Der Glaube ohne Werke ist tot: Was bedeutet es?
Innerhalb des Christentums gibt es eine ausgeprägte Kontroverse darüber, was Jakobus Worte, „der Glaube ohne Werke ist tot“, zu bedeuten haben. Viele gehen davon aus, dass wir allein durch den Glauben an Jeschua gerettet sind.
Grundsätzlich ist diese Annahme auch richtig. Allerdings sollten wir uns dazu einmal anschauen, was mit dem Glauben gemeint ist. Dabei sehen wir deutliche Parallelen zur Kindererziehung.
Jakobus Worte: Der Glaube ohne Werke ist tot
Schauen wir uns zunächst die Worte an, die der Apostel Jakobus in seinem Brief an die Gemeinde schrieb.
Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann ihn denn dieser Glaube retten?
(Jakobus 2,14; SLT)
Zunächst stellte Jakobus die Frage, ob ein Glaube ohne Werke überhaupt retten kann. Um besser zu verstehen, was er meinte, schauen wir uns einmal die hier verwendeten griechischen Worte für Glauben und Werke an.
- πίστις (pistis): Dieses Wort steht für Glaube und bedeutet im Kern so viel, wie Vertrauen in etwas zu haben oder von etwas überzeugt zu sein.
- ἔργον (ergon): Das Wort für Werke kann auch einfach mit in Aktion treten oder etwas tun, übersetzt werden. Hierbei geht es nicht um spezifische Werke, sondern darum, aktiv zu werden und zu handeln. Dabei kann die Aktivität jedoch auch der Erfüllung eines Auftrags oder eines Gebots entsprechen.
Im Grunde bedeutet Jakobus Frage nichts weiter, als dass er davon ausgeht, dass unserem Vertrauen in Gott auch Taten folgen müssen. Denn der Glaube ohne Werke ist tot.
So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot.
(Jakobus 2,17; SLT)
Der Apostel gibt dazu weitere Beispiele, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Es geht nämlich nicht darum, wahllos irgendetwas zu tun, sondern den Worten Gottes zu gehorchen.
Wurde nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerechtfertigt, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar darbrachte?
(Jakobus 2,21; SLT)
Als Abraham seinen Sohn auf den Berg Morija brachte, folgte er einem konkreten Auftrag des Allmächtigen (1. Mose 22). Hätte er seinen Sohn aus eigenem Antrieb heraus opfern wollen, wäre es ihm zur Sünde geworden.
Welche Werke erwartet Gott von uns?
Wenn der Glaube ohne Werke tot ist, so stellt sich die Frage, welche Werke der Allmächtige von uns erwartet. Hierfür gibt es eine ganz einfache Antwort:
Und nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, von dir, als nur, dass du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, dienst mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, indem du die Gebote des HERRN und seine Satzungen hältst, die ich dir heute gebiete, zum Besten für dich selbst?
(5. Mose 10,12-13; SLT)
Die Grundlage für eine vertrauensvolle Beziehung, für den Glauben, ist der Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes. Das sind die Spielregeln, die er für uns festgelegt hat. Nicht, um uns zu quälen, sondern zu unserem Besten.
Ist es nicht genauso in der Kindererziehung? Handeln wir als Eltern nicht nach denselben Motiven wie unser himmlischer Vater?
Die Parallele in der Kindererziehung: Glaube ohne Werle ist tot!
Eines der Ziele unserer Erziehung ist es, unseren Kindern zu zeigen, wie sie aufrichtig und ehrlich durchs Leben kommen. Dabei ist uns nicht nur wichtig, dass sie wissen, wie es gehen würde, sondern dass sie danach handeln.
Ein Beispiel:
Alle unsere Kinder haben verschiedene Aufgaben im Haushalt. Die Anforderungen dieser Aufgaben richten sich natürlich nach dem Alter. Die Kleinen sollen nicht überfordert und die Großen in größere Kompetenzen geführt werden.
Unsere Kinder sollen lernen, Verantwortung für eine Gemeinschaft zu übernehmen, gelegentlich die eigenen Interessen zugunsten der anderen Familienmitglieder zurückzustellen und ihre Aufträge sorgfältig und vollständig zu erledigen.
Dabei ist es nicht so wichtig, dass sie uns aufzählen können, was alles gemacht werden muss. Wir wollen sehen, dass sie Ihre Aufgaben auch erledigen.
Gott, als unser himmlischer Vater, verfolgt dasselbe Ziel. Denn auch er erzieht uns. Es geht ihm nicht nur darum, dass wir wissen, was richtig wäre. Wir stehen in der Verantwortung, das Richtige zu tun.
Fazit
Glaube ist nicht nur eine innere Überzeugung, dass Gott existiert. Lebendigem Glauben folgen reale Taten.
Jakobus’ Aussage, „der Glaube ohne Werke ist tot“, verdeutlicht die enge Verbindung zwischen dem Vertrauen in Gott und unserem Handeln. Gott fordert von uns, dass wir unseren Glauben aktiv durch Gehorsam gegenüber seinen Geboten leben, ähnlich wie wir es in der Erziehung unserer Kinder erwarten.
Wissen allein genügt nicht. Es muss durch konkrete Taten zum Leben erweckt werden.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
