Wie erarbeite ich mir eine funktionierende Grundstruktur?
Im Folgenden entwickeln wir eine Grundstruktur für unseren Alltag; du kannst sie für dich individuell anpassen. Durch die Beispiele bekommst du Inspiration und kannst gleich loslegen.
Hast du schon eine bestehende Struktur? Dann optimiere sie für dich.
Hast du einen Säugling, nach dessen Zeiten du dich richten musst? Dann halte deinen Plan flexibel.
Auch wenn du nicht alles fest planen kannst, erleichtert eine gute Grundstruktur den Alltag enorm.
Warum ist eine Struktur so wichtig?
Wir sind für immer wiederkehrende Abläufe geschaffen. Gott hat alles in Kreisläufen geschaffen; die Jahre mit den Jahreszeiten und Festen, die Wochen mit den Schabbaten, den Tag- und Nachtzyklus. Selbst wir funktionieren in einem Rhythmus, also hat Gott auch für unseren Körper eine Struktur festgelegt.
Wenn wir für uns also eine (flexible) Struktur aufbauen, profitieren alle davon. Es tut uns und unseren Kindern gut, wenn wir uns auf etwas verlassen können. Außerdem entlastet eine Grundstruktur unser Gehirn, da wir wiederkehrende Abläufe automatisiert haben.
Aktivitäten wie Sport oder Bibellesen haben ihren festen Platz und gehen nicht in all den anderen Vorhaben unter.
Mit kleinen Kindern ist es schwierig, eine stetige Struktur zu halten, aber eine Grundstruktur gibt uns und den Kindern einen Rahmen, sodass sie sich auf die Dinge besser einstellen können. Alle wissen somit, was als nächster Programmpunkt kommt, damit gelingen Abläufe besser und das spart wiederum kostbare Zeit und Nerven.
Wir kommen nach einem „Zwischenfall“ schneller wieder in unsere Routinen und nach einem Chaostag – an dem einfach alles drunter und drüber ging – können wir am nächsten Morgen einfach wieder wie gewohnt durchstarten.
Auf der Suche nach der optimalen alltagstauglichen Grundstruktur
Lass uns eine sinnvolle und gewinnbringende Struktur in den Alltag bringen. In der wir das unterbringen, was nötig und uns wichtig ist.

Am Ende des Artikels wartet ein Wochenplan auf dich, den du mit deiner Grundstruktur bestücken kannst.
Doch nun lass sie uns erst einmal entwickeln.
Los geht es, welche Fixpunkte gibt es in deinem Alltag?
Gibt es schon bestehende Punkte wie eine feste Aufstehenszeit, Essenszeiten oder einen festen Termin?
Wenn ja, schreibe es auf. z.B. so:
| Uhrzeit | Aktivität |
| 6:00 Uhr | Aufstehen |
| 7:20 Uhr | Hinbringen |
| 11:10 Uhr | Abholen |
| 12:15 Uhr | Mittagessen |
| 17:30 Uhr | Abendessen |
Dementsprechend hast du schon ein Grundraster.
Zeitblöcke
Ich bin ein Fan von „Blöcken“, also Zeitabschnitte, die gefüllt werden können, in denen ich meine Aufgaben erledige, sodass nicht jede Aktivität zu einer genauen Uhrzeit stattfinden muss. Die festen Zeiten geben mir das Grundgerüst. Die verbleibenden Zeiten sind für mich Zeitblöcke, die ich flexibel füllen kann. Im Beispiel oben sind es: einen am Morgen, ein bis zwei am Vormittag, einen am Nachmittag und am Abend.
Jetzt sind nur noch die Lücken zu füllen.
Mache dir eine Liste von den Aufgaben für den Tag, die du unbedingt in deinem Plan brauchst.
Tipp:
Wenn du alle Aktivitäten auf Post-it Klebezettel schreibst, kannst du sie immer wieder verschieben, bis das Konzept für dich passt.
Durch unterschiedliche Farben kannst du auch die allgemeinen Termine (wie z.B. Essenszeiten) oder individuelle Termine (für deine Kinder oder eigene Aktivitäten) sichtbar hervorheben bzw. abtrennen.
Beispiel:
| Haushalt: | Mit den Kindern: | Für mich: | Extras: |
| Essensvorbereitung | Gemeinsame Andachtszeit | Persönliche Bibellese – und Gebetszeit | Freundin anrufen |
| Essensnachbereitung | Vorlesen | Kaffeepause | Einkaufen |
| Wäsche | Einzelzeit für ein Kind | E-Mails checken | Experimente mit Kids |
| Saugen/Wischen | Musikunterricht | Durchatmen/ Ruhe | „Projekt“ |
| Ausmisten | Gemeinsame „Dienste“ | Sport | Zeit mit meinem Mann |
| Putzen | Schule (zu Hause) | Hinbringen/Abholen | |
| Zeit fürs Aufräumen |
Ordne sie nach Dringlichkeit. Kannst du evtl. noch etwas streichen?
Haben sich Termine eingeschlichen, die nicht täglich zu tun sind?
Dafür brauchen wir ein wechselbares Zeitfenster, sodass die wöchentlichen Termine täglich rotieren können. Brauchst du auch ein Zeitfenster für die monatlich rotierenden Termine, dann plane dafür ein Zeitfenster ein.
Nun integrieren wir die Termine der Liste in die Lücken unseres Zeitplans:
MORGEN:
| Uhrzeit | Aktivität-Grundpfeiler | Flexibel wechselbar |
| 5:30 Uhr | Aufstehen | |
| Persönliche Bibellese – und Gebetszeit | ||
| E-Mails etc. | ||
| Vesper vorbereiten, Küche | ||
| 6.50 Uhr | Frühstück und gemeinsame Andacht | |
| 7:20 Uhr | Hinbringen | |
| Einkaufen | ||
| Snack/ Morgenkreis | ||
| Schule | ||
| Ausmisten, Putzen, Wäsche, Gärtnern | ||
| Essensvorbereitung | ||
| 11.10 Uhr | Abholen |
MITTAG und ABEND:
| Uhrzeit | Aktivität-Grundpfeiler | Flexibel wechselbar |
| 12:15 Uhr | Mittagessen + Abräumen | |
| Kinder Mittagsschlaf/ Ruhezeit | Durchatmen/ Ruhe/ Kaffee | |
| Musikunterricht/ Schule | ||
| Gemeinsam Dienste machen/ Aufräumen, Saugen, Müll, Wäsche | ||
| Vorlesen/ | ||
| Experiment mit Kids/ Rausgehen/ Gärtnern/ Freunde treffen/telefonieren/ | ||
| Essen vorbereiten | ||
| 18:00 Uhr | Abendessen + Abräumen | |
| Vorlesen, gemeinsam Beten | Aufräumen, Evtl. Bibelkreis | |
| Kinder ins Bett | ||
| Planung für morgen – Essen, Tagesablauf, To-Dos | ||
| Zeit mit meinem Mann | ||
| 22.00 Uhr | Schlafen gehen |
Es passt nicht alles rein! – Mach dir keinen Stress!
Viele Dinge schreiben wir gar nicht in unseren Wochenplan, da sie automatisch in unseren Routinen ablaufen. Z.B. das Zähneputzen, das Bettenbeziehen, das Tischabwischen, Lüften etc. Vielleicht hilft es dir, wenn du deine Routinen auch zu Papier bringst. So siehst du mal, was du alles leistest, manchmal ohne es zu merken. (Und da sind das Streitschlichten und all die anderen kleinen Zwischenfälle etc. noch gar nicht enthalten 😉 )
Vielleicht gibt es bei dir auch Termine oder Aufgaben, die du gar nicht integriert bekommst, die auf einen anderen Zeitpunkt warten müssen.
Wir haben (nur) die 24 Stunden – in denen alles geschehen muss, was da nicht hineinpasst, gehört auch nicht hinein. Und du bist nicht alleine damit. Lass dich nicht von deinen To-dos herumkommandieren!
Alles hat seine Zeit!
Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit.
Prediger 3,1 SLT
Was dringend ist, das werden wir schaffen. Die Dinge, die für uns wichtig sind, für die nehmen wir uns die Zeit. Alles andere ist zu einem anderen Zeitpunkt dran. Also, was kannst du streichen?
Lege Schwerpunkte!
Je nachdem worauf du deinen Fokus legst, bleibt etwas Anderes liegen oder wird nicht ganz perfekt erledigt. Wenn es mir wichtiger ist, den Kindern vorzulesen oder mit ihnen zu spielen, werde ich meine Zeit in diese Aktivitäten investieren.
Wenn mir Ordnung und Sauberkeit wichtig sind, werde ich viel Zeit dafür aufbringen.
Wenn es mir wichtiger ist, dass die Wohnung sauber ist, aber ich dann keine Zeit mehr habe zum aufwendigen Kochen, gibt es eben etwas Einfaches.
Ich wünsche mir, dass ich alles perfekt hinbekomme. Das geht auch, wenn es geht. Oftmals kann ich das aber nicht realisieren, und du vermutlich auch nicht. Daher, was ist dir am wichtigsten? Worauf willst du gerade deinen Fokus setzen?
- Ist dir ein aufwendiges Essen wichtig?
- Ist dir ein ordentliches und sauberes Heim wichtig?
- Ist dir wichtig, dass du viel Zeit mit deinen Kindern verbringst?
- Möchtest du viel draußen sein?
Du hast das Prinzip verstanden ….
All deine „Das ist mir wichtig-Punkte“ kannst du jederzeit wieder anpassen oder verändern.
→ Nutze die: „ich probiere es aus – und passe es dann wieder an Methode“.
Die Sache mit den Phasen:
Je nach Saison oder Entwicklungsschub sind jeweils verschiedene Dinge im Fokus.
Wird dein Kind gerade trocken, ist vermutlich das Essen nicht das wichtigste Thema. Sondern eher das Kind und die Wäsche.
Im Winter ist es mir wichtiger, dass wir innen das Chaos in Ordnung bekommen, und im Sommer möchte ich gerne weniger aufwendig kochen und mehr draußen sein.
Je kleiner die Kinder sind, desto öfter verändert sich der Ablauf in der Regel, da du dich vermutlich meist an ihren Entwicklungsschritten wie z.B. dem Mittagsschlaf deiner Kinder anpasst.
Weiterführend: mache dir nach diesem Prinzip auch einen Wochenplan.
z.B.
| Sonntag | Montag | Dienstag | Mittwoch | Donnerstag | Freitag | Schabbat |
| Ausschlafen | ||||||
| Haushalt | Schule | Schule | Schule | Schule | Schule | |
| Ausflug | Externe Termine | Wald | Haushalt/ Projekt | Experimente | Verein | |
| Kinder duschen | Kinder baden |
Du kannst deine Struktur jederzeit nach Belieben anpassen.
Teste sie, wenn sie gut durchdacht ist, erst einige Tage, vor einer neuen Anpassung, denn jeder neue Ablauf braucht etwas Gewöhnungszeit.
Viel Erfolg beim Planen deiner Struktur.
Möge sie dir Ruhe und Gelingen in deinen Alltag bringen.

einfach gesegnet und reich beschenkt

Cornelia
19. September 2024 @ 11:04
Hallo Sonja, das klingt alles ganz prima. Du hast viele Kinder und hier höre ich deutich die Praxis sprechen.
Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das alles gemacht habe, damals, als meine Kinder noch klein waren. An viele Zettel und tägliche Notizen kann ich aber noch gut erinnern. Dieses Management ist bis heute geblieben und kann meiner Meinung nach nicht von einem Handy ersetzt werden.
Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft und Freude, Segen und Gelingen bei der Umsetzung und auch, dass viele Familien von Deiner Erfahrung profitieren. Schalom, Cornelia.
Sonja
19. September 2024 @ 17:31
Hallo Cornelia, vielen Dank, das ist sehr lieb. Ja, ich habe auch Schwierigkeiten, das Handy als meinen Manager zu nutzen und auf das Altbewährte ist doch manchmal mehr Verlass.
Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Alles Gute auch dir und Gottes Segen für dich und deine Familie.