Bereschit: Im Anfang liegt alles verborgen
Mit der Lesung Bereschit (Im Anfang) beginnen wir einen neuen Torahzyklus in diesem Jahr. Das ist auch für uns von Torah in Family der Startschuss, für die wöchentlichen Lesungen einen Kommentar für euch bereitzustellen.
Dabei werden wir uns zu jedem Abschnitt ein bis zwei Gedanken herausgreifen und etwas genauer anschauen. Wir starten mit Bereschit.
Paraschat Bereschit
Mose 1,1-6,8
Jesaja 42,5-43,10; Johannes 1,1-17
Bereschit und das Geheimnis des Anfangs
Jede gute Geschichte benötigt einen Anfang. In ihm werden die Grundlagen für den Ausgang gelegt, alle wichtigen Charaktere vorgestellt und der Konflikt, der die Handlung ins Rollen bringt, initiiert.
Da Gott der beste Geschichtenerzähler ist, finden wir die entsprechenden Elemente in Bereschit, dem Anfang der biblischen Geschichte, wieder. Zunächst erfahren wir vom Urheber allen (menschlichen) Lebens.
Der Allmächtige stellt sich als Schöpfer von Himmel und Erde und allen Kreaturen darin vor. Er ist der Herrscher über die gesamte Schöpfung, dem alle Anbetung und Ehre gebührt.
Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.
(1. Mose 1,1; SLT)
Mit diesem kurzen Vers ist schon alles gesagt: Gott ist der Schöpfer, der Ursprung von allem, was existiert.
Der Anfang von Ehe und Gemeinschaft
Im Buch Bereschit entdecken wir, wie Gott die erste Gemeinschaft und damit auch die erste Familie erschafft. Adam und Eva sind nicht nur die ersten Menschen, sondern auch das ideale Beispiel dafür, wie Ehe und Gemeinschaft aus Gottes Sicht funktionieren sollen.
Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein.
(1. Mose 2,24; SLT)
Hier legt Gott das Grundgerüst für die biblische Ehe fest. Es geht nicht nur um eine physische Einheit, sondern auch um eine geistige und emotionale Verbindung. Diese Einheit ist von Gott gewollt und gesegnet. Es zeigt uns auch, wie wichtig die Ehe als Institution für die Gesellschaft ist. Sie bildet die Basis jeder Gemeinschaft, da in ihr die essenziellen Bestandteile für größere Gemeinschaften enthalten sind.
Deshalb waren Adam und Eva nicht nur ein Ehepaar, sondern auch die erste „Gemeinde“. Gott ging mit ihnen im Garten Eden spazieren, sprach zu ihnen und hatte Gemeinschaft mit ihnen (1. Mose 3,8).
Anhand dessen können wir sehen, dass Gemeinden heute keine kalten Institutionen sein sollen. Gott stellt sich unter einer Gemeinde eine familien- und eheähnliche Struktur vor, die auf Vertrauen, Wahrheit und Einheit beruht.
Die Sünde und ihre Folgen
Doch auch der Konflikt lässt nicht lange auf sich warten. In Kapitel 3 sehen wir, wie die Sünde ihren Weg in die Welt findet. Adam und Eva werden von der Schlange verführt und essen vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, obwohl Gott ihnen klar gesagt hatte, dies nicht zu tun (1. Mose 2,16-17).
Durch diesen Ungehorsam kam die Sünde in die Welt, und die Konsequenzen waren gravierend:
Und zu Adam sprach er: Weil du der Stimme deiner Frau gehorcht und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir gebot und sprach: »Du sollst nicht davon essen!«, so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen! Mit Mühe sollst du dich davon nähren dein Leben lang; Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Gewächs des Feldes essen.
(1. Mose 3,17-18; SLT)
Nicht nur die Beziehung zwischen Mensch und Gott wurde gestört, sondern auch die gesamte Schöpfung wurde in Mitleidenschaft gezogen. Zudem litt die Einheit zwischen Adam und Eva und ihre Beziehung verwandelte sich in eine gefallene Ehe.
Daran erkennen wir, wie schwerwiegend Sünde ist und welche Folgen sie für unser Leben haben kann. Doch in der gleichen Geschichte sehen wir auch Gottes Gnade. Er verbannt Adam und Eva zwar aus dem Garten, aber er sorgt trotzdem für sie.
Er macht ihnen Kleider aus Fell (1. Mose 3,21), ein Zeichen dafür, dass Gott auch in unserer Sünde für uns sorgt. Da für die Felle ein Tier sterben musste, ist dieser Akt gleichzeitig ein Hinweis auf den Ausweg durch den Tod des gerechten Gottessohnes Jeschua.
Die Überwindung der Sünde
Wie können wir aber die Sünde überwinden? Schon in Bereschit gibt uns Gott einen Hinweis darauf, dass es einen Weg der Erlösung geben wird. In 1. Mose 3,15 spricht Gott von dem „Samen der Frau“, der der Schlange den Kopf zertreten wird. Dies wird oft als die erste Andeutung auf den Messias, auf Jeschua, gesehen, der die Macht der Sünde und des Todes besiegen wird.
Für uns heute bedeutet das, dass wir nicht in unserer Sünde gefangen bleiben müssen. Durch Jeschua haben wir die Möglichkeit, Vergebung zu erfahren und ein neues Leben in der Gemeinschaft mit Gott zu beginnen.
Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.
(1. Johannes 1,9; SLT)
Der Anfang als Wegweiser
Bereschit zeigt uns also nicht nur den Beginn der Schöpfung, sondern auch den Beginn von Beziehungen – zwischen Mann und Frau, zwischen Gott und Mensch, und innerhalb der Gemeinschaft. Die Paraschah erklärt uns, warum die Welt ist, wie sie ist, und gibt uns einen Hinweis darauf, wie Gott sie wiederherstellen möchte.
Der Anfang ist nicht nur der Beginn der Geschichte, sondern auch ein Wegweiser für unser eigenes Leben. Indem wir uns auf das besinnen, was in Bereschit geschieht, können wir lernen, wie wir in Ehe, Gemeinschaft und Beziehung zu Gott wachsen können. Es liegt an uns, die Lektionen aus diesem Anfang in unser Leben zu integrieren.
So wie Gott Adam und Eva eine zweite Chance gegeben hat, ermöglicht er auch uns immer wieder, neu anzufangen – mit ihm, mit uns selbst und mit den Menschen um uns herum. Bereschit erinnert uns daran, dass jeder Anfang verborgenes Potenzial birgt.
Gott hat uns geschaffen, um in seiner Gegenwart zu leben, und er hat uns in seiner Weisheit alles gegeben, was wir benötigen, um dieses Leben zu führen.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
