Die Ehefrau der Bibel: Mehr als nur eine Gehilfin
Wenn wir über die Ehefrau in der Bibel sprechen, betreten wir ein Themenfeld, welches viele Missverständnisse umgibt. Die Rolle der Frau war seit jeher ein Streitfall in den christlichen Gemeinden. Die einen wollen die Frauen unterdrücken, die anderen glorifizieren sie. Dazwischen befinden sich zahlreiche Facetten.
Dabei ist die Rolle der Frau, insbesondere der Ehefrau in der Bibel sehr klar umrissen. In diesem Beitrag gebe ich dir einen kurzen Überblick, über die Rolle, die Privilegien sowie die Rechte und Pflichten, die Gott den Frauen zugedacht hat.
Die erste Ehefrau der Bibel
Um die Ehefrau in der Bibel besser zu verstehen, lohnt ein Blick in den Anfang. Der Allmächtige stellt in seinem Wort unmissverständlich klar, dass er die wichtigen Prinzipien und Muster bereits im Anfang verkündet hat. Folglich weist er uns immer wieder darauf hin, auf diesen Anfang zu blicken.
Naht euch zu mir und hört dieses! Ich habe von Anfang an nicht im Verborgenen geredet. Seitdem es geschehen ist, bin ich da; und nun hat mich GOTT, der Herr, und sein Geist gesandt.
(Jesaja 48,16; SLT)
Wenn wir uns auf die Suche nach der ersten Nennung einer Frau machen, dann begegnen wir diesem Vers:
Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.
(1. Mose 1,27; SLT)
Wir haben in unserem Beitrag zu den Grundlagen der biblischen Ehe bereits festgestellt, dass sowohl der Mann als auch die Frau im Bild Gottes erschaffen wurden. Beide Geschlechter besitzen einen göttlichen Anteil. Das bedeutet, dass nur in der Zusammenfügung dieser beiden Anteile das ganze Bild Gottes auf Erden offenbar werden kann.
Doch sehen wir uns den obigen Vers auf einer tieferen Ebene an. Was in der Schlachter 2000 mit Frau übersetzt worden ist, heißt im Hebräischen נְקֵבָה (niq’bah). Eine bessere Übersetzung dafür wäre weiblich.
Das hebräische Wort für weiblich
Da die meisten hebräischen Worte einer dreibuchstabigen Wurzel entspringen, begeben wir uns auf die Suche nach dieser.
Das Wurzelwort נָקַב (naqav) bedeutet so viel, wie stechen oder bohren. Es kann aber auch mit bestimmen oder verfluchen übersetzt werden. Im Folgenden sehen wir verschiedene Beispiele für die Verwendung von נָקַב (naqav), wobei das jeweils gefettete Wort dem hebräischen Pendant entspricht.
Und er sprach: Bestimme mir deinen Lohn, so will ich ihn dir geben!
(1. Mose 30,28; SLT – Hervorhebung durch den Verf.)
Wie sollte ich den verfluchen, den Gott nicht verflucht? Wie sollte ich den verwünschen, den der HERR nicht verwünscht?
(4. Mose 23,8; SLT – Hervorhebung durch den Verf.)
Da nahm Jojada, der Priester, eine Lade und bohrte ein Loch in ihren Deckel, und er stellte sie zur rechten Hand neben den Altar, wenn man in das Haus des HERRN geht. Und die Priester, welche die Schwelle hüteten, legten alles Geld hinein, das zum Haus des HERRN gebracht wurde.
(2. Könige 12,10; SLT – Hervorhebung durch den Verf.)
An diesen Verwendungen sehen wir, dass die Frau an der Seite des Mannes die Aufgabe hat, ihn auf bestimmte Dinge hinzuweisen. Es ist explizit ihre Aufgabe auch einmal nachbohren und die Pläne des Mannes auf den Prüfstand zu stellen.
Dabei geht es nicht darum, ihn vorzuführen, was zu einem Fluch in der Ehe führen würde. Vielmehr sind wir Männer nicht vollkommen und benötigen Hilfe auf unseren Wegen. Eine Ehefrau ist genau diese Hilfe, die uns Gott zur Seite gestellt hat.
Die Ehefrau in der Bibel als Gehilfin?
Einer der am meisten missverstandenen Verse der Bibel ist wohl der Folgende:
Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht!
(1. Mose 2,18; SLT)
Was bedeutet es nun, wenn Gott dem Mann eine Gehilfin macht? Handelt es sich dabei um eine Haushaltshilfe, wie manche Männer es gern interpretieren würden? Oder steckt hinter dem Wort weit mehr, als es die Übersetzungen erahnen lassen?
Tatsächlich ist die deutsche Übersetzung etwas irreführend. Ursache dafür ist, dass wir im Deutschen die hebräischen Zusammenhänge nicht korrekt können.
Das hebräische Wort für Gehilfin lautet עֵזֶר (ezer). Das zugrundeliegende Wurzelwort kann wahrlich mit helfen übersetzt werden. Allerdings handelt es sich dabei um eine besondere Hilfe.
Wenn wir eine Suche nach dem Wort azar unternehmen, dann finden wir es oft im Zusammenhang mit Gott. Dabei spielt Gott die Rolle des Helfers für sein Volk Israel. Und wie hilft er? Indem er seine Braut vor ihren Feinden schützt.
Der HERR wird ihnen beistehen und sie erretten, er wird sie erretten von den Gottlosen und ihnen helfen; denn sie bergen sich bei ihm.
(Psalm 37,40; SLT – Hervorhebung durch den Verf.)
Siehe, Gott ist mein Helfer; der Herr ist es, der mein Leben erhält.
(Psalm 54,6; SLT – Hervorhebung durch den Verf.)
Auch an anderen Stellen beschreibt das Wort azar eine Hilfe im Krieg oder in der Schlacht.
Und es wurde ihnen geholfen gegen sie, und die Hagariter und alle, die mit ihnen waren, wurden in ihre Hand gegeben; denn sie riefen im Kampf zu Gott, und er ließ sich von ihnen erbitten, weil sie auf ihn vertrauten.
(1. Chronik 5,20; SLT – Hervorhebung durch den Verf.)
Vor diesem Hintergrund müssen wir festhalten, dass der Ehefrau in der Bibel die Rolle einer Kriegerin zukommt, die ihren Mann vor Schaden durch die Anschläge des Feindes bewahren soll. Sie ist nicht nur eine Haushaltshilfe. Sie ist die Gefährtin des Mannes im Kampf um das Reich Gottes.
Fazit
Die Ehefrau in der Bibel weit mehr ist als nur eine Gehilfin im herkömmlichen Sinne. Sie ist eine kraftvolle und unverzichtbare Partnerin, die an der Seite ihres Mannes steht, um gemeinsam mit ihm die Herausforderungen des Lebens zu meistern.
Ihre Rolle ist von Gott selbst als eine Position der Stärke und des Mutes bestimmt, die sowohl das göttliche Bild auf Erden vervollständigt als auch den Mann im geistlichen Kampf unterstützt.
Indem sie ihren einzigartigen Beitrag leistet, wird die Ehefrau zu einem mächtigen Instrument Gottes, das sowohl Schutz als auch Segen bringt.
Lasst uns daher die Bedeutung und Würde dieser Rolle neu erkennen und ehren, denn in der Einheit und Partnerschaft liegt die Kraft, Gottes Reich auf Erden zu manifestieren.
Als glücklicher Ehemann und Familienvater widmet sich Marco seit 2011 den hebräischen Wurzeln des biblischen Glaubens. Mit seiner Arbeit möchte er Familien einen Mehrwert bieten und sie auf ihrem Weg des Glaubens ermutigen. Mit seinen Texten und Inhalten möchte er dich anregen, die tiefgreifende Verbindung zwischen christlichen und jüdischen Traditionen zu entdecken und den Glauben auf einer neuen Ebene zu erleben.
