Jom Teruah: Was wir an diesem seltsamen Tag feiern
Jom Teruah ist vielen auch als Rosch HaSchana bekannt. Es handelt sich dabei um eines der sieben großen Feste Gottes, wie sie uns im dritten Buch Mose, Kapitel 23, überliefert sind.
Dabei fällt auf, dass uns zu Jom Teruah, dem Fest des Posaunenschalls, kaum Details offenbart werden. Andere Feste werden in langen Textblöcken im selben Kapitel behandelt. Doch für das Posaunenfest finden wir kaum Informationen. Worum geht es an diesem Festtag eigentlich?
Was uns über Jom Teruah offenbart ist
Wenn wir nach den Festen Gottes suchen, werden wir im 23. Kapitel von Leviticus fündig. Dort heißt es:
Und der HERR redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israels und sage ihnen: Das sind die Feste des HERRN, zu denen ihr heilige Festversammlungen einberufen sollt; dies sind meine Feste: …
(3. Mose 23,1-2; SLT)
Insgesamt zählen wir in diesem Kapitel 7 Jahresfeste, wobei Rosch HaSchana eines davon ist. Der Text dazu lautet wie folgt:
Rede zu den Kindern Israels und sprich: Im siebten Monat, am ersten des Monats, soll ein Ruhetag für euch sein, ein Gedenken unter Hörnerschall, eine heilige Versammlung. Ihr sollt keine Werktagsarbeit verrichten, sondern dem HERRN ein Feueropfer darbringen.
(3. Mose 23,24-25; SLT)
Im Folgenden schauen wir uns an, was uns konkret zum Fest offenbart ist.
Jom Teruah ist ein Neumondtag
Da das Posaunenfest am ersten Tag des siebenten Monats stattfinden soll, folgt daraus, dass es sich um einen Neumondtag handelt. Es ist entscheidend zu verstehen, dass Gott sich bei der Bestimmung seiner Feste nicht an weltliche Kalendersysteme hält. Vielmehr liefern die Gestirne die Zeichen, nach denen Gott sich richtet.
Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Himmelsausdehnung sein, zur Unterscheidung von Tag und Nacht, die sollen als Zeichen dienen und zur Bestimmung der Zeiten und der Tage und Jahre,
(1. Mose 1,14; SLT – Hervorhebung durch den Verf.)
Das Wort für Zeiten aus dem obigen Vers ist aus dem hebräischen Wort Mo’edim übersetzt, welches identisch mit dem Wort für Feste in 3. Mose 23,2 ist. Die Himmelskörper, insbesondere die Sonne und der Mond, dienen der Bestimmung der Zeitpunkte, an denen die Feste Gottes stattfinden sollen.
Wenn der Beginn eines neuen Monats ein heiliges Fest sein soll, dann können wir davon ausgehen, dass dieser Monat kein gewöhnlicher ist. Und tatsächlich finden sich noch einige weitere Festtage wie Jom Kippur oder Sukkot im siebenten Monat, die mit der Wiederkunft Jeschuas in Verbindung stehen. Dieser siebente Monat ist eine von Gott erfüllte Zeit.
Man könnte meinen, dass Jom Teruah so etwas wie die Einleitung eines heiligen Zeitfensters darstellt, was durch das Schofar deutlich hörbar verkündet wird.
Ein Ruhetag zum Gedenken
Dass wir an Jom Teruah ruhen sollen, versteht sich von selbst. Es ist ein göttlicher Feiertag, auf den wir uns am besten einlassen können, wenn unser Alltag uns nicht in die Quere kommt.
Doch woran sollen wir gedenken? Dies lässt der Bibeltext offen. Doch vielleicht hilft uns ein weiteres Detail weiter, um diese Frage zu beantworten.
Das Schofar
Da das Gedenken unter Hörnerschall geschehen soll, haben wir einen Hinweis, welcher Ereignisse wir gedenken könnten.
In der jüdischen Überlieferung wird hier die Akeda, die geplante Opferung Isaaks durch Abraham, genannt. Der Zusammenhang ergibt sich aus dem Widder, der sich mit seinen Hörnern in einem Strauch verfing und letztlich das wahre Opfer stellte und Isaak auslöste. Nach der Schlachtung des Widders blieben die Hörner übrig, die zu Schofars verarbeitet werden konnten.
Auch wenn ich diese Symbolik, die ja auf den Messias als das wohlgefällige Opfer für Gott hinweist, sehr stimmig finde, sehe ich noch mindestens ein weiteres Ereignis in der Bibel, das mit Hörnerschall in Verbindung steht.
Und es geschah, als der dritte Tag kam und es noch früh am Morgen war, da erhob sich ein Donnern und Blitzen, und eine dichte Wolke lag auf dem Berg, und [es ertönte] ein sehr lauter Schall von Schopharhörnern. Da erschrak das ganze Volk, das im Lager war. Und Mose führte das Volk aus dem Lager, Gott entgegen, und sie stellten sich unten am Berg auf. Aber der ganze Berg Sinai rauchte, weil der HERR im Feuer auf ihn herabstieg. Und sein Rauch stieg auf wie der Rauch eines Schmelzofens, und der ganze Berg erbebte heftig.
(2. Mose 19,16-18; SLT)
Als Gott auf den Berg Sinai herabstieg, um die Steintafeln mit den Zehn Geboten zu übergeben, spielte der Schofarschall ebenfalls eine große Rolle.
Die Bedeutung von Jom Teruah in unserer Familie
Wenn wir das Posaunenfest feiern, tun wir dies in Gedenken an die Gabe der Torah am Berg Sinai. Jetzt könnte man einwenden, dass diese Gabe an Schavuot stattgefunden hat und deshalb jenes Frühjahrsfest dafür geeignet wäre.
Dem stimme ich zu. Jedoch schadet es auch nicht, an beiden Terminen der Gabe der Torah zu gedenken. Denn es gibt noch eine Besonderheit, die mit dem Schofar in Verbindung steht. Das ist die Wiederkunft Jeschuas.
… denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.
(1. Thessalonicher 4,16; SLT)
Ich gehe davon aus, dass das Schofar von Jom Teruah eines Tages in der Zukunft die Wiederkunft des Messias ankündigen wird. Der himmlische Vater ruft uns zu seinen Gesetzen zurück, damit wir bereit sind, wenn der Bräutigam kommt, um seine Braut zu holen.
Vor diesem Hintergrund würde ich auch das Gleichnis der zehn Jungfrauen einordnen (Matthäus 25,1-13). Dort gibt es 5 weise und 5 törichte Jungfrauen. Beide haben ihr Öl bereitet, doch nur die 5 Weisen sind bereit, wenn der Bräutigam kommt.
In diesem Gleichnis gibt es ein Signal, welches das Kommen des Bräutigams ankündigt.
Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht aus, ihm entgegen!
(Matthäus 25,6; SLT)
Könnte es sein, dass dieses Signal mit Jom Teruah gleichzusetzen ist und die klugen Jungfrauen diejenigen sind, die sich auf die Gebote Gottes ausrichten?
Fazit
Jom Teruah ist ein besonderes Fest, das uns an die Gabe der Torah erinnert und uns so auf die Wiederkunft des Messias vorbereitet. Obwohl wir in der Bibel nur wenige Informationen dazu finden, erkennen wir durch die Hinweise auf den Schofarschall und die Verbindung zum Neumondtag, dass es sich um ein besonderes Fest handelt, welches uns in eine heilige Zeit hineinführt.
Das Posaunenfest fordert uns auf, bereit zu sein und uns an Gottes Gebote zu erinnern – als Zeichen für die Wiederkunft des Bräutigams, der eines Tages zu uns kommen wird.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
