Die Macht des Gebets – Teil 1
Das Gebet ist ein zentraler Aspekt unseres Glaubenslebens. Wir sind angehalten, unablässig im Gebet zu verbleiben. Doch wissen wir wirklich, was es bedeutet zu beten? Kennen wir die Macht des Gebets?
Lass uns einen Blick in die Heilige Schrift werfen und schauen, was wir dort zur Thematik finden. Wir werden sehen, dass unsere Gebete weit mehr sind, als Gesprächsrunden mit Gott.
Was ist Gebet?
In der hebräischen Bibel gibt es mehrere Worte, die in den Übersetzungen mit beten oder Gebet wiedergegeben werden. Im Folgenden analysieren wir 3 dieser Worte, um herauszufinden, was die alten Hebräer mit dem Gebet in Verbindung gebracht haben.
Das Wort פָלַל (Palal)
Das hebräische Wort תְּפִלָּה (Tephila) wird mit Gebet oder Psalm übersetzt. Es stammt vom Verb פָלַל (Palal) ab und steht in direkter Verbindung zu diesem.
Palal wird oft mit Beten übersetzt. Es hat aber noch eine andere Bedeutung, die uns in der Geschichte von Pinchas deutlich wird.
Als sich Simri und Kosbi vor der Gemeinde miteinander vergnügten, durchbohrte Pinchas beide mit seinem Speer. Ich glaube, dass dieser Vorfall in der Stiftshütte stattfand und deshalb so bemerkenswert war (4. Mose 25,7-11).
Indem Pinchas die beiden Sünder tötete, übte er Gericht. Dieses Gericht fand meiner Auffassung nach im Zelt der Begegnung statt.
Dieses Bild ist essenziell für unsere Betrachtung zum Gebet. Denn im Gebet betreten wir den Thronsaal Gottes. Dieser Thronsaal ist gleichzeitig ein Gerichtssaal.
… dann wird ein Thron in Gnade errichtet werden; und auf ihm wird sitzen in Wahrheit, im Zelt Davids, ein Richter, der nach dem Recht trachtet und die Gerechtigkeit fördert. (Jesaja 16,5; SLT)
Wenn wir also beten, dann stehen wir vor dem König und Richter von Himmel und Erde. Wir haben eine Audienz vor dem Allmächtigen und bewegen uns in seinem Rechtsrahmen.
Alle Dinge, die wir vor Gott bringen, entscheidet er nach seiner Rechtsauffassung. Das heißt aber auch, dass wir Situationen in unserem Leben vor einen gerechten Richter tragen können und dieser nach seinem Recht ein Urteil für uns fällen wird.
Die Macht des Gebets besteht gerade darin, dass wir unser Leben vor Gott ins Recht bringen.
Das Wort שָׁאַל (Scha’al)
Mit שָׁאַל (Scha’al) untersuchen wir ein weiteres Wort, welches mit beten oder auch bitten übersetzt wird.
Im eigentlichen Wortsinne bedeutet es fragen oder etwas verlangen. Dies wird bereits bei der ersten Verwendung von שָׁאַל in der Bibel deutlich.
Und ich fragte sie und sprach: »Wessen Tochter bist du?« Sie antwortete: »Ich bin die Tochter Bethuels, des Sohnes Nahors, den ihm Milka geboren hat.« Da legte ich einen Ring an ihre Nase und Armbänder an ihre Hände, (1. Mose 24,47; SLT)
Im obigen Vers sehen wir den Knecht Abrahams, wie er Rebekka nach seiner Herkunft befragte. Er forderte eine Information von ihr ein, um sicherzugehen, dass er den Auftrag seines Herrn erfüllen kann.
Eine andere Verwendung von שָׁאַל zeigt uns den Zusammenhang zum Gebet noch deutlicher.
Ich habe um diesen Knaben gebeten, und nun hat mir der HERR meine Bitte gewährt, die ich an ihn gerichtet hatte. (1. Samuel 1,27; SLT)
Hanna, die Mutter von Samuel, hatte Gott um ihren Sohn gebeten. Er erhörte ihre Bitte und gewährte ihr ihren Wunsch.
Wir lernen daraus, dass wir im Gebet unsere Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte vor den Allmächtigen tragen dürfen. Er wird sie hören und sich darum kümmern. Die Macht des Gebets zeigt sich in diesem Aspekt ganz besonders, denn Jeschua gab uns die Zusage:
Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was auch immer ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er wird es euch geben! (Johannes 16,23; SLT)
Das Wort עָתַר (Atar)
Das letzte Wort, welches wir uns bei unserer Betrachtung zur Macht des Gebets ansehen, ist der hebräische Ausdruck עָתַר (Atar).
Hierbei handelt es sich um eine Art des Gebets, die dem Ringen zwischen Jakob und Gott am Jabbok ähnlich ist (1. Mose 32,25-33). Anhand der folgenden Bibelstellen sehen wir, dass עָתַר einen besonderen Einsatz vom Beter erfordert.
Isaak aber bat den HERRN für seine Frau, denn sie war unfruchtbar; und der HERR ließ sich von ihm erbitten, und seine Frau Rebekka wurde schwanger. (1. Mose 25,21; SLT)
Isaak und Rebekka waren 20 Jahre verheiratet und hatten immer noch kein Kind. Rebekka galt als unfruchtbar. In der damaligen Zeit war es ein schwerwiegendes Problem, keine Nachkommen zu haben.
Ohne einen Sohn würde die Familie aussterben. Zudem hatte Isaak die göttliche Verheißung erhalten, dass er und sein Same das Land Kanaan erben würden (1. Mose 26,4).
Wir können uns vorstellen, dass der Stammvater nach 20 Jahren des Wartens eindringlich vor Gott stand und für einen Nachkommen betete. Er rang um die Erfüllung der Verheißung.
So gingen Mose und Aaron vom Pharao weg; und Mose schrie zum HERRN wegen der Frösche, die er dem Pharao auferlegt hatte. (2. Mose 8,8; SLT)
Als Mose und Aaron sich von Gott gebrauchen ließen, um Ägypten mit den Plagen zu überziehen, setzten sie ihr Leben aufs Spiel. Sie mussten sich der Macht des Gebets bewusst gewesen sein, denn sollte auch nur eine Plage nicht eintreffen, wären sie einen Kopf kürzer.
So verwundert es nicht, dass Mose zu Gott schrie. Auch er rang darum, dass Gott erfüllen würde, was er zugesagt hatte.
Gott ist zwar seinem Wort treu und er wird uns nicht enttäuschen. Doch wir benötigen den Glauben dazu. Das hebräische Wort עָתַר zeigt uns einen weiteren Aspekt der Macht des Gebets, indem wir durch intensives und inbrünstiges Gebet den Glauben erlangen, um Gottes Zusagen zu empfangen.
Fazit: Wie können wir die Macht des Gebets nutzen?
Wir haben gesehen, dass es verschiedene Aspekte des Gebets gibt. Wenn wir beten, dann betreten wir den Thronsaal Gottes, bringen unser Anliegen und Wünsche vor ihn und ringen um den Glauben und das Vertrauen in sein Wort.
Damit ist auch klar, dass die Macht des Gebets nicht nur darin zu finden ist, was wir sagen. Auch was wir hören, kann sehr machtvoll sein.
Im nächsten Teil der Reihe (Die Macht des Gebets – Teil 2)schauen wir uns konkrete Beispiele in der Schrift an, in denen Menschen das Gebet genutzt haben, um ihr Leben oder bestimmte Situationen darin zu verändern.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
