,28-37
Ein wenig Hintergrund zu Wajera
Wir erinnern uns daran, dass Gott Abram ein Versprechen gegeben hat. Er verhieß dem Patriarchen:
Da erschien der HERR dem Abram und sprach: Deinem Samen will ich dieses Land geben! Und er baute dort dem HERRN, der ihm erschienen war, einen Altar.
(1. Mose 12,7; SLT – Hervorhebung durch den Verfasser)
Als Abram diese Zusage vom Allmächtigen erhielt, befand er sich im Land Kanaan. Er hatte keinen Sohn, aber seinen Neffen Lot bei sich.
Doch die beiden Männer mussten sich trennen. Da Lots und Abrams Herden zu groß waren, zog der Sohn Harans Sohn in die Gegend von Sodom und Abram wohnte zunächst in Hebron. Dass Abram seine Verbindung zu Lot jedoch nicht gekappt hatte, zeigte sich darin, dass er seinen Neffen aus der Gefangenschaft Kedor-Laomers befreite.
Lot ging daraufhin nach Sodom zurück. Allerdings waren die Menschen der Stadt so böse, dass Gott bald ein Gericht über sie beschloss. Obwohl Abram für Sodom eintrat – vermutlich, um Lot zu retten – konnte der Allmächtige nicht anders, als die Stadt zu vernichten.
Lot wurde mit seinen beiden Töchtern gerettet. Allerdings zeigte sich recht bald die Auswirkungen des schlechten Umgangs, den beide in Sodom gehabt haben mussten. Sie fürchteten, keine Nachkommen zu erhalten, nachdem Gott die vier großen Städte der Ebene mit einem so mächtigen Gericht zerstört hatte. So entscheiden Sie, durch Ihren Vater Söhne zeugen zu lassen.
Wajera und die Begegnung Abrahams und Abimelechs
In Wajera lesen wir außerdem, dass Abraham und Sarah den Geburtstermin ihres verheißenen Sohnes erfuhren.
Da sprach er: Gewiss will ich um diese Zeit im künftigen Jahr wieder zu dir kommen, und siehe, deine Frau Sarah soll einen Sohn haben! Sarah aber horchte am Eingang des Zeltes, der hinter ihm war.
(1. Mose 18,10; SLT – Hervorhebung durch den Verfasser)
Diese Zeit im künftigen Jahr war Pessach. Am selben Abend dieser Ankündigung wurde Sodom gerichtet und Lot bereitete seinen beiden Besuchern, den Engeln, ungesäuerte Brote (1. Mose 19,3).
Wir schauen noch einmal darauf, dass Lot zwar gerettet wurde, jedoch mit seinen Töchtern in eine Höhle geflohen war, in der diese ihn betrunken machten, um Samen zu erhalten.
Nehmen wir einmal an, diese Sache wurde öffentlich und Abraham erfuhr davon. Was hätte er getan? Vielleicht finden wir die Antwort im Kapitel 20.
Abraham aber zog von dort in den Negev und wohnte zwischen Kadesch und Schur, und er hielt sich als Fremdling in Gerar auf.
(1. Mose 20,1; SLT)
Als Abraham sah, dass die Städte gerichtet waren und Lot auch nicht mehr die beste Reputation hatte, zog er sich zurück. Außerdem stand die Geburt von Isaak bevor, sodass er für seinen Sohn die optimale Umgebung schaffen wollte.
Wajera und das Geheimnis des neuen Wohnortes von Abraham
Schauen wir uns noch einmal die genaue Lokalisation von Abrahams neuer Wohnstätte an. Dabei berücksichtigen wir, dass jedes Wort und auch jeder (Orts-)Name in der Torah von Bedeutung ist. In Wajera lesen wir von den folgenden Plätzen.
- Kadesch: heiligen, abscheiden, separieren
- Schur: Wand
- Gerar: herausziehen, wegschleppen, wegschleifen
Fassen wir diese Bedeutungen zusammen. Abraham zog sich aus der Welt zurück und suchte einen Ort, an dem er in einer gewissen Abgeschiedenheit heilig leben konnte. Gleichzeitig hielt er sich aber in der Philisterstadt Gerar auf.
Rabbi Samson Raphael Hirsch begründet diese Entscheidung damit, dass der verheißene Sohn Isaak fern von bösen Einflüssen in einer heiligen Umgebung aufwachsen sollte. Allerdings würde er den Verführungen der Welt sofort erliegen, wenn er mit ihnen keinen Kontakt hatte, weshalb Abraham die Nähe zu Abimelech suchte.
Und so konnte Isaak in einer kontrollierten Umgebung aufwachsen. Er bekam die reine Lehre der Torah seines Vaters übermittelt und konnte seinen Glauben gleichzeitig in der Welt trainieren.
Dennoch war auch die Zeit in Gerar für Abraham nicht ohne Prüfung.
Abrahams Verrat an Sarah
Als Abraham zu Abimelech kam, wiederholte er denselben Fehler, den er zuvor in Ägypten begangen hatte. Doch dieses Mal bat er Sarah nicht um einen Gefallen, sondern behauptete über sie das Folgende:
Und Abraham sagte von seiner Frau Sarah: Sie ist meine Schwester. Da ließ Abimelech, der König von Gerar, Sarah holen.
(1. Mose 20,2; SLT – Hervorhebung durch den Verfasser)
Abimelech, in der Annahme, dass Sarah unverheiratet sei und daher frei für eine Verbindung, holte sie daraufhin zu sich. Doch Gott ließ dies nicht unkommentiert: Er erschien Abimelech im Traum und warnte ihn eindringlich, dass er des Todes sei, wenn er Sarah anrühren würde.
So sorgte der Allmächtige dafür, dass Abraham und Sarah wieder zueinanderfanden und die Verbindung zwischen ihnen intakt blieb.
Aber warum handelte Abraham auf diese Weise? Er hatte Angst um sein Leben und befürchtete, dass man ihn wegen Sarah töten könnte (1. Mose 20,11).
Eigentlich wäre es seine Aufgabe gewesen, sein Leben einzusetzen, um seine Frau zu schützen. Doch er ließ sich von Furcht leiten, und das hätte beinahe schwerwiegende Konsequenzen gehabt.
Dennoch bewahrte Gott diese Ehe – und damit auch die Eltern des verheißenen Sohnes Isaak. So konnte Isaak in geordneten Verhältnissen aufwachsen und die Verheißung Gottes erfüllt werden.
Was wäre gewesen, wenn die Vaterschaft des Kindes, das Sarah gebären würde, nicht geklärt gewesen wäre? Es ist kaum vorstellbar, wie sich die Geschichte entwickelt hätte. Doch durch Gottes Eingreifen blieb alles in geordneten Bahnen, und auch wir können daraus wichtige Lehren ziehen.
Fazit
Diese Geschichte aus Wajera zeigt uns, dass Gott uns bewahrt, wenngleich wir in unserem Tun und Planen fehlbar sind. Abraham versuchte, die besten Umstände für seinen Sohn zu schaffen, doch auch er konnte sich nicht der Welt und ihren Verführungen entziehen.
Ebenso können wir den eigenen Herausforderungen und Schwächen nicht ausweichen. Es liegt daher an uns, unseren Fokus auf die Beziehung zu Gott zu richten und aus dieser Verbindung heraus für unsere Kinder und Familien zu sorgen.
Wenn wir uns selbst reinigen und auf unseren eigenen Weg achten, können wir diese innere Stärke an unsere Ehepartner und Kinder weitergeben. Eine intakte Beziehung zu Gott ist der Grundstein, auf dem wir ein gesundes und stabiles Familienleben aufbauen können.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
